Fremdwährungskredit in der Zinsphase
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Fremdwährungskredit in der Zinsphase - wie ist mein aktueller Stand?

Die meisten Menschen in Deutschland entscheiden sich für eine klassische Baufinanzierung, wenn sie den Erwerb oder den Bau einer Immobilie finanzieren möchten. Diese Immobilienfinanzierung besteht dann meistens zu einem sehr großen Anteil aus einem Annuitätendarlehen, alternativ entscheiden sich manche Kreditnehmer auch stattdessen für ein Tilgungsdarlehen. Eine Kreditvariante, die am Markt ebenfalls existiert, allerdings vergleichsweise selten in Anspruch genommen wird, ist das Fremdwährungsdarlehen. Trotzdem gibt es allein in Deutschland mehrere Tausend Kreditnehmer, die sich in der Vergangenheit für einen Fremdwährungskredit entschieden haben. Diese Kreditnehmer möchten natürlich von Zeit zu Zeit wissen, wie ihr aktueller Stand ist, ob also derzeit Währungsverluste entstehen würden oder Währungsgewinne realisiert werden könnten.


Fremdwährungskredit meistens ein endfälliges Darlehen


Um beurteilen zu können, ob Sie bei Ihrem eigenen Fremdwährungskredit derzeit in der Gewinn- oder Verlustzone sind, müssen Sie natürlich zunächst die Grundstruktur dieser Darlehensart kennen und verstehen. So handelt es sich beim Fremdwährungsdarlehen in den meisten Fällen um endfällige Kredite. Dies bedeutet, dass Sie zwar während der gesamten Kreditlaufzeit Zinsen an den Darlehensgeber zahlen, aber die Tilgung findet erst am Laufzeitende mit Fälligkeit des Kredites statt. Eine weitere wesentliche Eigenschaft des Fremdwährungskredites ist es natürlich, dass die Auszahlung der Darlehenssumme in einer Fremdwährung stattfindet, aber auch die Rückzahlung an den Kreditnehmer muss für gewöhnlich in dieser fremden Währung vorgenommen werden. Daraus wiederum resultiert die Chance auf Währungsgewinne, aber das Fremdwährungsdarlehen beinhaltet eben auch die Gefahr von Währungsverlusten.


Warum werden Fremdwährungsdarlehen überhaupt aufgenommen?


Es gibt im Wesentlichen zwei Gründe, warum sich Kreditnehmer, beispielsweise im Zuge einer Baufinanzierung, überhaupt für einen Fremdwährungskredit entscheiden. Der erste Grund kann darin bestehen, dass die Bauzinsen in dem Land des Kreditgebers günstiger als in Deutschland sind. Aktuell ist dies relativ unwahrscheinlich, da sich die Hypothekenzinsen hierzulande auf einem extrem geringen Niveau befinden. Vor fünf oder zehn Jahren gab es jedoch durchaus einige Länder, in denen ein geringeres Zinsniveau als in Deutschland herrschte.

Der zweite mögliche Grund für die Aufnahme eines Fremdwährungskredites sind die bereits angesprochenen erhofften Währungsgewinne. Diese entstehen unter der Voraussetzung, dass der entsprechende Devisenkurs sich zwischen der Aufnahme des Darlehens und der fälligen Rückzahlung in die für den Kreditnehmer günstige Richtung entwickelt. Gemeint ist damit der Devisenkurs, der sich aus den zwei beteiligten Währungen ergibt. Dies ist zum einen natürlich der Euro und zum anderen die Fremdwährung, in welcher das Darlehen ausgezahlt und später zurückgezahlt werden muss.

Am häufigsten werden Fremdwährungskredite in den folgenden Währungen aufgenommen:
• US-Dollar

• Schweizer Franken

• Britisches Pfund

• Norwegische Kronen

Wie ermittle ich Währungsgewinne und Währungsverluste?


Damit Sie bezüglich Ihres persönlichen Fremdwährungskredites feststellen können, ob Sie aktuell in der Gewinn- oder Verlustzone liegen, müssen Sie natürlich wissen, unter welchen Voraussetzungen Gewinne entstehen und Verluste zu verbuchen sind. Der entscheidende Punkt ist, in welche Richtung sich der Devisenkurs seit der Aufnahme des Darlehens bewegt hat. Für Fremdwährungskredite gilt immer, dass es für Sie als Kreditnehmer positiv ist, wenn der Euro gegenüber der Währung, in der Sie den Kredit aufgenommen haben, an Wert gewonnen hat. Nehmen wir einmal den Devisenkurs Euro / Schweizer Franken als Beispiel. Wenn Sie beispielsweise vor acht Jahren ein Fremdwährungsdarlehen in Schweizer Franken aufgenommen haben, könnte der Kurs des Franken bei rund 1,23 Franken je Euro gelegen haben. Wenn nun der aktuelle Frankenkurs bei 1,34 Franken liegen wurde, würde dies bedeutet, dass der Euro gegenüber dem Franken stärker geworden, also an Wert gewonnen hat.

