Kurioses

Warum sichert der Duft von Maiglöckchen des Fortbestand der Menschheit?
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VERÖFFENTLICHT AM 07.08.2021 |

Warum sichert der Duft von Maiglöckchen des Fortbestand der Menschheit?

Die Befruchtung einer Eizelle klingt zunächst nach einem sehr simplen Prozess: Die Spermien gelangen zur Eizelle, das schnellste frisst sich hinein und die Kerne verschmelzen. Doch der etwa 20 cm weite Weg, den die Spermien bis zu ihrem Ziel zurücklegen müssen, ist eine weite Reise. Übertragen auf unsere Größe müssen sie ungefähr die Strecke zwischen Köln und Berlin zurücklegen. Und das zu Fuß. Dabei lauern nicht nur Gefahren, es gilt vor allen Dingen den richtigen Weg zu finden. Denn woher weiß ein Spermium eigentlich, wo es lang muss?

Diese Frage stellten sich viele Wissenschaftler und kamen zu dem Schluss, dass die Eizelle einen Lockstoff abgeben muss, der den Spermien den Weg weist. Tatsächlich konnten Forscher der Ruhr Uni Bochum im Jahr 2003 erstmals nachweisen, das Spermien über Riechrezeptoren verfügen, die ähnlich aufgebaut sind wie die in unseren Nasen. Sie reagieren auf den künstlichen Maiglöckchenduft Bourgeonal. Die Rezeptoren liegen am Hals des Spermiums und sind direkt mit ihrem Antrieb gekoppelt. Eine Aktivierung des Rezeptors durch den Maiglöckchenduft führt zu einem Einstrom von Calzium in die Samenzelle und beschleunigt die Bewegung. Das Spermium setzt nun all seine Energie in ein Vorankommen, denn das Ziel ist scheinbar nicht mehr weit.

Im Jahr 2013 konnten die Forscher gemeinsam mit Wissenschaftlern von Fraunhofer-Institut in München Duftstoffe in Vaginalsekret nachweisen. Tatsächlich fanden sie über 20 unterschiedliche Duftstoffe, die, so mutmaßten die Wissenschaftler, alle dem Anlocken der Spermien dienen. In ihrer Struktur sind sie alle sehr ähnlich und können als Verwandte des Maiglöckchendufts bezeichnet werden. Interessanterweise ist die Zusammenstellung der Duftstoffe, ebenso wie die der Rezeptoren auf den Spermien, individuellen Schwankungen unterlegen. Dadurch könnte auf molekularer Ebene eine Erklärung gefunden sein, warum manche Paare Schwierigkeiten haben, gemeinsame Kinder zu zeugen, obwohl gesundheitlich keine Probleme vorliegen. Die Duftstoffe der Frau passen einfach nicht so gut zu den Rezeptoren des Mannes.

Diese Forschungsergebnisse lassen die These aufstellen, dass die Menschheit ohne Maiglöckchenduft längst ausgestorben wäre.
Kommen Fans von Horrorfilmen besser mit schwierigen Lebenssituationen zurecht?
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VERÖFFENTLICHT AM 11.07.2021 |

Kommen Fans von Horrorfilmen besser mit schwierigen Lebenssituationen zurecht?

Diese Frage beschäftigte ein Forscherteam der Universität von Chicago. Mithilfe eines Online-Fragebogens untersuchten sie im Jahr 2020 einen möglichen Zusammenhang zwischen einer Vorliebe für Horrorfilme und dem persönlichen Umgang mit der Corona-Pandemie. Dabei stellte sich deutlich heraus, dass Fans von morbiden Filmen, Endzeitgeschichten und Zombie-Serien scheinbar besser mit der Pandemie zurechtkommen als Menschen, die bevorzugt Comedyserien schauen. Die Forscher stellten fest, dass Horrorfans eine durchschnittlich höhere Resilienz (psychische Widerstandskraft) aufweisen und dadurch rationaler mit Gefahrenlagen und Notsituationen umgehen. Die Studie wurde im Januar 2021 im Fachjournal „Personality and Individual Differences“ veröffenlicht.

Der leitende Psychologieprofessor John Johnson erklärte in einer Pressemitteilung der Universität von Chicago, dass Horrorfilme nicht nur der Unterhaltung dienen, sondern die Psyche auch auf das wahre Leben vorbereiten. Sie dienen quasi als mentale Übung, die zumindest unterbewusst auf eine mögliche Krise vorbereitet. Auf diese Weise hat sich der Horrorfan bereits im Vorfeld eine Strategie erarbeitet, wie er selbst in so einer Situation reagieren würde. Dadurch ist er all jenen gegenüber im Vorteil, die sich mit solchen Themen und Gedankengängen nie befassen. Sie werden vom Leben ins kalte Wasser geworfen und können dann erst anfangen, sich Gedanken über eine mögliche Strategie zu machen. Dieses Unvorbereitete kann, je nach Persönlichkeit, die Psyche massiv belasten oder sogar überfordern.

