7 klassische Irrtümer der Deutschen bei der Altersvorsorge
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7 klassische Irrtümer der Deutschen bei der Altersvorsorge

Die meisten Bundesbürger haben mittlerweile erkannt, dass es äußerst wichtig ist, sich rechtzeitig um eine private Altersvorsorge zu kümmern. Dennoch gibt es im Hinblick auf die Vorsorge im Alter zahlreiche Irrtümer, die zu falschen oder nicht getroffenen Entscheidungen führen. In unserem Beitrag erfahren Sie, welches acht der am häufigsten auftretenden Irrtümer im Zusammenhang mit der Altersvorsorge sind.


Irrtum 1: Die gesetzliche Rente wird für mich ausreichen


Noch immer gibt es zahlreiche Bundesbürger, die sich nahezu blind darauf verlassen, dass der Staat für sie im Alter sorgen wird. In gewisser Weise ist dies zwar richtig, denn wer mit seiner gesetzlichen Rente nicht auskommt, weil diese zu gering ist, der erhält mit der Grundrente eine Aufstockung oder im Fall des Falles sogar Sozialhilfe. Trotzdem kann diese Unterstützung natürlich nicht das Ziel sein, denn damit einher geht, dass der Lebensstandard zum Teil deutlich sinken würde. Dass die gesetzliche Rente in den meisten Fällen nicht ausreichen wird, zeigt das aktuelle Nettorentenniveau. Dieses liegt bei unter 50 Prozent des Durchschnittseinkommens während des Arbeitslebens. Zwar sind noch einige steuerliche Faktoren zu berücksichtigen, aber Sie müssen davon ausgehen, dass Sie selbst bei vielen Jahrzehnten Beitragszahlungen im Alter eine gesetzliche Rente erhalten, die weniger als 70 Prozent Ihres aktuellen Nettoeinkommens betragen wird. Somit ist es keineswegs so, dass Sie sich auf den Staat verlassen können, sondern es ist dringend zu empfehlen, sich um eine private Altersvorsorge zu kümmern.


Irrtum 2: Mit der privaten Altersvorsorge kann ich auch später beginnen


Zwar ist mittlerweile den meisten Bundesbürger bekannt, dass die private Altersvorsorge später sehr wichtig ist. Trotzdem wird der Beginn des Sparens häufig auf die lange Bank geschoben, weil ein Irrtum darin besteht, dass es auf ein paar Jahre mehr oder weniger nicht ankommen wird. Tatsächlich ist es jedoch so, dass einige Jahre schon einen deutlichen Unterschied machen können, wenn es darum geht, wie viel Sie aus Ihrer privaten Vorsorge später Monat für Monat entnehmen können. Hier kommt insbesondere der Zinseszins in Spiel, der dafür sorgt, dass die Rendite mit langer Laufzeit überproportional steigt.

Wie sich dies auswirken kann, zeigt das folgende Beispiel, indem wir drei unterschiedliche Laufzeiten beim Vermögensaufbau mit der jeweils gleichen Sparrate und dem gleichen Zins gegenüberstellen:


Sparvertrag 1
Anspardauer (Laufzeit): 20 Jahre

Monatliche Rate: 250 €

Zinssatz: 4,5 % (pro Jahr)

Gesamtsumme nach 20 Jahren: ca. 96.000 Euro


Sparvertrag 2
Anspardauer (Laufzeit): 30 Jahre

Monatliche Rate: 250 €

Zinssatz: 4,5 % (pro Jahr)

Gesamtsumme nach 30 Jahren: ca. 187.000 Euro


Sparvertrag 3
Anspardauer (Laufzeit): 40 Jahre

Monatliche Rate: 250 €

Zinssatz: 4,5 % (pro Jahr)

Gesamtsumme nach 40 Jahren: ca. 329.000 Euro


Irrtum 3: Spätere Rente und aktuelles Nettoeinkommen müssen identisch sein


Zwar ist es kein Nachteil, wenn Sie durch den Aufbau Ihrer privaten Altersvorsorge erreichen, dass Sie zusammen mit der gesetzlichen Rente soviel monatlich zur Verfügung haben, wie Ihr aktuelles Nettoeinkommen ausmacht. Dies ist meistens aber gar nicht notwendig, denn in aller Regel fallen ab dem Ruhestand einige Ausgaben weg. Daher ist es ein nicht zu unterschätzender Irrtum, dass Sie beispielsweise schon ab einem Alter von 30 Jahren monatlich so viel ansparen müssen, dass Sie später zusammen mit der gesetzlichen Rente und Ihrer privaten Altersvorsorge auf 100 Prozent Ihres Nettoeinkommens gelangen. Ausgaben, die nämlich im Ruhestand häufig wegfallen oder zumindest geringer werden, betreffen die Fahrt zur Arbeit und somit Benzinkosten, Kreditraten, häufiger die Miete (Immobilieneigentümern) oder auch Konsumausgaben.


