Eine gute Rede schreiben und vortragen
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Eine gute Rede schreiben und vortragen

Reden werden überall gehalten: bei beruflichen Präsentationen, auf Vortragsveranstaltungen, im politischen Rahmen sowie natürlich bei Trauerfeiern oder Familienfeiern. Wenn du denkst, dass das Schreiben und vortragen einer Rede kein Hexenwerk ist, dann liegst du sicher richtig. Wenn du diese Aufgaben allerdings für ein Kinderspiel hältst, bist du schief gewickelt.

Doch mal ehrlich: Wie viele Reden haben dich wirklich berührt oder dich zum Nachdenken gebracht, an wie viele Reden erinnerst du dich lebhaft? Vermutlich an die wenigsten. Die meisten Reden sind langweilig, unpassend, ohne Esprit und Witz und viele von ihnen außerdem zusammenhangslos.

Und jetzt sollst du also eine Rede schreiben und halten und sitzt vor dem sprichwörtlichen weißen Blatt. Du weißt, dass deine Rede eloquent werden soll, unterhaltsam und ein bisschen humorvoll, abwechslungsreich und fesselnd – aber du weißt nicht, wie das geht. Kein Problem. In wenigen Schritten zeigen wir dir, was zu tun ist.


Vorbereitung ist das A und O

Zunächst einmal solltest du nicht einfach darauf losschreiben. Mach‘ dir vorher klar, wer zuhören wird und welches Ziel du mit deiner Rede verfolgst. Sollst du eine Motivationsrede vor deinen Kollegen halten oder eine Präsentation vor Geschäftskunden? Sprichst du auf einer privaten oder beruflichen Feier? Oder hältst du womöglich einen Fachvortrag?

So unterschiedlich die Voraussetzungen sind, sie haben alle eine Gemeinsamkeit: du möchtest Menschen erreichen. Und das schaffst du nicht mit 08/15-Geschwafel. Eine Rede ist gut, wenn du hier und da mit dem brichst, das die Zuhörer erwarten. Ein Business-Vortrag sollte natürlich nicht zu einer Comedyveranstaltung werden durch deine Rede, aber mit Humor fängst du deine Zuhörer eher ein als mit einer erneuten Verkaufsanalyse des Jahres 2014.

Bevor du deine Rede schreibst, solltest du dir über genau diesen Aspekt Gedanken machen. Wie konventionell muss die Rede angesichts des Themas und des Auditoriums sein? Wenn du es schaffst, die Erwartungen der Zuhörerschaft zu konterkarieren, ohne taktlos zu sein, dann ist dir die Aufmerksamkeit sicher.


Der Inhalt deiner Rede

Jetzt weißt du, was du sagen möchtest und wem – doch die eigentliche Arbeit beginnt erst. Idealerweise hast du schon ein paar Tage lang die Zeit gehabt, deine Gedanken immer wieder um die Inhalte kreisen zu lassen. Und noch besser, wenn du dir dazu ein paar Notizen gemacht hast. Aber Vorsicht, Stichworte genügen! Denn wenn erst einmal ausformulierte Sätze im Dokument stehen, tun wir uns alle schwer, daran noch etwas zu ändern. Wir sind deswegen richtiggehend blockiert. Ein ganz wichtiger Punkt.

Bevor du dich daran machst, auch nur einen Aufbau oder eine Gliederung deiner Rede zu schreiben, solltest du Fakten zum Stoff bzw. Inhalt sammeln, die dir unterkommen. Mögliche Quellen sind natürlich das Internet, aber auch Zeitungen und Geschehnisse, die um dich herum passieren oder passiert sind. Entscheidend ist auch hier, dass du es nicht übertreibst mit der Stoffsammlung. Ist das nämlich der Fall, dann stehen sich die Fakten und Anekdoten gegenseitig im Weg und versperren dir den Blick aufs große Ganze.

Doch warum überhaupt so eine Sammlung? Reicht es nicht, sich auf das Thema zu konzentrieren und die Rede einfach zu halten? Die Antwort lautet: ja und nein. Beim Thema bleiben, das ist sicherlich eine Grundvoraussetzung, um eine gelungene Rede zu halten. Aber du brauchst auch inhaltliche Meilensteine, die für deine Rede Leitplanken und Aufhänger sind. Ein idealer Ort, um eine Stoffsammlung anzulegen, ist übrigens eine kleine Schachtel oder eine Box, in die du die Zeitungsartikel, ausgedruckten Texte aus dem Internet und deine händischen Notizen hineinlegst.