Auch wenn das zunächst schlüssig klingt, werfen Kritiker die Frage auf, ob er Zusammenhang zwischen dem Konsum von Horrorfilmen und Resilienz nicht umgekehrt ist. Also, dass nur Menschen, die von Natur aus eine erhöhte Resilienz aufweisen, überhaupt erst gerne Horrorfilme anschauen. Doch letztlich gleicht diese Debatte der um dem Huhn und dem Ei und ändert nicht an der Tatsache, dass grundsätzlich ein Zusammenhang besteht. Was jetzt zuerst da war, ist im praktischen Alltag im Grunde wenig von Belang.
Wie beeinflusst das Wetter Zivilcourage?
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VERÖFFENTLICHT AM 20.06.2021 |

Wie beeinflusst das Wetter Zivilcourage?

Wissenschaftler der Lehigh University in Bethlehem, Pennsylvania stelten im Jahr 2017 fest, dass die Menschen bei Hitze weniger hilfsbereit sind. In einer mehrschichtigen Analyse betrachteten sie zunächst Mitarbeiter im Einzelhandel und beobachteten, dass diese an heißen Tagen nur halb so oft auf Kunden zugingen, um ihre Hilfe anzubieten. In einem zweiten Schritt wählten sie zufällige Probanden und baten sie, sich in eine Situation hinein zu versetzt, in der sie sehr geschwitzt haben. Anschließend wurden sie um unbezahlte Hilfe für eine weitere Studie gebeten, doch 66 Prozent lehnte ab. Eine zweite Gruppe, die nicht an eine derartige Situation erinnert wurde, erklärte sich dagegen in 76 Prozent der Fälle bereit, zu helfen. Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass es sogar schon ausreicht, sich Hitze vorzustellen, um die Hilfsbereitschaft der Menschen zu verschlechtern. In einem letzten Versuch wurden Probanden entweder in einen heißen oder in einen klimatisierten Raum gesetzt und zu unterschiedlichen Situationen nach ihrem möglichen Verhalten befragt. Auch hier zeigte sich, dass die Menschen im klimatisierten Raum deutlich eher dazu bereit waren, anderen Menschen zu helfen.

Interessanterweise lässt sich ein solcher Zusammenhang auch im echten Leben beobachten. So ist zum Beispiel in Deutschland die Spendenbereitschaft im Sommer deutlich geringer als im Winter. Dadurch haben Organisationen, die auf Spenden angewiesen sind (z.B. Tierheime) im Sommer häufig finanzielle Engpässe. Auch Blut wird in den Sommermonaten weniger gespendet, während in den Wintermonaten zumeist ausreichend Konserven in den Kliniken vorliegen.

Auf die Bereitschaft zu Zivilcourage wirken viele Faktoren ein. Allen voran hängt es von der Empathie des Augenzeugen und seiner momentanen Hilfsbereitschaft ab, ob er engagiert eingreift. Doch nicht nur die Hilfsbereitschaft, auch die Empathie leidet bei Hitze. So ist der Mensch bei Hitze weniger in der Lage, sich in andere Personen hineinzuversetzen, sondern fokussiert sich eher auf sich selbst. Dies erklärt auch, warum die Menschen im Sommer scheinbar aggressiver sind und es statistisch in den heißen Monaten zu mehr gewalttätigen Straftaten kommt.
Wer hat eigentlich die 86 Milliarden Nervenzellen im Gehirn gezählt?
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VERÖFFENTLICHT AM 20.06.2021 |

Wer hat eigentlich die 86 Milliarden Nervenzellen im Gehirn gezählt?

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa 86 Milliarden Nervenzellen. Diese Zahl gilt heute als wissenschaftlicher Konsens. Doch wie ist sie entstanden und welcher arme Laborant musste sie alle zählen?

Das Gehirn ist ein äußerst komplexes Organ, das aus einer Vielzahl von hierarchisch aufgebauten Strukturen besteht, die alle eine unterschiedliche Zelldichte aufweisen. Allein diese Varianz macht es unmöglich, sich mithilfe mikroskopischer Betrachtungen ein Bild über die tatsächliche Zahl an Nervenzellen zu machen.