Irrtum 4: Vorsorgeplanung ist viel zu kompliziert


Manche Bundesbürger trauen sich deshalb nicht an die private Altersvorsorge heran, weil sie der Auffassung sind, dass es viel zu kompliziert sei zu ermitteln, wie viel sie monatlich sparen müssen, um später keine Einbußen beim Lebensstandard hinnehmen zu müssen. Die Rechnung ist jedoch deutlich einfacher, als man vielleicht meinen könnte. Zunächst müssen Sie lediglich Ihre Versorgungslücke im Alter berechnen. Die funktioniert ganz einfach, indem Sie Ihre später voraussichtliche gesetzliche Rente plus einer eventuellen Betriebsrente von dem Budget subtrahieren, welches Sie gerne im Alter Monat für Monat haben möchten.

Diese Differenz ist bereits Ihre Versorgungslücke. Ihr voraussichtliche gesetzliche Rente können Sie der Renteninformation entnehmen, die Sie Monat für Monat erhalten. Auf Basis dieser Versorgungslücke müssen Sie dann nur noch mit einem Online-Rechner ermitteln, welchen Betrag Sie Monat für Monat ab jetzt ansparen müssten, um diese Lücke durch die private Vorsorge zu schließen. Auch hier möchten wir an einem Beispiel verdeutlichen, wie eine solche Berechnung aussehen kann:


Budget im Rentenalter: 2.200 € pro Monat

Voraussichtliche gesetzliche Rente: 1.300 € pro Monat

Betriebsrente: 200 € pro Monat

Versorgungslücke: 700 € pro Monat

Kapitalbedarf ab Rentenalter zum Decken der Versorgungslücke: 100.000 €

Zeit zum Ansparen: 30 Jahre

Zinssatz des Sparvertrages: 4,5 %

Monatliche Rate: 133 Euro


Irrtum 5: Die besten Fonds haben in der Vergangenheit die beste Wertentwicklung


Viele Sparer entscheiden sich beim Aufbau einer privaten Altersvorsorge dafür, regelmäßig in Fonds zu sparen. Dies funktioniert wird relativ einfach über einen Fondssparplan. Häufig besteht in dem Zusammenhang allerdings ein größerer Irrtum, nämlich dass die besten Investmentfonds die sind, die auch in der Vergangenheit eine sehr gute Performance erzielt haben. In Einzelfällen mag das zwar zutreffen, aber in vielen Fällen ist es einfach rein zufällig, wenn ein Fonds in der Vergangenheit besonders gut abgeschnitten hat. Daher sollten Sie sich nicht allein auf die rückwirkend sichtbare Performance verlassen, wenn Sie die Fonds auswählen, die zum Aufbau der privaten Vorsorge passen.


Irrtum 6: Betriebliche Altersvorsorge ist überflüssig und zu kompliziert


Ein weiterer Irrtum bezüglich der Altersvorsorge besteht vor allem im Hinblick auf die betriebliche Altersvorsorge. Vielen Menschen ist die Betriebsrente zu kompliziert oder sie trauen sich nicht, ihren Arbeitgeber danach zu fragen. Dabei ist jeder Arbeitgeber in Deutschland ab einer bestimmten Mitarbeiterzahl dazu verpflichtet, zumindest einen Durchführungsweg zur betrieblichen Altersvorsorge anzubieten. Zudem trägt die Betriebsrente zwar meistens keinen sehr großen Teil an der Gesamtvorsorge bei, allerdings sollte man dennoch die Möglichkeit nutzen, durch eine betriebliche Altersvorsorge die spätere Versorgungslücke zu reduzieren. Daher lohnt es sich auf jeden Fall, die Betriebsrente anzusteuern. Kompliziert ist das Ganze ohnehin nicht, denn um die gesamte Abwicklung kümmert sich der Arbeitgeber.


Irrtum 7: Inflation muss bei der Altersvorsorge nicht berücksichtigt werden


Ein großer Irrtum besteht darin, dass die Inflation - sowohl bei der gesetzlichen als auch bei der betrieblichen Altersversorgung - keine Rolle spielen würde. Tatsächlich ist es so, dass der Kaufpreisverlust über Jahrzehnte hinweg - je nach Höhe der Inflation - drastisch ausfallen kann. Wenn man einmal eine durchschnittlich Inflation in Höhe von jährlich zwei Prozent annimmt, dann würde bezüglich der Kaufkraft aus einem Betrag von aktuell 1.000 Euro nur noch eine Summe von etwa 550 Euro übrig bleiben, die der Kaufkraft in 30 Jahren entsprechen würde. Daher ist es auch beim Aufbau einer betrieblichen Altersvorsorge dringend zu empfehlen, den Faktor Inflation zu berücksichtigen. Dies kann dadurch geschehen, dass zum Beispiel eine dynamische Sparrate gewählt wird, die sich der Inflationsrate angepasst.