In diesem Fall hätten Sie Stand heute mit Ihrem Fremdwährungskredit einen Währungsgewinn erzielt. Anders ausgedrückt machen Sie mit dem Fremdwährungsdarlehen immer dann Gewinn, wenn der Wert der Fremdwährung im Vergleich zum Euro sinkt bzw. im Vergleich zum Zeitpunkt der Darlehensaufnahme gesunken ist. Dies bedeutet allerdings zwangsläufig keinesfalls, dass Sie auch am Laufzeitende noch einen Währungsgewinn verbuchen können. Hier kommt es tatsächlich ausschließlich darauf an, ob der Devisenkurs bei Fälligkeit des endfälligen Darlehens im Vergleich zum Zeitpunkt der Aufnahme des Fremdwährungskredites niedriger oder höher notiert.


Wo bekomme ich die notwendigen Daten her?


Wenn Sie heute ermitteln möchten, ob Sie sich mit Ihrem eigenen Fremdwährungsdarlehen in der Verlust- oder Gewinnzone befinden, müssen Sie einige Daten kennen, nämlich:
• Natürlich die Währung des Fremdwährungsdarlehens

• An welchem Tag wurde der Kredit aufgenommen bzw. fand die Kursfeststellung statt, also die Umrechnung in Euro

• An welchem Datum ist der Fremdwährungskredit fällig?

• Wie war der Umrechnungskurs bei Aufnahme des Darlehens?

• Wie ist der aktuelle Devisenkurs?
Diese Fragen müssen Sie beantworten können, um für Ihr Fremdwährungsdarlehen zu ermitteln, ob Sie Stand heute einen Währungsgewinn erzielt haben oder in der Verlustzone liegen. Wo bekommen Sie nun diese Daten her? Sowohl die Fremdwährung als auch das Datum der Kreditaufnahme sowie Fälligkeitsdatum des Kredites können Sie Ihren Vertragsunterlagen zum Fremdwährungskredit entnehmen. Die einzige Größe, die Sie selbst noch recherchieren müssen, ist der aktuelle Kurs der Fremdwährung, also beispielsweise der Devisenkurs Euro / Schweizer Franken. Die Devisenkurse werden in zahlreichen Medien veröffentlicht, beispielsweise in Börsensendungen im TV, in manchen Tageszeitungen und selbstverständlich auf zahlreichen Internetseiten.


Beispiel für die Ermittlung des Gewinns bzw. des Verlustes


Im Folgenden möchten wir jetzt an einem Beispiel ermitteln, ob Sie mit Ihrem Fremdwährungsdarlehen Stand heute Währungsgewinne erzielen würden oder dem Kreditgeber mehr Geld zurückzahlen müssen, als Sie damals erhalten haben. Das Beispiel enthält realistische Zahlen, nämlich zum einen den ungefähren Kurs der Schweizer Franken dass vor acht Jahren und den aktuellen Kurs gegenüber dem Euro.


Fremdwährungsdarlehen: 100.000 Schweizer Franken

Kurs vor acht Jahren (Aufnahme des Darlehens): 1,29 Franken

Auszahlungsbetrag in Euro: 77.519 Euro

Aktueller Kurs Schweizer Franken: 1,13 Franken

Rückzahlungsbetrag (in Euro): 88.495 Euro

Währungsverlust: 10.976 Euro


An diesem Beispiel können Sie eindeutig erkennen, dass Sie mit Ihrem Fremdwährungskredit aktuell in der Verlustzone liegen. Sie müssten nämlich (natürlich in Euro umgerechnet) rund 11.000 Euro mehr an den Kreditgeber zurückzahlen, als Sie in Form der 100.000 Franken vor acht Jahren ausgezahlt bekommen haben. Die gute Nachricht ist: Der Devisenkurs kann sich bis zur Fälligkeit des Währungskredites selbstverständlich noch deutlich ändern, sodass Sie vielleicht am Laufzeitende doch einen Währungsgewinn verbuchen können. Es kann aber selbstverständlich ebenfalls passieren, dass die Verluste noch größer werden. Genau deshalb gelten Fremdwährungsdarlehen auch als relativ risikoreich, weil Sie eben nie wissen, ob Sie nicht deutlich mehr Kapital an den Kreditgeber zurückzahlen müssen, als Sie ursprünglich erhalten haben.