Erstellen einer Gliederung

Du musst vor dem Schreiben der Rede keinen superdetaillierten Aufbau entwerfen. Das hemmt beim Schreiben selbst oft die kreativen Momente, die du dringend benötigst. Aber eine grundsätzliche Gliederung des Redemanuskripts muss schon sein. Ein Aufbau ist aber keineswegs in Stein gemeißelt – bis auf den allerersten Absatz. Die Einleitung in Form einer Begrüßung und der Vorstellung deiner Person selbst ist alternativlos (die Vorstellung jedenfalls dann, wenn dich nicht alle Anwesenden kennen sollten).

Nächster Punkt im Aufbau ist die Vorstellung des Themas, um das es geht. Hier hast du viel Spielraum. Für Aufmerksamkeit sorgst du normalerweise, wenn du mit einer Anekdote beginnst, die mit dem Hauptthema der Rede zu tun hat. So brichst du das Eis und ziehst die Zuhörer in deinen Bann. Allerdings klappt das nur, wenn du nicht zu ausufernd bist. Sonst erlischt das Interesse am Auftakt, noch bevor du den Hauptteil eröffnet hast.


Hauptteil – es geht ans Eingemachte

Beim Schreiben solltest du dein Thema in den relevanten Punkten darlegen. Das heißt gleichzeitig, Redundantes weglassen zu können. Versetze dich in dein Auditorium hinein, sei nicht zu erklärend. Die Anwesenden kennen sich ja in der Regel mit dem Thema aus. Jetzt ist die Zeit, um kontrovers zu werden – brich‘ mit Erwartungen, stelle Thesen auf und ein konkretes Ziel in den Raum! Fordere deine Zuhörer, sei anspruchsvoll, ohne abstrakt zu werden, polarisiere, ohne vor den Kopf zu stoßen.

Damit hast du die Saat ausgebracht – und es kommt der große Moment: das Ziel. DEIN Ziel. Das Ziel der Rede. Du hast alle ins Boot geholt durch deine Ausführungen, jetzt musst du argumentativ aufzeigen, weswegen dein Weg der richtige ist. Da du beim Schreiben ausreichend Zeit hast, solltest du dir auch direkt überlegen, welche Gegenargumente vorgebracht werden könnten. Die kannst du jetzt, also noch während deiner Rede, direkt widerlegen.


Schlussteil: aufhören, wenn es am schönsten ist

Die rhetorische Schule sieht nun vor, dass du am Ende das Gesagte zusammenfassen und nochmal dein Ziel vergegenwärtigen solltest. Das muss aber gar nicht sein. Deine Argumente bleiben am besten im Gedächtnis, wenn du diesen langweiligen Part weglässt. Begnadete Redner hören auf, wenn es am schönsten ist, wenn sie am Höhepunkt ihrer Ausführungen sind. Ein kurzer Dank und ein Abschiedsgruß, das genügt in der Regel.

Das wäre der schriftliche Part. Wenn dir dieser gut gelungen ist, dann kommt es natürlich auf die praktische Umsetzung an. So blöd es klingt, aber du solltest vorher ein paar Mal üben, gern auch vor einer Testperson. Natürlich liest du die Rede von deinem Manuskript ab, während du sie hältst, aber um ein Gefühl für den Text zu entwickeln und ihn sicher vortragen zu können, solltest du die Rede vorher einige Male halten. Du wirst nämlich bemerken, dass einige Dinge nicht so funktionieren, wie du sie dir beim Schreiben vorgestellt hast. Frag‘ auch deine Testperson, was ihr auffällt.


Der Vortrag

Das Halten der Rede ist eigentlich ein eigenes Thema. Wer erst einmal vor dem Auditorium steht und nervös wird, dem fehlen die grundsätzlichen Dinge wohl erst einmal. Deswegen ist es immer gut, sehr langsam zu beginnen und den Blick am Anfang nicht vom Redemanuskript zu nehmen. Und zwar solange, bis sich die Sicherheit eingestellt hat und du dich geistig mitten in dem von dir entworfenen Text befindest. Lege rhetorische Pausen ein an den richtigen Stellen, achte auf die Aussprache und das Sprechtempo – und nach einer kurzen Zeit kommt der Rest von allein. Es kann sogar Spaß machen, wenn du merkst, dass du deine Zuhörer tief in das Thema hineinziehst. Und genau dann bist du auf dem besten Weg, das Redeziel zu erreichen.