(Grußwort) bei einer (Kunst-) Ausstellung / Vernissage
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(Grußwort) bei einer (Kunst-) Ausstellung / Vernissage

Sehr geehrte Damen und Herren, werte Kunst- und Kulturinteressierte, liebe Gäste,

ich freue mich außerordentlich, Sie alle heute zur Eröffnung unserer neuen Sonderausstellung zum „Zauber der Fotografie in der Nachkriegszeit“ begrüßen zu dürfen.

Die Epoche, über die wir dabei sprechen, verliert sich immer mehr in der Ferne. Es gibt sie noch, die Zeitzeugen, aber es werden weniger. Doch die Bilder, die wir über die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg vor Augen haben, sprechen Bände. Halb Europa musste wieder aufgebaut werden – und die Fotografie begleitete die Menschen dabei, wie sie die zerbombten Städte neu erschufen wie Phoenix aus der Asche. Doch gab es bei allem Leid auf unserem Kontinent auch Augenblicke der Schönheit, die die Lichtbildner seinerzeit mit der Kamera einfangen konnten. Ja, es gab ihn auch damals, den Zauber der Fotografie, und wir wollen ihn aufleben lassen mit unserer Ausstellung.

Doch warum tun wir das? Wir möchten zeigen, dass die Zeit des Wiederaufbaus zwar eine schwere Zeit war, aber dass die Menschen nach vorn geschaut haben. Zwar müssen wir heute mit unserer Hände arbeitet keinen Erdteil neu erschaffen, aber in einer Zeit, in der Hektik und ökonomischer Zwang unseren Alltag bestimmen, tun wir gut daran, uns zu erinnern, wer wir sind. Wir sind Menschen, und wir brauchen das Schöne, das Edle und das Wahre in der Welt, um human zu bleiben. Und sind es nicht gerade die hellen Momente in schweren Zeiten, die Hoffnung geben? Jene Momente, die auf den Bildern festgehalten worden sind, die wir Ihnen in unserer Ausstellung in den kommenden Monaten zeigen wollen.

Betrachten wir doch exemplarisch das Foto, auf dem ein paar Jungs zwischen den Ruinen Fußball spielen und befreit jubeln in genau dem Augenblick, in dem der Fotograf den Auslöser gedrückt hat. Beim Anblick der Trümmerwüste beschleicht den Betrachter eigentlich die Melancholie – aber in den Gesichtern der Buben stehen Hoffnung und Erleichterung geschrieben. Erleichterung, dass der Schrecken des Krieges vorbei ist. Und Hoffnung, dass bald bessere Zeiten kommen. Eine ähnliche Stimmung fängt jenes Foto ein, das zwei Frauen beim Wäschewaschen mit Waschbrett und Eimer zeigt, inmitten von Schuttbergen. Sie scheinen sich lustige Anekdoten zu erzählen, nur wenige Wochen nach dem Kriegsende ist dieses Foto entstanden.

Was nehmen wir mit aus diesen und den vielen hundert weiteren Bildern, die Sie gleich hier bestaunen können? Zum einen, dass es immer Zuversicht gibt, geben muss! Dass auch in finsteren Zeiten das Menschliche die Oberhand behält. Dass es zwischen den Menschen Momente gibt, in denen selbst die größten Sorgen für einen Augenblick zurücktreten. Und zum anderen, dass Kunst dazu in der Lage ist, diese Stimmung einzufangen und auf ihre Art auszudrücken. Fast immer und fast überall.

Lassen Sie mich zum Abschluss, bevor wir die Sammlung gemeinsam betreten, noch eines sagen: Die Magie der magischen Momente tritt jeden Tag hervor. Zwischen Alltagshektik und Eigenoptimierung schaffen wir es leider viel zu selten, richtig hinzusehen, um den Zauber des Augenblicks festzuhalten. Manchmal müssen wir einfach die Geschwindigkeit des Lebens ein wenig drosseln, damit sich uns das Magische deutlicher erschließt. Ich hoffe, Sie haben für diese Vernissage ein bisschen Zeit mitgebracht.

Nun darf ich Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit danken und Ihnen viel Freude an den einzigartigen Bildern zeigen, die meine Kolleginnen und Kollegen aus der Abteilung „Zeitgenössische Kunst“ für die Ausstellung ausgesucht haben.