Von Alraune bis Zaunrübe
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Von Alraune bis Zaunrübe: Pflanzen aus der Hexenküche

Hexenkräuter und magisches Zauberwerk


Es gibt kaum etwas Faszinierenderes als die Kunst der Magie. Magie, das ist der Zauber des Unbekannten, aber auch die Ahnung, die im schon längst Bekannten liegt, von dem der Dichter sagt, es schläft ein Lied in allen Dingen, und man müsse nur den verborgenen Schlüssel finden, um das Welträtsel zu lösen. Einzutauchen in altes Brauchtum und in das, „was die Großmutter noch wusste“, ist heute für Viele schon zum Breitensport geworden, denn man lernt sich selbst durch die Beschäftigung mit der Vergangenheit besser kennen und findet einen Ankerpunkt in unserer schnelllebigen Welt. Die „Küche der Hexe“, der hagazussa, mittelhochdeutsch für „die weise Frau“, ist ein Kapitel für sich in der volkstümlichen Kulturgeschichte Europas und stellt exemplarisch dar, wie kluge Menschen in der Vergangenheit aus Kräutern und Elixieren eine Verbindung zum All herstellten und auch, welche Kenntnisse über Gesundheit und Psychologie sie schon besaßen. Was braute denn wirklich im Hexenkessel? Warum heißt der Fliegenpilz eigentlich Fliegenpilz? Und was wissen wir heute über die geheimnisvollen Wirkungen der Alraune? Fangen wir an, begeben wir uns auf die magische Suche nach den Anfängen der Verbindung von Himmel und Erde, mystischer Intuition und praktischen Tipps…
Kurzdarstellung der Kulturgeschichte von traditionellen Kräutern und Bäumen und deren Verwendung in volkstümlichen Bräuchen von A-Z


Alraune
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Alraune


Die Alraune ist seit dem Altertum als Zauberpflanze bekannt. Schon der griechische Gelehrte Pythagoras kannte sie, und der Schweizer Naturforscher und Magier Paracelsus schrieb Abhandlungen über sie und ihre magische Wirkkraft. Ihr lateinischer Name lautet vollständig „mandragora officinalis“. Im Deutschen heißt sie „alrouna“, was so viel bedeutet wie „die Alleswissende, die Allesahnende“ – der Name weist bereits darauf hin, dass sie zu Orakelzwecken und zum Hellsehen benutzt wurde. Die Alraune ist eine überall in Süd- und Mitteleuropa vorkommende, unscheinbar wirkende Blattpflanze, deren magisches Hauptinteresse in ihrem verdickten Wurzelstück liegt. Diese Wurzel ist derart verwachsen, dass sie mit etwas Fantasie wie ein Mensch aussieht. Es gibt in der Legende zwei Arten von Alraunenwurzeln, männliche und weibliche, wobei man die Wurzel mit zwei „Beinen“ als männlich, die mit nur einem „Bein“ als weiblich definiert, manchmal jedoch gilt diese alte Sage auch umgekehrt. Wegen dieser menschenähnlichen Form, die ähnlich ist wie beim chinesischen Ginseng, wurde die Alraune im Volksmund auch Hackemännchen, Galgenmännchen, Menschenwurzel, Mannwurz und dergleichen genannt. Sie stand im Ruf, so ziemlich alles zu können – von der Gabe der Prophetie, die sie verleihen sollte, bis zur Kur gegen Unfruchtbarkeit. Wer eine Alraunenwurzel im Haus hatte, der galt als besonders vom Glück begünstigt.

Allerdings war es schwierig, eine solche Wurzel zu bekommen, denn sie durfte nur nachts, bei bestimmten astrologischen Konstellationen, und nur mit einem Silbermesser ausgegraben werden. Nach mancher Überlieferung durfte ein Mensch die Alraune gar nicht anfassen, um sie aus der Erde zu ziehen, und man band daher das aus dem Boden ragende Blatt-und Wurzelstück an einen jungen Hund, damit dieser es aus der Erde zöge. Besonders empfindlich durfte der menschliche oder tierische Sammler der Alraune auch nicht sein, denn besonders zauberkräftig sollten Alraunen sein, die unter einem Galgen hingen. Die berühmte Giftmischerin La Voisin, die den Geliebten des Sonnenkönigs Louis XIV. die Liebestränke mixte, welche den Monarchen angeblich liebestrunken machten, verwendete angeblich Verbenen (Eisenkraut), Menstrualblut, spanische Fliege und Alraunen, die unter den Füßen von Gehängten gewachsen sind.

Im Mittelalter wimmelte es von Fälschungen der Alraune, weil jeder diese begehrte und Sagen umwobene Zauberwurzel im Haus haben wollte, und das natürliche Vorkommen nebst den komplizierten Erntetechniken nicht ausreichte, um den Bedarf zu decken.


