Comeback der Werkswohnungen
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Comeback der Werkswohnungen: Mitarbeiterwohnungen erleben Renaissance

Mitarbeiterwohnungen kennen einige Menschen noch aus den 60er-, 70er- und 80er-Jahren. Zur damaligen Zeit war es insbesondere in einigen Großunternehmen möglich, dass für die Angestellten spezielle Wohnungen angeboten wurden. In den letzten Jahrzehnten waren allerdings verhältnismäßig wenige Werkswohnungen in Deutschland zu finden. Jetzt hingegen scheint es eine Renaissance der Mitarbeiterwohnungen zu geben, denn eine wachsende Anzahl großer Unternehmen stellt gezielt Werkswohnungen zur Verfügung.


Worum handelt es sich bei Mitarbeiterwohnungen eigentlich?


Unter dem Begriff Werks- bzw. Mitarbeiterwohnungen werden im Allgemeinen Wohneinheiten verstanden, die sich oftmals in größeren Wohnblöcken befinden und ausschließlich Mitarbeitern eines bestimmten Unternehmens vorbehalten sind. In den 60er- und 70er-Jahren gab es insbesondere an den Standorten der großen deutschen Unternehmen zahlreiche solcher Wohnsiedlungen, die zum Teil fast ausschließlich aus Werkswohnungen bestanden. Eine Mitarbeiterwohnung zeichnet sich also insbesondere dadurch aus, dass sie vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellt wird und an die Voraussetzung geknüpft ist, dass tatsächlich nur ein Mitarbeiter dort mit seiner Familie einziehen darf


Warum erleben Werkswohnungen aktuell ein Comeback?


In Deutschland gibt es am Arbeitsmarkt aktuell ein großes Problem, nämlich den sogenannten Fachkräftemangel. Das bedeutet, dass es insbesondere in Berufen mit höherer Qualifikation an Arbeitskräften mangelt, die den entsprechenden Job ausführen können. Aber nicht nur am Arbeitsmarkt gibt es ein Problem, sondern ebenfalls am Wohnungsmarkt. Dieses besteht darin, dass insbesondere in den Metropolen bezahlbarer Wohnraum äußerst knapp geworden ist.

Naturgemäß sind die großen Unternehmen in Deutschland, also die Arbeitgeber mit vielen Mitarbeitern, bevorzugt in den Metropolen des Landes ansässig. Somit treffen gleich zwei größere Probleme aufeinander, nämlich zum einen der Fachkräftemangel und zum anderen der Mangel an bezahlbarem Wohnraum. Typische Beispiele sind München, Hamburg oder auch Berlin.


Mitarbeiterwohnungen könnten zwei Probleme auf einmal lösen


Mitarbeiterwohnungen haben durchaus das Potenzial, gleich zwei Probleme auf einmal zu lösen, nämlich zum einen den Fachkräftemangel und zum anderen für Mitarbeiter bezahlbaren Wohnraum anzubieten. Durch das Angebot an Werkswohnungen haben die Angestellten wieder größere Chancen, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Dies wiederum dürfte vermehrt Fachkräfte aus dem Ausland nach Deutschland locken. Bisher stellt sich die Situation für diese eher negativ dar, denn wer würde unbedingt sein bisheriges Land verlassen, wenn er davon ausgehen müsste, dass er in Deutschland ohnehin keinen Wohnraum findet. Arbeitsplatz und Wohnraum sind nach wie vor eng miteinander verbunden und stellen zum Teil im negativen Sinne einen Teufelskreis dar.


Groß angelegtes Programm beispielsweise bei Volkswagen


Es gibt inzwischen einige Großunternehmen in Deutschland, die das Potenzial der Mitarbeiterwohnung erkannt haben und demzufolge entsprechende Programme in Angriff nehmen bzw. bereits ausführen. Ein Aktuelles Beispiel ist der Volkswagen-Konzern, der an seinem Hauptsitz in Wolfsburg in diesem Jahr eine Reihe Mitarbeiterwohnungen schaffen wird. Ein weiteres Beispiel sind die Stadtwerke in München, die ebenfalls damit beginnen, Werkswohnungen für ihre Mitarbeiter zu errichten. Leider gibt es allerdings auch einige Unternehmen, die sich konträr verhalten. Dies gilt beispielsweise für die Deutsche Bahn, denn das Unternehmen will viele Tausend der bestehenden Mitarbeiter-Wohnungen veräußern.


