was ist der Arbitragehandel
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Mit kleinsten Kursdifferenzen Gewinne erzielen - was ist der Arbitragehandel?

Nicht alle Anleger am Markt möchten ihr Geld langfristig investieren oder kurzfristig auf Gewinne spekulieren. Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Anlegern, die kurz- oder mittelfristig investiert sind, dabei jedoch eine spezielle Strategie verfolgen. Häufig wird in dem Zusammenhang auch von Tradern gesprochen. Diese sind vorwiegend im Wertpapierbereich aktiv, handeln also beispielsweise mit Aktien oder Fonds. Eine beliebte Strategie ist der sogenannte Arbitragehandel, mit dem wir uns im folgenden Beitrag näher beschäftigen möchten.


Was beinhaltet der Arbitragehandel?


Es wäre nicht verwunderlich, wenn Sie dem Begriff Arbitragehandel bisher noch nie gehört hätten. Die Bezeichnung wird in den Medien relativ selten verwendet, stellt der Handel doch eine vergleichsweise spezielle Strategie dar, die sich zudem normalerweise nur mit etwas mehr Kapital umsetzen lässt. Dann jedoch kann der Arbitragehandel dazu führen, dass Sie regelmäßig gute Einnahmen generieren. Doch was zeichnet nun den Arbitragehandel und Arbitragegeschäfte aus?

Die Bezeichnung Arbitrage meint im Finanzbereich hauptsächlich, dass eine Differenz zwischen zwei Kursen besteht. Damit ist allerdings nicht die übliche Differenz zwischen dem An- und dem Verkaufskurs, beispielsweise bei Devisen, gemeint. Stattdessen verbirgt sich hinter dem Arbitragehandel die Differenz zweier Kurse, beispielsweise die eine Aktie, die zeitgleich an verschiedenen Börsen existiert.


Wie funktionieren Arbitragegeschäfte?


Wenn wir im Folgenden von Arbitragegeschäften sprechen, dann sind damit ausschließlich Wertpapiergeschäfte im Finanzbereich gemeint. Dies ist wichtig zu betonen, denn der Arbitragehandel findet auch noch in anderen Bereichen statt, wie zum Beispiel beim Handel mit Rohstoffen. Arbitrage-Gewinne können Sie vom Prinzip her mit allen Finanzprodukten erzielen, die an einer Börse gehandelt werden. Dazu zählen in erster Linie:
• Aktien

• Anleihen

• ETFs

• Zertifikate

• Devisen

• Rohstoffe

• Terminkontrakte
Bei Anleihen finden Sie Arbitragegeschäfte relativ selten, da die Kursbewegungen bei Weitem nicht so stark wie zum Beispiel bei Aktien sind. Arbitragegeschäfte im Bereich des Terminhandels und mit Rohstoffen sind ebenfalls nur für wenige Anleger eine Option, da diese relativ risikoreich sind. Die Funktionsweise eines Arbitragegeschäfte es jedoch - unabhängig vom zu Grunde liegenden Finanzprodukt - relativ einheitlich.

Zunächst einmal entscheiden Sie sich für ein Wertpapier, beispielsweise für die Microsoft-Aktie, die Sie gerne handeln möchten. Nun suchen Sie sich mehrere Börsen heraus, an denen die Microsoft-Aktie gehandelt wird. Ferner müssen Sie sich natürlich entscheiden, welche Stückzahl Sie gerne handeln möchten. Im weiteren Verlauf ist es empfehlenswert, dass Sie sich die Kursentwicklung an mindestens zwei unterschiedlichen Börsen über einen gewissen Zeitraum näher betrachten. So können Sie im besten Fall herausfinden, in welchem Umfang die Kurse zwischenzeitlich an den Börsen zum gleichen Zeitpunkt vielleicht etwas voneinander abweichen. Dies ist nämlich die Basis für jedes funktionierende Arbitragegeschäft.

Der eigentliche Arbitragehandel funktioniert dann so, dass Sie an der Börse A die Microsoft-Aktien kaufen (um beim Beispiel zu bleiben) und diese bestenfalls Sekunden später an der Börse B wieder verkaufen. Im Idealfall haben Sie dann einen Arbitrage-Gewinn erzielt, wenn Sie nämlich zu einem etwas höheren Kurs verkaufen als Sie die Aktien zuvor gekauft haben.