Erst im Jahr 2005 veröffentlichte die brasilianische Neuroanatomin Suzana Herculano-Houzel eine sehr simple und doch genaue Methode, die Zahl der Nervenzellen in einem Gehirn oder bestimmten Bereichen des Gehirns zu erfassen. Vereinfacht gesagt besteht diese Quantifizierung auf zwei Schritten. Im ersten Schritt wird das gesamte Gehirn eines Menschen homogenisiert. Das bedeutet „gleich gemacht“ und ist im Grunde eine wissenschaftlich beschönigende Bezeichnung für „in den Mixer geworfen“. Denn genau das wurde gemacht. Aus einem komplexen Organ mit unterschiedlichen Strukturen und Zelldichten wurde ein Gehirnbrei hergestellt, der in seiner gesamten Masse die gleiche Dichte an Zellkörpern hat. Dass sämtliche Verbindungen zerstört wurden, ist an dieser Stelle egal. Es geht nur um die Zellkörper, die bei der richtigen Methode weitestgehend erhalten bleiben. Nun gilt es in einem zweiten Schritt, die Nervenzellen als solche erkennbar zu machen. Der Gehirnbrei besteht ja nicht nur aus Nervenzellen. Auch Zellen des Immunsystems, der Blutgefäße und insbesondere Gliazellen finden sich in dem Gemisch wieder. Eine spezifische Färbung färbt also nur die Nervenzellen ein, alle übrigen Zelltypen nicht.

Nun genügt es, die gefärbten Zellen in einem einzigen winzigen Tropfen des Breis zu zählen und auf das Gesamtvolumen hochzurechnen. Voilà, 86 Milliarden!
Warum gab es bis in die 1920er Jahre in Europa Kannibalismus?
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VERÖFFENTLICHT AM 24.01.2021 |

Warum gab es bis in die 1920er Jahre in Europa Kannibalismus?

Menschlicher Kannibalismus ist ein Phänomen, das in sämtlichen Kulturkreisen wenigstens zeitweise vorgekommen ist. So wurde auch in Europa bis weit ins 18. Jahrhundert hinein rohes oder gegartes Menschenfleisch verzehrt. Dabei handelte es sich zu einem Großteil um sogenannten medizinischen Kannibalismus, da dem Fleisch Heilkräfte zugesprochen wurden. Das Muskelfleisch hatte angeblich eine positive Wirkung gegen Gicht, Arthrose oder Lähmungen. Aber auch die inneren Organe hatten angeblich besondere Kräfte, die medizinisch wirksam sein sollten.

Aus diesem Grunde war es für einen Henker ein durchaus erträgliches Nebengeschäft, die Körper der Hingerichteten ganz oder in Teilen zu verkaufen. Abnehmer waren in der Regel Ärzte oder Apotheker, die die Leichenteile weiterverarbeiteten. Berichten zufolge soll Karl II von England (1630-1685) 6000 Pfund dafür bezahlt haben, ein Rezept für die Verflüssigung eines menschlichen Gehirns zu bekommen. Das Destillat ging als „des Königs Tropfen“ in die Medizingeschichte ein und wurde Überlieferungen zufolge täglich von Karl II eingenommen. Während der Verzehr von frischem Menschenfleisch im 18. Jahrhundert allerdings doch zunehmend in Verruf geriet, wurde ein menschliches Produkt noch länger als Medizin weiter verwendet: pulverisierte Mumien.

Der berühmte Arzt und Wegbereiter der modernen Medizin Paracelsus (1493-1541) verordnete staubfein gemahlenes Mumienpulver unter anderem bei Epilepsie, Herzerkrankungen, Vergiftungen oder Tuberkulose. Bis ins 19. Jahrhundert war die Nachfrage auf dem europäischen Medizinmarkt nach ägyptischen Mumien so hoch, dass Grabräuber kaum mit der Lieferung hinterher kamen. Daher wurden auch Moorleichen oder gefallene Soldaten zu „Mumienpulver“ verarbeitet. Mit der Zeit wurde aber auch diese Verwendung menschlicher Überreste ethisch hinterfragt. Als letztes deutsche Unternehmen verkaufte 1924 der Pharmabetrieb Merck in Darmstadt Mumienpulver, auch Mumia vera aegyptiaca genannt, für 12 Goldmark pro Kilogramm.
Wie kann man mit dem richtigen Wissen einen Sturz aus 6000 Meter Höhe überleben?
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VERÖFFENTLICHT AM 24.01.2021 |

Wie kann man mit dem richtigen Wissen einen Sturz aus 6000 Meter Höhe überleben?

Ein Sturz aus sehr großer Höhe bringt den Vorteil, dass etwas Zeit bleibt, sich auf den Aufprall vorzubereiten. Nach etwa 20 Sekunden freiem Fall erreicht ein menschliche Körper seine maximale Geschwindigkeit von etwa 162 km/h. Bei einer Fallhöhe von 6000 Metern dauert der Sturz somit etwa 2 Minuten. Durch diese Zeit bietet ein Sturz aus dieser Höhe zwar eine sehr geringe, aber dennoch höhere Überlebenschance, als ein Sturz aus 600 Metern Höhe.