Mitarbeiterwohnungen jetzt für Arbeitnehmer steuerlich attraktiver


Ein weiterer Pluspunkt der Mitarbeiterwohnungen gilt für Arbeitnehmer, abgesehen von der größeren Chance auf bezahlbaren Wohnraum. Bisher war es nämlich so, dass die Mitarbeiter den Unterschied zwischen der Miete für die Werkswohnung und der am Ort übliche Vergleichsmiete als sogenannten geldwerten Vorteil zu versteuern hatten. Daher kam es oftmals zur Versteuerung, denn für gewöhnlich werden Mitarbeiter-Wohnungen mit einer besonders günstigen Miete ausgestattet. Seit diesem Jahr gibt es neue Regelungen, die für Arbeitnehmer freundlicher sind.

Zwar muss der Arbeitnehmer nach wie vor unter bestimmten Voraussetzungen eine Differenz als geldwerten Vorteil versteuern. Allerdings gilt dies nur noch dann, falls die Werkswohnung nicht über 33 Prozent unterhalb der am Ort üblichen Vergleichsmiete liegt. Dies könnte für zahlreiche Mitarbeiter eine steuerliche Entlastung bedeuten, die Werkswohnungen zusätzlich attraktiv macht.


Arbeitgeber profitieren ebenfalls von Mitarbeiterwohnungen


Arbeitgeber profitieren von Mitarbeiterwohnungen nicht nur dadurch, dass dringend benötigte Fachkräfte wieder mehr Chancen sehen, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Darüber hinaus ist es nach wie vor so, dass solche Mitarbeiterwohnungen den einzelnen Arbeitnehmer enger an sein Unternehmen binden. Dies ist zum Beispiel damit zu begründen, dass man eine günstige Mitarbeiterwohnung, noch dazu in einer Metropole mit Wohnungsknappheit, sicherlich nicht so leicht aufgeben möchte. Dies wiederum bedingt, dass man beim aktuellen Arbeitgeber bleibt, denn sonst würde man das Wohnrecht verlieren.


Berufsanfänger als eine große Zielgruppe


Eine große Zielgruppe für Mitarbeiterwohnungen sind nicht unbedingt Familien, in denen zum Beispiel der Mann bereits viele Jahre im Job tätig ist. Stattdessen sind es unter anderem Auszubildende und Berufseinsteiger. Dies liegt daran, dass diese oftmals relativ wenig Geld zur Verfügung haben und sich damit erst recht keine gewöhnliche Wohnung leisten können. Da die Mitarbeiterwohnungen - wie bereits angesprochen - meistens zum Teil deutlich unterhalb der örtlichen Vergleichsmiete liegen, sehen gerade diese Mitarbeiter eine gute Chance, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Mitunter werden Mitarbeiterwohnungen von den entsprechen Unternehmen sogar bevorzugt an einkommensschwache Angestellte vorgeben, zu denen insbesondere zählen:
• Auszubildende

• Praktikanten mit längerfristigen Praktikum

• Berufseinsteiger

• Zeitarbeiter

Mitarbeiterwohnungen keineswegs nur in Großstädten


Was man vielleicht auf den ersten Blick nicht vermuten würde: Mitarbeiterwohnungen werden aktuell nicht nur in den Metropolen des Landes gebaut. Darüber hinaus findet das Errichten ebenfalls verstärkt in kleineren Städten oder sogar in der Provinz statt. Auch dort gibt es mittlerweile nämlich das Problem, dass in bestimmten Bereichen Wohnungsknappheit vorherrscht. So mangelt es zum Beispiel insbesondere an 1- bis 2-Zimmer-Wohnungen, also vorwiegend kleineren Apartments. Hier gibt es verschiedene Ansätze, wie sich auch dort Mitarbeiterwohnungen zukünftig etablieren könnten.


Unterschiedliche Verteilungskriterien bei Mitarbeiterwohnungen


Ein drohendes Problem sehen Experten bei Mitarbeiterwohnungen schon jetzt: Die Nachfrage dürfte vermutlich (deutlich) größer als das Angebot sein. Daher stellt sich die berechtigte Frage, nach welchen Kriterien die entsprechenden Unternehmen einem Mitarbeiter den Zuschlag für eine Wohnung geben werden. Denkbar sind vor allem soziale Komponenten, also ein relativ geringes Einkommen. Zudem könnten Mitarbeiter mit Ehepartner und Kindern durchaus bevorzugt werden.