Belladonna (Tollkirsche)
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Belladonna (Tollkirsche)


Die Tollkirsche ist eine der ältesten bekannten Giftpflanzen Europas. Es ist eine mehrjährige, breit ausufernde krautige Pflanze mit manchmal meterhohen Zweigen sowie braunrötlichen Blüten im Juni und Juli, die später zu schwarzen, giftigen Beeren ausreifen. Ihr Hauptwirkstoff, neben Hyoscyamin, heißt Atropin und ist ein schnell wirkendes toxisches Herzgift, das sofort den Tod bringen kann, dem berüchtigten Curare-Pfeil-Gift der amerikanischen Ureinwohner vergleichbar. Aufgrund dieser tödlichen Wirkung wurde diese Pflanze auch „Atropa“ genannt, denn die griechische Schicksalsgöttin Atrope gehört zu den drei Moiren und ist in der Mythologie diejenige, die den Lebensfaden des Menschen abschneidet. Der zu den Nachtschattengewächsen zählende Strauch Tollkirsche kommt in Mittel- und Südeuropa wild vor und wurde schon in den ältesten botanischen Quellen, die uns aus der Klostermedizin und Überlieferung bekannt sind, erwähnt. In manchen Hausgärten wird es gezogen, um gleichsam Schutz vor bösen Geistern zu gewährleisten – so lautet eine Legende. In Rumänien glaubt man, dass in der Tollkirsch-Pflanze der Hausgeist einer Familie wohnt. In der traditionellen europäischen Hexenkunst wurde der Tollkirsch-Extrakt tatsächlich in giftigen Mixturen verwendet und die Anklage, eine Person habe Tränke mit Tollkirsche zubereitet, findet sich häufig in den Prozessakten. In geringer Dosis soll Tollkirsche jedoch als Stimulans gelten und zur Erzeugung von hypnotischen und halluzinogenen Wirkungen. Sehr schwach dosiert in einer Tinktur bewirkt Belladonna-Saft, in die Augen getröpfelt, dass sich die Pupillen erweitern, was einst als Zeichen großer Schönheit galt. Daher hat die Giftpflanze ihren zweiten lateinischen Namen „belladonna“, was übersetzt „schöne Frau“ bedeutet.


Bilsenkraut
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Bilsenkraut


Das Bilsenkraut gilt in der volkstümlichen Magie als Hexenpflanze par excellence. Es wird im Volksmund auch Beschreikraut, Tollkraut, Hexenkraut, Zigeunerkraut oder Prophetenkraut genannt, was bereits auf seine Verbindung mit der Magie und dem Hellsehen hinweist. Der lateinische Name dieser leicht giftigen Pflanze ist „hyoscyamus niger“. Tatsächlich enthält der pflanzliche Stoff Hyoscyamin so genannte Halluzinogene, also Botenstoffe, die das Auftreten von Sinnestäuschungen im ZNS (Zentralnervensystem) hervorrufen können. Deswegen wurde das Bilsenkraut im Mittelalter traditionell in der Herstellung der so genannten Hexensalben oder Flugsalben verwendet, zusammen mit anderen Stoffen wie dem Stechapfel (Engelstrompete, Datura) und Tollkirschextrakten, welche allesamt giftig sind und in höheren Dosen gefährlich wirken für die menschliche Gesundheit. Die Magier, die mit Hexensalben umgingen, mussten daher immer sehr vorsichtig sein, nicht nur wegen der lange vorherrschenden Inquisition, welche die Herstellung solcher Tränke natürlich strikt untersagte, sondern auch aufgrund ihrer eigenen Gesundheit. Trotz der erwiesenen Giftigkeit und der halluzinogenen Nebenwirkungen des Bilsenkrauts wurde es offenbar unter der Hand sehr gern weitergereicht, und die Volksmagie kennt eine Vielzahl von Zauberpraktiken, die mittels Bilsenkraut zustande kommen sollten.

Oft wurde es als Bannkraut eingesetzt, um einen Fluch abzuwehren oder negative Energie an den Aussender zurückzusenden. Es gibt allerdings auch ganz banale, nicht magische Verwendungen dieser Pflanze: im Mittelalter fügte man geringe Dosen des Bilsenkrauts dem Bier zu, um es aromatischer zu machen. Der Name „Pilsen“ soll angeblich von der Bierbrauerei stammen – und nicht etwa von „Pilz“, sondern von „Bilsenkraut“ als Zusatz für das beliebte Getränk…