Physikalisch betrachtet ist ein Aufprall eine Reduktion der Geschwindigkeit auf Null. Je langsamer diese Reduktion erfolgt, desto geringer ist dementsprechend die Wucht des Aufpralls. Als erste Maßnahme sollte sich der Fallende möglichst groß machen und sich mit gespreizten Armen und Beinen bäuchlings gegen den Luftwiderstand legen. Allein dadurch wird der Fall leicht verlangsamt.

Für einen glimpflichen Aufprall ist der Untergrund entscheidend. Auf einem geraden und glatten Untergrund sind die Überlebenschancen annähernd Null, doch ein Steilhang bietet die Möglichkeit den Sturz schrittweise abzufangen. Natürlich sollte der Hang möglichst weich und nicht scharfkantig sein. Eine dicke Schneedecke wäre optimal. Aber auch ein Wald bietet durch Bäume und Äste die Möglichkeit, den Sturz abzufedern. Beim Aufprall sollten alle Muskeln angespannt und die Arme schützend um den Kopf gelegt werden. Weder der Kopf noch die gestreckten Beine dürfen zuerst aufschlagen. Vielmehr sollte der Aufschlag großflächig erfolgen, um die wirkenden Kräfte gleichmäßig zu verteilen.

Tatsächlich gibt es ein paar Menschen, die derart hohe Stürze überlebt haben. Die Stewardess Vesna Vulovic überlebte 1972 den Sturz aus 10.000 Metern Höhe, nachdem ihr Flugzeug bei einer Explosion auseinander brach. Sie verbrachte über ein Jahr im Krankenhaus, konnte aber anschließend ihre Tätigkeit beim Bodenpersonal wieder aufnehmen. Der Brite Nicolas Alkemade sprang im zweiten Weltkrieg ohne Fallschirm aus seinem Flugzeug und erlitt nur ein paar Schürfwunden. Ähnlich erging es dem russischen Pilot Ivan Chisov und dem US-Bomberschützen Alan Magee. Alle vier landeten auf schneebedeckten Hängen oder in Wäldern.
Warum ist die Sonne gar nicht gelb?
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VERÖFFENTLICHT AM 24.01.2021 |

Warum ist die Sonne gar nicht gelb?

Jedes Kind der Welt weiß, dass die Sonne gelb ist und wird sie entsprechend malen. Auch auf Zeichnungen verschiedener Ureinwohner wird die Sonne meist gelb dargestellt. Doch sie ist nicht gelb, sondern weiß. Ansonsten wäre es gar nicht möglich, weiße Dinge als solche zu sehen. In einem gelben Licht, wären schließlich alle weißen Dinge gelb, so wie bei einer gelben Glühbirne, die ein weißes Blatt Papier gelb erscheinen lässt.

Tatsächlich definiert das Sonnenlicht die Farbe weiß, denn sie strahlt weißes Licht ab. Dieses weiße Licht ist der Teil des elektromagnetischen Spektrums der Sonne, der für das menschliche Auge sichtbar ist. Darüber hinaus gibt die Sonne für uns nicht sichtbare ultraviolette und infrarote Strahlung ab. In dem sichtbaren weißen Licht, sind alle Farben enthalten, was durch ein Prisma oder bei jedem Regenbogen zu erkennen ist. Jede Oberfläche auf der Erde nimmt ein Teil dieses weißen Lichtes auf und reflektiert einen anderen Teil. So entstehen die Farben. Wird die Strahlung komplett aufgenommen erscheint ein Gegenstand oder eine Fläche schwarz. Wird sie komplett reflektiert, so erscheint ein Gegenstand oder eine Fläche weiß. Weiß, wie die Sonne.

Woher kommt aber die verbreitete Annahme, die Sonne sei gelb? Eine Erklärung könnte die Tatsache sein, dass sie tatsächlich gelb erscheint, wenn wir sie unbeschadet betrachten können, nämlich wenn sie auf oder unter geht. Die Sonne steht dann dicht über dem Horizont und ihre Strahlen müssen durch dichtere Luftschichten als sonst. Dabei schlucken kleinste Partikel in der Luft die blauen Anteile des weißen Lichtes und übrig bleiben gelb, orange und rot. Auch hoch am blauen Himmel kann die Sonne, wenn man nur kurz hin sieht, gelb erscheinen. Das liegt an der blauen Farbe des Himmels, an die sich das Auge kurzzeitig gewöhnt hat und sie von der Sonne abzieht. Wir müssten länger hinschauen, damit dieser Effekt verschwindet, aber das ist natürlich nicht möglich.