Baukindergeld
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Baukindergeld - können sich wieder mehr Familien ein Eigenheim leisten?

Seit Mitte des vergangenen Jahres (2018) gibt es in Deutschland eine neue staatliche Förderung, die speziell für Familien mit Kindern gedacht ist. Es handelt sich dabei um das sogenannte Baukindergeld, dessen wesentliches Ziel darin besteht, wieder mehr Familien mit Kindern den Kauf oder Bau eines Eigenheims zu ermöglichen. Die staatliche Förderung steht allerdings zeitlich nicht unbegrenzt zur Verfügung, sondern stattdessen rechnen Experten damit, dass zumindest die in der ersten Phase zur Verfügung stehenden Geldmittel bereits im kommenden Jahr ausgeschöpft sein dürften.


Was beinhaltet das Baukindergeld?


Zunächst einmal ist das Baukindergeld eine klassische staatliche Förderung, für die der Empfänger im Grunde nur eine Gegenleistung erbringen muss, nämlich Immobilieneigentum zu besitzen bzw. erwerben zu wollen. Demzufolge ist das Baukindergeld ausschließlich für Familien mit minderjährigen Kindern gedacht, die nach den eigenen vier Wänden streben. Der Hauptzweck besteht nämlich darin, dass sich wieder mehr Eltern mit Kindern ein Eigenheim leisten können sollen. Zwar sind die Hypothekenzinsen auch im Jahre 2019 noch sehr günstig, sodass es von dieser Warte aus betrachtet kein Problem für zahlreiche Familien ist, sich eine Baufinanzierung leisten zu können. Das Problem besteht vielmehr darin, dass es häufig an Eigenkapital mangelt, sodass die Banken eine Finanzierung ablehnen.


Baukindergeld soll Eigenkapitalsituation verbessern


Insbesondere auf Grundlage einer noch relativ jungen EU-Kreditrichtlinie sind die Banken auch in Deutschland dazu angehalten, bei der Vergabe von Immobilienkrediten mehr Wert als bisher auf die persönliche Bonität des Kunden und dessen Eigenkapitalquote zu legen. War bis vor einigen Jahren vor allen Dingen ausschlaggebend, dass die zu finanzierende Immobilie mit einer Grundschuld abgesichert werden konnte, so legen inzwischen immer mehr Banken großen Wert auf, dass der Kreditnehmer über Eigenkapital verfügt. Daran jedoch mangelt es insbesondere jüngeren Familien mit Kindern häufig, da einfach noch nicht die Zeit gewesen ist, Vermögen aufzubauen und somit Kapital einzusammeln.

Genau an dieser Stelle soll das Baukindergeld ansetzen, denn es kann als Eigenkapital in der Immobilienfinanzierung gewertet werden. Dies liegt daran, dass die Höhe des Baukindergeldes feststeht und zudem der Zeitraum, für welchen der staatliche Zuschuss gezahlt wird. Diese Tatsache ist auch für Banken eine ausreichend sichere Kalkulationsgrundlage, sodass die Zuschüsse aus dem Baukindergeld dem Eigenkapital zugerechnet werden können.


Wer profitiert vom Baukindergeld?


Inzwischen haben schon mehrere Zehntausend Familien in Deutschland das Baukindergeld beantragt und Experten rechnen damit, dass die Zahl weiter deutlich ansteigen wird. Im Wesentlichen gibt es nur drei Voraussetzungen, die zum Erhalt der staatlichen Förderung erfüllt werden müssen, nämlich:
• Eigenheim muss gekauft oder gebaut werden

• Minderjährige Kinder im Haushalt

• Einkommensgrenzen werden nicht überschritten
Die ersten zwei Voraussetzungen sind natürlich die prinzipiellen Grundlagen, damit überhaupt an das Baukindergeld als staatliche Förderung zu denken ist. Interessant sind daher vor allem die Einkommensgrenzen, die auf jeden Fall eingehalten werden müssen. Nur unter der Voraussetzung, dass der Empfänger des Baukindergeldes mit seinem zu versteuernden Einkommen nicht über diesen Grenzen liegt, kann der staatliche Zuschuss gezahlt werden.


Wie hoch sind die Einkommensgrenzen?