In der Übersicht sind es daher die folgenden Schritte bis zum ersten Arbitragegeschäft:
1. Wertpapierdepot eröffnen (falls noch nicht vorhanden)

2. Wertpapier auswählen, beispielsweise Microsoft-Aktie

3. Stückzahl und damit Kapitaleinsatz festlegen

4. Mindestens zwei unterschiedliche Börsen heraussuchen

5. Kaufauftrag an Börse A und (nahezu) zeitgleich Verkaufsauftrag an Börse B stellen

Welche Voraussetzungen sollten Sie erfüllen?


Bis dato klingt der Arbitragehandel definitiv nach einem Modell, mit dem es leicht sein könnte, Geld zu verdienen. Ganz so einfach ist es allerdings nicht. Immerhin müssen Sie möglichst genau einschätzen können, ob und in welchem Umfang die Kurse an zwei unterschiedlichen Börsen für ein Wertpapier nahezu zeitgleich differieren. Sollten Sie eine unlimitierte Kauf- und Verkaufsorder erteilen, könnte der Schuss leicht nach hinten losgehen. Dann wäre es nicht unwahrscheinlich, dass Sie beispielsweise die Microsoft-Aktie zu einem höheren Kurs kaufen als Sie das Wertpapier anschließend an der anderen Börse verkaufen können. Die Grundlage des erfolgreichen Arbitragehandel ist es aber natürlich, dass die Kursdifferenz positiv ausfällt. Sie sollten die Wertpapiere also immer etwas günstiger einkaufen als Sie diese anschließend wieder verkaufen.

Im Überblick sollten Sie insbesondere die folgenden Voraussetzungen für einen erfolgreichen Arbitragehandel erfüllen können:
• Nur mit limitierten Kauf- und Verkaufsorders arbeiten

• Broker / Bank mit schneller Orderausführung wählen

• Größere Kapitalsumme zur Investition verfügbar
Neben dem Stellen limitierter Orders ist es ferner also wichtig, dass Ihre Handelsaufträge möglichst schnell ausgeführt werden. Nur dann können Sie Kursdifferenzen, die nahezu zeitgleich an verschiedenen Börsen existieren, auch wirklich ausnutzen. Ferner lohnt sich der Arbitragehandel natürlich nur unter der Voraussetzung, dass Sie etwas mehr Kapital einsetzen können. Würden Sie beispielsweise lediglich zehn Aktien mit einem aktuellen Kurs von 50 Euro erwerben und sogar einen Arbitrage-Gewinn von 0,05 Euro je Aktie erzielen, belief sich Ihr Gewinn lediglich auf 2,50 Euro. Dies würde noch nicht einmal die Orderkosten abdecken.


Ab wann lohnen sich Arbitragegeschäfte?


An dieser Stelle möchten wir noch etwas näher darauf eingehen, dass Sie für den Arbitragehandel größere Kapitalsummen zur Verfügung haben sollten. Schauen wir uns dazu noch einmal die Microsoft-Aktie aus unserem Beispiel an. Aktuell (Anfang Februar 2020) notiert die Aktie des weltweit führenden Softwareentwicklers bei 153,78 Euro. Wenn Sie nun die Microsoft-Aktie an der Börse A kaufen und kurze Zeit später an der Börse B wieder verkaufen, ist ein durchschnittlicher Arbitrage-Gewinn von 0,01 bis 0,10 Euro realistisch. Es wäre schon großes Glück, wenn die Kursdifferenz zeitgleich an zwei verschiedenen Börsen über zehn Cent betragen würde. Wenn wir also den Mittelwert nehmen, würden Sie mit einem Arbitragegeschäft in Microsoft-Aktien im guten Fall fünf Cent je Aktie an Arbitrage-Gewinn erzielen.

Um einen zumindest einigermaßen akzeptablen und lohnenswerten Ertrag von mindestens 20 Euro zu erzielen, müssten Sie in diesem Fall also nicht weniger als 400 Aktien handeln. Diese haben aktuell einen Gegenwert von etwa 60.000 Euro. Daran erkennen Sie bereits, dass für den Arbitragehandel definitiv ein hoher Kapitalaufwand notwendig ist. Dies führt übrigens dazu, dass Arbitrage-Händler meistens pro Tag zwischen 10 bis 20 Trades durchführen. Nur so summieren sich die kleineren Gewinne, wie im Beispiel von angestrebten 20 Euro pro Trade, zu einem attraktiven Tagesgewinn. Zudem sollten Sie bedenken, dass die Strategie natürlich nicht immer aufgeht, weil entweder keine Kursdifferenzen existieren oder der Kurs in Sekunden gefallen ist.