Verbene
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Eisenkraut


Das Eisenkraut oder die Verbene – lateinisch „verbena officinalis“ – ist ein mittelhoch wachsendes, einheimisches Tee-und Gewürzkraut, das einen feinen zitronenartigen Geruch verströmt. Da die krautige Pflanze in unseren Breitengraden nicht immer winterhart ist, muss sie vor winterlichem Frost geschützt werden und ist nicht ganz einfach zu kultivieren, nichtsdestoweniger wurde sie von unseren Vorfahren sehr geschätzt, um aromatischen Tee zu bereiten und auch, um magische Werke zu wirken. Eisenkraut heißt so, weil es in der Signaturen-Lehre nach dem Magier und Naturheilkundigen Paracelsus dem Element Eisen und dem Planet Mars zugeordnet wird. Es galt daher als Zaubermittel und Allheilstoff für Krieger – Eisenkraut sollte Stahl härten und Schwerter unbesiegbar machen, deshalb trug man im Mittelalter gern Tinkturen aus Eisenkraut auf Waffen auf. Es gab sogar den mittelalterlichen Brauch, bei Verwundungen durch Schwerter eine komplizierte Mixtur aus Eisenkraut, Hämatit (Blutstein) und Schmalz auf das Schwert aufzutragen – an die eigentliche Wunde ließ man jedoch nur Wasser. Ob diese kuriose Technik gewirkt hat, ist leider nicht historisch überliefert. Probatere Mittel als die Behandlung von Schwertern waren Eisenkraut-Aufgüsse als Tee für den Krieg der Geschlechter, denn Eisenkraut galt als hervorragendes Aphrodisiakum (das heißt ein Mittel, das im Ruf steht, die Potenz zu fördern und die Lust anzuregen). Ein Eisenkrauttee sollte sogar zerstrittene Ehepaare wieder friedlich stimmen und zur Versöhnung anregen. Auch gab es im mittelalterlichen Frankreich den Brauch, an einem Freitagabend Rosenblüten und Verbene ins Badewasser zu geben, um im Anschluss besonders süß zu träumen – vom Zukünftigen natürlich.


Farnkraut
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Farnkraut


Das Farnkraut gilt heute eher als ein schmückendes Beiwerk in dekorativen Blumensträußen – doch tatsächlich wurde der schönen Pflanze mit den gefiederten langen Blättern so einiges zugetraut, von der Heilkunde über Zukunfts-Orakel bis hin zu glückbringender Magie. Im Lateinischen heißt der Farn „nephrodium filix mas“ und gehört botanisch zu den ältesten Pflanzenfamilien überhaupt, die noch aus der Zeit vor der Eiszeit stammen. Die Pflanze entwickelt sich aus sehr unscheinbaren Samen über spiralförmige Rollen von Blättern, die sich im Frühjahr ausbreiten und zum Teil zu majestätisch hohen Wedeln auswachsen. Die besondere Wuchsform der Farne und ihr dekoratives Aussehen, das ganze Waldränder märchenhaft verschönert, haben unseren Vorfahren von jeher gut gefallen, und Farn galt daher als Glücksbringer und als positives Omen, wenn man zufällig einen fand. Besonders glückbringend sollte es sein, wenn man einen Farn im Wald ausgrub und im eigenen Garten anpflanzte – solange dieser Farn im Garten stand, sollte es den Bewohnern des Hauses gut gehen. Doch der Farn konnte angeblich noch mehr: sein Samen sollte unsichtbar machen und die Gunst von Frauen erwirken, und Farnkraut, in der Johannisnacht gegessen, sollte den Zugang zu verborgenen Schätzen offenbaren. Getrockneter Farn wurde auch mit Zimtrinde und Ambra vermischt und bei allerlei glückbringenden Räucherungen verwendet. Nicht zuletzt galt besonders der Adlerfarn in der Volksmedizin des Mittelalters als Medizin gegen Gicht, Krämpfe, Gliederschmerzen und Zahnweh.


Fliegenpilz
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Fliegenpilz


Nun sind alle Zutaten einer traditionellen „Flugsalbe“ aus der Hexenküche beisammen: Tollkirsche, Bilsenkraut und Fliegenpilz! Denn der Fliegenpilz hat seinen Namen keinesfalls von den Insekten namens Fliegen, sondern von seiner bekannten berauschenden Wirkung, wenn er – in kleiner Dosis – zu Rauschmitteln verarbeitet wird. Die dem Champignon verwandte Pilzart mit dem auffälligen roten, manchmal weiß getupften Schirm und den weißen Lamellen an der Unterseite findet sich meist in Birkenwäldern und überall in der nördlichen Hemisphäre, von Skandinavien über Asien bis nach Nordamerika. Nicht nur mitteleuropäische Naturkundige, sondern auch die sibirischen Schamanen benutzten bereits vor Jahrhunderten den Fliegenpilz, um Geistreisen (Astralreisen) vorzunehmen und, in ihrer Vorstellung, mit den Geistern der Ahnen zu kommunizieren. Zuviel des Guten konnte den Benutzer der Droge jedoch tatsächlich ins Reich der Ahnen befördern, denn der Fliegenpilz ist hochgiftig.


Hanf
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Hanf


Der Hanf – lateinisch „cannabis sativa“ oder „cannabis indica“ – ist eine alte Heil- und Gewürzpflanze, die in Nord- und Mitteleuropa, aber auch in Nordafrika und Vorderasien wächst. Hanfsamen, vor allem die der Varietät „cannabis indica“, haben in getrockneter Form und geraucht eine Wirkung, die auf die menschliche Psyche ausgeht und zu Träumen und Rauschzuständen führen kann, aber auch zu Unwohlsein und Ermattung nach dem Aufwachen führt. Hanfsamen als Droge waren schon früh in der Kulturgeschichte bekannt – nicht erst seit den gegenwärtigen Debatten um eine mögliche Legalisierung so genannter weicher Drogen. Die erste und früheste Erwähnung von Hanf als Kulturpflanze und Rauschmittel finden wir in Homers Epos „Odyssee“, welches von den Hanfessern im nördlichen Afrika spricht, die sich süße Träume verschaffen durch den Genuss dieser Pflanze. Auch in der Literatur der Romantik, des Fin de Siècle und des Surrealismus finden wir zahlreiche Erwähnungen von Hanf als leicht halluzinogener (Sinnestäuschungen erzeugender) Droge, so etwa bei dem französischen Dichter Charles Baudelaire (1821-1867), der über „Erinnerungen eines Haschischrauchers“ schreibt.

