P2P-Kredite von Privatpersonen an Privatpersonen
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P2P-Kredite von Privatpersonen an Privatpersonen weiter auf dem Vormarsch

Wer einen Kredit benötigt, der wendet sich auch heute noch in über 95 Prozent aller Fälle an seine Bank oder ein anderes Kreditinstitut, welches nach einem Kreditvergleich die günstigeren Konditionen zu bieten hat. Trotzdem gibt es eine Entwicklung am Kreditmarkt, die darin besteht, dass immer mehr Kreditsuchende die Möglichkeit nutzen, einen sogenannten P2P-Kredit aufzunehmen. P2P steht in dem Zusammenhang für peer-to-peer, also für eine Transaktion zwischen zwei Privatpersonen. Was es mit diesem P2P-Krediten auf sich hat und worin die Vorteile bestehen, das erfahren Sie im folgenden Beitrag.


Kreditvolumen bei P2P-Krediten weiter steigend


Wenn man einmal einen Blick auf die Finanzierungslandschaft wird, dann fällt unter anderem auf, dass die Banken als Kreditgeber nach und nach etwas Anteile verlieren. Die Verschiebung ist zwar noch nicht dramatisch, aber es ist durchaus zu erkennen, dass Kreditinstitute nicht mehr immer automatisch die einzige Anlaufstelle sind, an die sich Kunden werden, wenn Kreditbedarf besteht. Ein sehr gutes Beispiel für diese Entwicklung sind die peer-to-peer Kredite, auch unter der Kurzbezeichnung P2P-Kredite bekannt. Deren Volumen hat sich insbesondere in den vergangenen drei Jahren deutlich erhöht und Experten gehen davon aus, dass diese Entwicklung auch in den nächsten Jahren weiter anhalten wird.


Worum handelt es sich bei P2P-Krediten?


Vielleicht können Sie alleine mit der Bezeichnung P2P-Kredite noch nicht viel anfangen und daher nicht beurteilen, ob diese Kreditvariante auch für Sie eine Lösung sein könnte. Die Bezeichnung P2P steht dafür, dass die entsprechenden Darlehen nicht von Banken, sondern stattdessen von Privatpersonen vergeben werden. In diesem Fall sind also beide Seiten, sowohl der Kreditnehmer als auch der Kreditgeber, Privatpersonen. Grundsätzlich funktionieren solche P2P-Kredite allerdings genauso wie Bankdarlehen. Das bedeutet, es wird einen Darlehenssumme X ausgezahlt, die der Kreditnehmer dann über die vereinbarte Laufzeit hinweg nebst Zinsen zurückzahlen muss.

Daher sind es auch die folgenden Eckdaten, die bei einem P2P-Kredit festgelegt werden müssen:
• Kreditsumme

• Laufzeit

• Zinssatz

• Höhe der monatlichen Rate

• Tilgungsvereinbarung

• Sondertilgung
Da es in der Praxis natürlich sehr umständlich und wenig zielführend wäre, wenn eine kreditsuchende Privatperson das gesamte Netz nach passenden Angeboten anderer Privatpersonen durchsuchen müsste, gibt es mittlerweile mehrere Plattformen, über die P2P-Kredite zur Verfügung gestellt werden. Die meisten dieser Plattformen bezeichnen sich entweder als Crowdfunding- oder als Crowdlending-Plattformen.


Wie funktionieren P2P-Kredite im Detail?


Nachdem Sie nun wissen, worum es sich bei peer-to-peer Krediten handelt, stellt sich vielleicht die Frage, wie solche Kredite von Privatpersonen im Detail eigentlich funktionieren. In nahezu allen Fällen ist es so, dass sich Kreditgeber und Kreditnehmer auf einer Plattform treffen, meistens auf einer sogenannten Crowdfunding-Plattform. Auf solchen Portalen haben einerseits Kreditsuchende die Möglichkeit, eine Anfrage nach Kapital zu stellen. Auf der anderen Seite können sich dann interessierte Kreditgeber, die als Investoren auftreten, einzelne Kreditgesuche betrachten und auswählen. Haben Sie sich zum Beispiel als Anleger und somit Kreditgeber dafür entschieden, auf ein entsprechendes Gesuch zu reagieren, können Sie einfach eine Darlehenssumme X überweisen. Um die weitere Abwicklung kümmert sich in der Regel die entsprechende Plattform.