Die Einkommensgrenzen, die zum einen das zu versteuernde Einkommen betreffen und zum anderen nicht überschritten werden dürfen, wenn das Baukindergeld beantragt werden soll, richten sich stufenweise nach der Anzahl der minderjährigen Kinder, die im Haushalt leben. Danach unterteilt gelten für das Baukindergeld die folgenden Einkommensgrenzen:
• 90.000 Euro bei einem Kind im Haushalt

• 105.000 Euro bei zwei Kindern

• 120.000 Euro bei drei Kindern
Wer also beispielsweise bei zwei Kindern im Haushalt ein zu versteuerndes Einkommen von 95.000 Euro hat, der kann das Baukindergeld problemlos beantragen. Liegt das Einkommen jedoch bei zwei Kindern bei 130.000 Euro, wäre dies zu viel, um die staatliche Förderung zu erhalten. Wichtig zu erwähnen ist an dieser Stelle auch, dass das Baukindergeld für maximal drei Kinder gezahlt wird. Eltern mit beispielsweise fünf Kindern würden also nur für drei Kinder das Baukindergeld erhalten.


Wie hoch ist der staatliche Zuschuss?


Die meistens erste Frage, die sich Familien mit Kindern im Zusammenhang mit dem Baukindergeld stellen, lautet: Wie hoch ist das Baukindergeld? Die Regelungen sind hier sehr einfach, was sicherlich ein Vorteil ist, sodass schon zahlreiche Familien den staatlichen Zuschuss beantragt haben. Pro Jahr und Kind wird ein Baukindergeld in Höhe von 1.200 Euro gezahlt. Wer also drei Kinder hat, der erhält jährlich 3.600 Euro an Baukindergeld. Gezahlt wird der staatliche Zuschuss über einen Zeitraum von zehn Jahren hinweg. Daraus ergibt sich, dass Eltern mit Kindern im besten Fall eine Summe von insgesamt 36.000 Euro erhalten können, nämlich wenn drei Kinder im Haushalt sind.


Baukindergeld im Idealfall mit Riester-Förderung kombinieren


Das Baukindergeld ist aktuell nicht die einzige staatliche Förderung, die Familien mit Kindern in Anspruch nehmen können, wenn es darum geht, zusätzliches Eigenkapital fürs Eigenheim anzusammeln. Eine ebenfalls sehr interessante Förderung, die allerdings generell den privaten Vermögensaufbau und nicht speziell der Eigenheimfinanzierung dient, ist die Riester-Rente. Im Zuge des sogenannten Wohnriesters können die staatlichen Zulagen unter anderem auch im Rahmen eines Bausparvertrages oder zur Tilgung eines Immobilienkredites verwendet werden, sodass auch hier eine Verbindung zum Eigenheim bestehen kann. Insbesondere die sogenannte Zulagenrendite ist beim Riester-Sparen sehr interessant, vor allem dann, wenn wiederum Kinder im Haushalt Leben. So erhält eine Familie mit drei Kindern im Idealfall jährlich insgesamt 1.250 Euro an Riester-Zulagen.

Welche zum Teil hohen Summen Familien mit Kindern vom Staat quasi geschenkt bekommen, wenn sie sich sowohl für das Baukindergeld als auch für das Riester-Sparen entscheiden, möchten wir anhand der folgenden Beispielrechnung verdeutlichen:

Familie mit drei Kindern Einkommen Ehemann: 85.000 Euro
Baukindergeld: 3.600 Euro pro Jahr
Dauer der Förderung: 10 Jahre
Grundzulage Riester-Rente: 350 Euro pro Jahr (2 × 175 Euro)
Kinderzulage Riester-Rente: 3 × 300 Euro pro Jahr
Riester-Zulagen insgesamt: 1.250 Euro im Jahr
Dauer der Förderung: Kinderzulage für 10 Jahre (Kinder volljährig), Grundzulage für 20 Jahre


Gesamtförderung Baukindergeld + Riester in 20 Jahren: 52.000 Euro


An dieser Beispielrechnung erkennen Sie, dass eine fünfköpfige Familie unter den genannten Voraussetzungen insgesamt eine staatliche Förderung innerhalb der nächsten 20 Jahre in Höhe von über 50.000 Euro erhält. Dies ist definitiv eine stattliche Summe, die das Eigenkapital in der Baufinanzierung erheblich erhöht und somit auch die Chancen, von der Bank eine positive Kreditentscheidung mitgeteilt zu bekommen.