Die Verwendung von Hanf als traditioneller Kulturpflanze und in Alltagsbräuchen ist in Europa jedoch schon seit dem frühen Mittelalter textdokumentarisch festgehalten. Hanf, nicht als Samen, sondern als faserige Pflanze, wurde früher zur Herstellung von einfachen Textilien für den Alltag und zur Beimischung in Brot und Backwaren verwendet, allerdings fanden diese alten Bräuche bei zunehmender Kenntnis über die Nebenwirkungen der Inhaltsstoffe weniger Verwendung. Traditionelle Hanfprodukte aus den Fasern der Pflanze sind heute wieder im Reformhaus erhältlich.


Kastanie
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Kastanie<


Die Kastanie ist ein majestätischer Baum aus der botanischen Gattung castanea. Sie bezaubert durch ihren schönen hohen Wuchs ebenso wie durch ihre intensiv duftenden Blütenkerzen im Frühling und die in stachliger Schale verpackten kleinen Früchte, die ab dem September erscheinen. Es gibt in der Natur zwei Arten von Kastanien: so genannte Rosskastanien, die nicht essbar sind, und Esskastanien, die in manchen Gegenden auch Maronen oder Maroni heißen. In der volkstümlichen Magie haben sowohl die Esskastanien, als auch die Rosskastanien ihren Platz. Die Äbtissin Hildegard von Bingen erwähnt die Esskastanie in ihren naturheilkundlichen Büchern als „Brot der Armen“ und empfiehlt sie als hervorragende Speise, um Leib und Seele zusammen zu halten. Tatsächlich ist die Esskastanie reich an Vitalstoffen, wie moderne Lebensmittelforschung herausgefunden hat, und kann gekocht oder gebraten oder zu Mehl zerrieben für verschiedene Beilagen oder Gebäck verwendet werden, welches sehr bekömmlich ist. Im Mittelalter war das Sammeln von Esskastanien tatsächlich eine Beschäftigung für arme Leute, die ein kostenloses Zubrot suchten – man nannte sie auch „Mehl des Waldes“ – heute hingegen wird die tolle Frucht von gesundheitsbewussten Bürgern wiederentdeckt. Doch die Kastanie kann noch mehr, als Hungernde zu speisen: die für den Menschen nicht genießbare Variante dieser Baumart soll angeblich auch zaubern können. In der Nacht vor Allerheiligen (31.10.) hat man in vielen Gegenden Süddeutschlands und Frankreichs so genannte Kastanien-Orakel veranstaltet, wobei man Kastanien (oder Äpfel) in einem Bottich mit Wasser schwimmen ließ und versuchte, sie mit verbundenen Augen mit dem Mund aufzufangen – ohne die Hände zu Hilfe zu nehmen. Wer das schaffte, sollte viel Glück erfahren. Neben diesem orakelnden Spaß konnte die brave Kastanie auch Liebende zusammenführen – nämlich dann, wenn man fünf Stück mit roter Schnur fest verknotete und unter „sein“ oder „ihr“ Bett schmuggelte. Sofern das gelang…


Knoblauch
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Knoblauch


Der Knoblauch (lateinisch „allium sativum“) ist eine knollenfömig verdickte, starke Wurzel eines in Europa und Asien wachsenden Lauchgewächses. Die so genannten „Zehen“ der Knoblauchwurzel wurden in der volkstümlichen Magie in Rumänien, Italien und Süddeutschland gegen die Macht der Behexung, gegen böse Geister und Vampire eingesetzt. Ketten oder Kränze aus Knoblauch sollten helfen, böse Einflüsse vom Haus und von seinen Bewohnern fernzuhalten. Oft hat man in der Volksmagie an den so genannten magischen Daten, wie Allerheiligen (31.10.) oder in den Rauhnächten (24.12.-06.01.) Zauber mit Knoblauchzehen oder Knoblauchöl durchgeführt, um sich von schwarzer Magie zu befreien, oder um einen Fluch aufzulösen. Da man oft auch glaubte, dass kleine Kinder den bösen Einflüssen besonders schutzlos ausgeliefert seien, hat man schon im Mittelalter begonnen, Kindern Ketten mit Knoblauch um den Hals zu hängen oder eine Knoblauchzehe in die Tasche zu stecken, um sie magisch zu schützen. Dieser alte Brauch hat sich in Italien bis heute, in ländlichen Gegenden, erhalten und wird als Prophylaxe gegen den so genannten „mal occhio“, den bösen Blick, verwendet. Angeblich soll Knoblauch, auf eine Wunde aufgelegt, auch Schmerzen stillen, und ein paar Tropfen Knoblauchsaft bei Insektenstichen sollen dazu führen, dass der Stich schnell abheilt. In der Küche hat Knoblauch eine ganz banale Verwendung: er aromatisiert Braten und Pasta mit mediterranem Flair und fügt, gemeinsam mit Kräutern wie Rosmarin und Thymian, einen beliebten typischen Geschmack hinzu, und sogar die Volksmedizin kennt eine Verwendung für die Knolle – nämlich gegen Bandwürmer.