Manche Plattformen, über die PP2P-Kredite vergeben werden, bieten noch einen besonderen Service an. Dieser besteht darin, dass die jeweiligen Kreditsuchenden in eine bestimmte Bonitätsklasse eingeteilt werden. Dies kann für Sie als Kreditgeber eine sehr große Hilfe sein, denn anhand der Bonitätsklasse können Sie erkennen, wie hoch Ihr Risiko in etwa sein wird. Am Risiko macht sich übrigens meistens auch der Zinssatz fest, den Sie für Ihre Geldleihe erhalten. Das bedeutet: je schlechter die Bonität des Kreditsuchenden ist, desto höher muss normalerweise auch der Kreditzins sein, damit sich überhaupt interessierte Kreditgeber finden. Sie haben also als Privatperson über die Crowdfunding-Plattform die Möglichkeit, Ihr Kapital zu verleihen und dabei natürlich auch auf verschiedene Kreditsuchende zu verteilen. Im Gegensatz zum klassischen Bankkredit ist es bei P2P-Krediten nämlich meistens so, dass der Kreditsuchende nicht die gesamte Darlehenssumme von einer Person einsammeln, sondern es treten zum Beispiel 20 oder 50 unterschiedliche Privatpersonen als Kreditgeber auf.


Aktuelle Vorteile in 2019: Wodurch zeichnen sich P2P-Kredite aus?


Da P2P-Kredite aktuell ein echter Trend sind und sich deren Beliebtheit weiter vergrößert, stellt sich natürlich die Frage, woran dies liegt. Es gibt einige Vorteile, durch die sich P2P-Kredite - insbesondere im Vergleich zu klassischen Bankdarlehen - auszeichnen können. Dazu gehören unter anderem:
• Unabhängigkeit von Banken

• Kreditlinie der Bank wird nicht beeinflusst

• Mitunter günstigere Kreditkonditionen

• Höhere Wahrscheinlichkeit einer positiven Kreditentscheidung

• Mitunter auch bei negativer SCHUFA möglich
Ein weiterer Vorteil besteht oft darin, dass es im Rahmen der P2P-Kredite über eine Plattform sehr schnell möglich ist, die benötigte Darlehenssumme einzusammeln. Während der Antragsprozess bei Banken mitunter über eine Woche dauert, kann es im Idealfall beim P2P-Kredit so sein, dass dem Kreditsuchenden das benötigte Geld schon nach wenigen Tagen zur Verfügung steht. Verlassen können Sie sich darauf allerdings nicht, sodass es im umgekehrten Fall auch ein Nachteil sein kann, wenn die gewünschte Kreditsumme nur sehr langsam oder gar nicht eingesammelt werden kann. In manchen Fällen sind P2P-Kredite natürlich auch eine Art ideologischer Faktor und werden von Kunden genutzt, die vielleicht von den Banken enttäuscht sind oder ganz bewusst unabhängig von Kreditinstituten agieren möchten.


Welche Risiken sind mit P2P-Krediten verbunden?


Für den Kreditsuchenden gibt es bei P2P-Krediten im Prinzip kein Risiko. Die einzige Gefahr besteht darin, dass nicht genügend Kreditgeber dazu bereit sind, die gewünschte Darlehenssumme zur Verfügung zu stellen oder die Plattform die Bonität so schlecht einschätzt, dass das Gesuch nicht veröffentlicht werden darf. Ansonsten besteht das Hauptrisiko natürlich beim Kreditgeber. Wer als Anleger und somit als Kreditgeber auftritt, der hat zwar meistens die Möglichkeit, anhand der Bonitätsklasse zu beurteilen, wie wahrscheinlich das Ausfallrisiko ist. Auf der anderen Seite ist man allerdings nie vor bösen Überraschungen geschützt und es kann natürlich auch bei bisher bonitätsmäßig einwandfreien Privatpersonen zu Problemen kommen, sodass die Rate nicht mehr gezahlt werden kann.

In den meisten Fällen erhält der Kreditgeber beim P2P-Kredit dann seine Darlehenssumme nicht vollständig zurück und hat in der Praxis auch kaum Möglichkeiten, seine rechtlichen Ansprüche durchzusetzen. Allerdings gibt es durchaus einige Crowdlending-Plattformen, bei denen eine Art Sicherheitspool besteht. Das funktioniert meistens so, dass alle Kreditgeber, also die Anleger, einen kleinen Betrag in diesen Pool einzahlen. Gibt es dann bei einem Kreditgeber einen Ausfall, wird dieser zumindest zu einem größeren Teil durch den Pool abgefangen. Aus diesem Grund ist es durchaus sinnvoll, dass Sie sich als potentieller Kreditgeber im Bereich der P2P-Kredite erkundigen, ob die von Ihnen gewählte Plattform über einen Sicherheitspool verfügt und wenn ja, wie entsprechenden Konditionen aussehen.