Lorbeer
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Lorbeer


Lorbeer ist die Pflanze des Apolls und seit der Antike dem Sonnengott heilig. Der Lorbeer ist ein immergrüner mediterraner Strauch, der in günstigen Lagen die Größe von kleinen Bäumen erreichen kann. Sein lateinischer Name lautet „laurus nobilis“, was so viel heißt wie „das edle Laub“. Dieser hochtrabende Name kommt daher, dass man mit Lorbeerkränzen die Sieger bei den olympischen Spielen ehrte (sie erhielten in antiker Zeit tatsächlich gar nichts anderes als diesen Kranz, kein Preisgeld!) und diese Ehrung wiederum geht darauf zurück, dass man den Gott Apoll, der ein Sonnengott war, stets mit Lorbeer darstellte. So war der Gott Apoll also der Gott mit dem Lorbeer als Attribut und die mit Lorbeer Gekrönten waren gleichsam von Apoll selbst ausgezeichnet. Der Lorbeer war gleichsam das flüssige Sonnengold Apolls in Pflanzenform, denn sein scharf riechendes Öl hat allerlei pharmazeutische Bedeutungen.

In der volkstümlichen Magie geht von dem Lorbeer eine prophetische Bedeutung aus, denn er soll die Seherkraft und Visionen fördern: wer die kirschartigen kleinen Beeren des Lorbeers verbrennt, soll im aufsteigenden Rauch Vorstellungen und Gesichte von seiner Zukunft erhalten. Die Anhänger der modernen Wicca-Lehre legen häufig Lorbeerblätter oder –beeren unter ihr Bett, um in der Nacht zukunftsweisende Träume zu haben oder um eine vorher gestellte Frage nach dem Aufwachen, durch magische Hilfe oder durch die geistige Welt, sicher beantworten zu können. Das dickflüssige grüne Lorbeer-Öl hat nachgewiesene medizinische Wirkungen und kann die Menstruation erleichtern oder Verdauungsbeschwerden lindern; es sollte jedoch nur kontrolliert aus pharmazeutischer Herstellung angewendet werden, denn es ist in höherer Dosis giftig.


Liebstöckel
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Liebstöckel


Die hoch wachsende, zartgrüne Pflanze mit dem ungewöhnlichen Namen hat lange ein Schattendasein im Heil- und Kräutergarten gefristet, denn sie galt als ein eher unscheinbares Küchenkraut, mit dem man Salate und Suppen abschmecken konnte. „Schattendasein“ ist buchstäblich zu verstehen, denn das mehrjährige Kraut namens levisticum officinale, das ursprünglich aus Vorderasien stammt, mag keine pralle Sonne und braucht einen geschützten Platz in schattiger oder halbschattiger Lage, um sein Aroma am besten zu entfalten. Dieses Aroma hat es nämlich in sich: der beliebte deutsche Name „Maggikraut“, wie die Pflanze hierzulande auch manchmal genannt wird, deutet schon an, dass das beliebte Flüssiggewürz Maggi vielen Kennern wie diese Pflanze schmeckt. Tatsächlich enthält das Produkt „Maggi“ jedoch keinen Liebstöckel, und Kenner der Pflanze wissen, dass sie ein ganz anderes, viel feineres Aroma hat als das Flüssiggewürz. Das hellgrüne, gezackte Kraut hat einen herben, unverwechselbaren und sehr intensiven Geschmack mit Beiklängen an Fenchel, Sellerie und Anis, weshalb man stets nur einige Blättchen frisch in der Küche verwendet, da eine sparsame Dosierung bereits ausreicht, um ein Gericht vollständig zu aromatisieren.

Neben der beliebten Würzung mit dem Maggikraut für viele frische Speisen wie Salate und Suppen hat diese Pflanze auch eine so genannte aphrodisische Wirkung – sie soll zur Liebe anregen und die Lust fördern, sei es als Essenszutat, sei es als Badezusatz, wie ein altes Rezept aus der Volksmagie vorschreibt. Aufgrund seiner frivolen Wirkung war das aromatische Kräutlein im Klostergarten natürlich streng verboten, denn die frommen Mönche und Nonnen wollten ja keinesfalls zur Lust angeregt werden. Normalsterbliche durften jedoch dieses Kraut genießen, ob allein oder zu zweit...


Melisse
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Melisse


Die Melisse ist eine sehr alte Heil- und Teepflanze, die schon im mittelalterlichen Kloster- und Kräutergarten ihren festen Platz hatte. Die meist mehrjährige, staudenartige Pflanze hat biegsame, hellgrüne Blätter und ist unter dem botanischen Namen „melissa officinalis“ seit Jahrhunderten ein anerkanntes Arzneikraut. Am beliebtesten ist heute die botanische Art der Zitronenmelisse, die – wie der Name schon sagt – angenehm nach Zitrone duftet und gern für heilende und erfrischende Tees und Salben verwendet wird. Zitronenmelisse ist leicht zu züchten und kann von jedem Hobbygärtner problemlos im Staudengarten oder im Balkonkasten herangezogen werden, sofern sie nicht der prallen Sonne ausgesetzt und regelmäßig gegossen wird. Nach der so genannten Signaturen-Lehre der mittelalterlichen Magie gehörte die Melisse dem Mond und dem Reich des Weiblichen an und wurde deshalb primär zur Heilung und Linderung von Frauenleiden eingesetzt: bei Unterleibsbeschwerden, Krämpfen, unregelmäßiger Menstruation oder Wechseljahrs-Depressionen soll die Melisse Wunder gewirkt haben.

Doch nicht nur als Tee zur Nervenberuhigung wird diese wandelhafte Pflanze heute noch in der modernen Medizin großflächig eingesetzt, es gab in der alten Geschichte auch eine traditionelle Verwendung der Melisse als „Schlafkraut“. Damit ist nicht nur gemeint, dass die Melisse nachgewiesenermaßen Nervosität lindert und, ähnlich wie Hopfen, die Nerven beruhigt und so für guten Schlaf sorgt, sondern diese Pflanze sollte zusätzlich auch schöne Träume bringen. So hieß es in einem volkstümlichen Aberglauben, dass, wer abends vor dem Schlafengehen Melissen-Tee trinkt oder Melisse im Salat isst, ausgesprochen schöne Träume haben werde, die ihn direkt ins „grüne Reich der Feen“ führen sollten….


Mistel
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Mistel


Die Mistel – eine alte Heilpflanze namens „viscum album“ –  ist vielen von uns heute am besten durch die Asterix-Comics bekannt, wo der Druide Miraculix die Mistel schneidet, um sie in seinem berühmten Zaubertrank zu verarbeiten, der die Gallier unbesiegbar macht. Ganz falsch ist diese Popkultur-Adaptation von der Mistel übrigens nicht, denn die Gallier beziehungsweise die Kelten haben die Mistel in mythologischer Zeit hoch verehrt. Wir wissen, dass sie früher unter dem Namen „die Allheilende“ bekannt war, und dass es tatsächlich kultische Zeremonien gab, um die Mistel zu schneiden und sie in allerlei Tränken und Tinkturen zu verarbeiten. Dieses unscheinbare gelbgrüne, eigentlich als Schmarotzerpflanze in europäischen Bäumen wuchernde Gewächs hat tatsächlich medizinische Eigenschaften: es behebt Unregelmäßigkeiten im Blutkreislauf und soll angeblich auch das menschliche Immunsystem stärken. Pfarrer Kneipp empfahl die Mistel als Mittel gegen Frauenkrankheiten und sprach ihr in seinem Buch „So sollt ihr leben“ von 1889 auch allerlei Heilwirkung zu. Besonders heilkräftig in der Naturheilkunde sollen diejenigen Misteln sein, die in Eichen oder Haselsträuchern wachsen, da sie angeblich die positive Kraft dieser Bäume aufsaugen.

Der hohe Stellenwert der Mistel in der alten volkstümlichen, keltischen Magie hat seinen Ursprung im Aussehen der Pflanze; sie galt aufgrund ihrer grüngelben Rinde als Symbol der Sonnenkraft. Dieses „Signaturwissen“ (Lehre, dass das Aussehen einem magischen Zweck entspricht) von der Mistel führte auch zu dem mittlerweile überall in Europa und den USA verbreiteten Brauch, Mistelzweige an Weihnachten über die Haustür zu hängen – weniger, um sich darunter zu küssen, sondern vielmehr, um die Wiedergeburt der Sonne zur Sonnwendnacht am 21.12. feiern.


Nieswurz
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Nieswurz


Es gibt botanisch zwei Arten von der Nieswurz, die auch „Christrose“ oder „Weihnachtsrose“ heißt: die so genannte schwarzen Nieswurz (lateinisch „helleborus niger“) und die weiße Nieswurz (lateinisch „veratrum album“). Beide Arten wurden häufig in der volkstümlichen Magie und bei diversen Räucherungen eingesetzt, um Kontakt zur geistigen Welkt herzustellen. Diese einheimische Pflanze NIeswurz, die tatsächlich manchmal mitten im Winter blüht und ihren Namen „Schneerose“ verdient, hat zackenförmig gelappte lange Blätter und weiße Korbblüten mit gelbem Schlund. Sie wurde früher als etwas ganz Besonderes angesehen, weil sie dann blüht, wenn nichts mehr in der Natur zu leben scheint – manchmal mitten im Schnee. Die Schönheit der beiden Nieswurz-Arten darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie hochgradig giftig sind. In der Magie hat man die schwarze Nieswurz gern als eine Art „Jugend-Elixir“ eingesetzt, indem man die Blätter getrocknet, fein zerrieben und zusammen mit zerstoßenem Zucker und anderen Inhaltsstoffen zu Pulvern und Tinkturen vermischt hat, die man einnehmen musste, um ewige Jugend zu erlangen. Ob dieses gefährliche, im Grund sehr toxische Mittel wirklich im Umlauf war oder ob es sich hierbei eher um eine Legende handelt, ist jedoch nicht sicher.

Die weiße Nieswurz (veratrum album) wurde früher oft als ein Bestandteil der magischen Räucherungen, die das „dritte Auge“ schulen und Visionen erzeugen sollten, und der so genannten Hexensalben verwendet. Man hat sie auch im späten Mittelalter, als es noch keine medizinisch erprobten Betäubungsmittel gab, als Narkotikum bei Operationen eingesetzt; dieser Gebrauch ist jedoch bedenklich, da die Pflanze Sinnestäuschungen (Halluzinationen) erzeugt und in höheren Dosen zu Nervenkrämpfen führen kann…


Wacholder
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Wacholder


Wacholder ist ein pflanzlicher Wächter zur Totenwelt. Der Wacholder oder auch Reckholder ist ein aufrecht wachsender europäischer Nadelbaum oder –strauch, der wegen seines Harzes, seines Holzes und seiner Beeren seit alter Zeit in der Küche ebenso geschätzt wird wie in der Heilkunde und Magie. Der lateinische Name des Wacholders lautet „juniperus communis“, was so viel bedeutet wie „gewöhnlicher oder verbreiteter Wacholder“, was wiederum auf die hohe Dichte seiner Verbreitung hinweist. Wacholder ist in der Küche wegen seiner blauschwarzen bitteren Beeren, der so genannten Wacholderbeeren, sehr geschätzt, denn sie geben in sparsamer Dosierung Fleisch- und Wildgerichten den richtigen Pfiff. Doch auch das duftende Wacholderholz wird gern zum Räuchern von Schinken oder Forellen benutzt, da es überaus aromatisch ist und das Räuchergut gleichsam mit einer Würze durchdringt, was wiederum von Feinschmeckern sehr geschätzt wird. Neben der kulinarischen Bedeutung zum Würzen und Konservieren von Speisen hat man den sehr dekorativen, blaugrün genadelten Wacholder früher auch gern im Hausgarten angepflanzt, um böse Geister und Dämonen zu vertreiben. Ein magischer Gegenzauber, wenn plötzlich alles schief ging und man befürchtete, verhext worden zu sein, bestand aus getrockneten Brennnesseln, getrocknetem Wacholder und getrockneten Haselnussblättern, die man in ein kleines Taschentuch einknüpfte und fortan immer bei sich trug, bis das Unheil sich wendete. Auch viele andere Bann- und Abwehrzauber bedienen sich der angeblich schützenden Kraft des Wacholders. In der Volksmagie war der Wacholder deshalb so beliebt, weil man praktisch allen Bestandteilen der Pflanze eine heilende Wirkung zusprach. Ein Absud oder Tee aus den bitteren Wacholder-Beeren wurde auch gern getrunken, um das so genannte „zweite Gesicht“ (eine prophetische Gabe) zu erwirken und gute Orakel stellen zu können. Im Altertum verwendete man Wacholder auch oft bei der Praxis der rituellen Totenverbrennung zum Verbrennen von Leichen – ein Brauch, der im Mittelalter bei den Pest-Epidemien wieder neu aufkam. Tatsächlich hat man dem stark aromatisch duftenden Harz und Holz des Wacholders eine antiseptische Wirkung nachweisen können, die Keime abtöten hilft und die Infektionsgefahr mindert.


Weide
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Weide


Die Weide galt in alter Zeit als ein Lieblingsbaum der Hexen und Wahrsagerinnen, vor allem in Norddeutschland, Nordengland und Irland. Dort gibt es einen alten Märchenspruch, der so beginnt: „Die Königin-Mutter hielt eine Rute in der Hand…“, und mit „Rute“ war ein Weidenstab gemeint, der zum Zaubern benutzt wurde, denn aus dem weichen Holz der Weide schnitt man gern magisches Gerät und Instrumente zum Verhexen. Der anspruchslose europäische Baum mit den zahlreichen feinen, wie Antennen wirkenden Zweigen, heißt auf Lateinisch „salix“ und kommt in der Natur in verschiedenen Formen und Varianten wild vor (Kopfweiden, Strauchweiden, Trauerweiden). Die Weide hat oft eine Beziehung zum Wasser, welches als magisches Urelement galt und die vermeintlich magische Kraft der Weide verdoppeln sollte. Allerdings stand die Weide, vor allem die Variante mit den überhängenden Zweigen, die als „Trauerweide“ bekannt ist, auch im Ruf, Unglück zu bringen oder den Zustand seelischer Trauer und Melancholie so eindrucksvoll zu verkörpern wie kein anderer Baum. Man riet deshalb auch davon ab, Weiden zu nah ans Haus zu pflanzen oder Weidenzweige mit ins Haus zu bringen, da sie angeblich ungute Schwingungen mit sich trügen. Das beliebte englische Volkslied „Down by the sally garden“ (Drunten im Weidengrund) beschreibt eine Stimmung des Suizids aufgrund von verschmähter Liebe, indem sich ein verzweifelter junger Liebhaber an einem Weidengrundstück umbringen will, weil seine Geliebte einem anderen zuneigt. Allerdings wissen moderne Pharmazeuten, dass die so oft in der traditionellen Musik und Literatur als Unglücksbringer oder Hexenbaum verschriene Weide tatsächlich eine Medizinwirkung hat: aus der Weide wird nämlich ein Alkaloid namens Salizin gewonnen, welches bei Fiebermitteln im Einsatz ist.


Wermut
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Wermut


Der Wermut – auf Lateinisch „artemisia absinthium“ – ist ein stark duftendes und bitter schmeckendes ausdauerndes Küchenkraut, das schon seit den frühen Klostergärten in Europa als Kulturpflanze bekannt ist. Aus den Klostergärten stammt auch seine heute beliebteste Verwendungsform im so genannten Absinth, einer grünlichen, stark aromatischen Likör-Art, die gern als Aperitif oder Digestiv getrunken wird. Ursprünglich sollte der aus der traditionellen Klostermedizin stammende Absinth-Trunk die Verdauung fördern, was aufgrund seiner medizinischen Inhaltsstoffe wie Salzen und Alkaloiden tatsächlich möglich ist, doch der Konsum des grünen Getränks verlief bald in anderen Kreisen. Der Absinth war bereits im 19. Jahrhundert ein Modegetränk von Dichtern und Künstlern wie Charles Baudelaire, die ihn als Visionen und Inspirationen erzeugende „grüne Fee“ oder „grüne Göttin“ feierten, doch man hat zeitweise den Genuss des Mittels gesetzlich untersagt und Ausschankstellen konfisziert, weil man bei den Abkochungen aus Wermut eine zu starke Nervenreizung oder Halluzinationen als Nebenwirkung beobachtete. Tatsächlich ist der heute im Handel übliche Absinth unbedenklich und keine Gefahr mehr für die menschliche Gesundheit, solange er besonnen und natürlich in geringer Dosis konsumiert wird. In Frankreich flambiert man hierzu meist einen Zuckerwürfel auf einem ziselierten Löffel und lässt den aufgelösten Zucker dann kunstvoll in ein Glas mit Absinth gleiten. Diese verfeinerte Praxis des Absinth-Genusses ist zugleich eine Kultur des Alltags, als auch ein Geschmackserlebnis für Kenner. In der volkstümlichen Magie gilt das Wermutkraut als ein Mittel, um schlechte Stimmungen zu vertreiben oder auch, um einen Liebhaber anzuziehen. Unverheiratete Frauen oder unfreiwillige Singles sollten Wermutblätter unter dem Bett verstreuen, um bald einen Partner ins Leben zu ziehen. Dann könnte man ja auch gleich gemeinsam ein Gläschen Absinth trinken, das zudem auch noch im Ruf steht, ein hervorragendes Aphrodisiakum zu sein…


Zaunrübe
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Zaunrübe


Die „Zaunrübe“ genannte Pflanze, auch Hundsrübe, Gichtrübe und Tollrübe genannt, ist ein unscheinbares einheimisches Gewächs, das in ganz Eurasien wild wächst. Ihr lateinischer Name ist „bryonia alba“. Sie ist eine giftige Kletterpflanze, die zu der botanischen Familie der Kürbisgewächse gehört, was man an ihren gezackten Blättern und den oft meterlangen Ranken, mit denen sie an Zäunen – daher der Name – hochklettert, erkennen kann, die sehr ähnlich aussehen wie die Wuchsteile von Kürbissen oder Zucchini in Miniatur. Die schwarz-beerige Pflanze kommt in der Natur überall von Skandinavien bis nach Russland vor und wird vor allem wegen ihrer Wurzel geschätzt, die mehrere Kilogramm schwer werden kann. Ihre Bedeutung in der mittelalterlichen Magie ist als sehr hoch einzuschätzen, denn die angeblich zauberkräftige Zaunrübe galt als Mittel gegen Sturm und Blitzschlag. Man legte eine Zaunrübe ins Haus oder hing sie an den Türstock, um sicher zu sein vor allen Unbilden des Wetters – in dieser Funktion war die Zaunrübe ein ähnlich geschätztes Schutz- und Abwehrmittel wie die berühmtere Mandragora oder Alraune.

Doch die tolle Rübe, die am Zaun klettert, hatte auch nachweisliche medizinische Wirkungen und wurde in der in der Naturheilkunde gegen Fieber und Bisswunden eingesetzt, wobei die Doktoren des Mittelalters mit höchster Vorsicht vorgehen mussten, denn die Pflanze ist giftig. In der modernen Medizin und Homöopathie findet die Zaunrübe Verwendung in Form von homöopathischen Tinkturen und Globuli, die ebenfalls unter dem lateinischen Namen „bryonia alba“ – wie der botanische Name – klassifiziert werden. Sie hilft als ein anerkanntes Homöopathikum gegen das Syndrom trockener und gereizter Augen, gegen Rheuma, Bronchialbeschwerden und Atemwegs-Erkrankungen, aber auch gegen diverse Wechseljahrs-Beschwerden und hormonelles Ungleichgewicht bei Frauen. Zaunrübe in homöopathischer Form kann die Vitalität stärken, und beweist somit einmal mehr die alte Spruchformel: „Die Dosis macht das Gift“ – ein Motto, das insbesondere für Hexenpflanzen gilt.