Von der Kloster-Medizin bis zur Phytotherapie
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Von der Kloster-Medizin bis zur Phytotherapie -

Kräuter als grüne Wohltat für Körper, Geist und Seele


Die Botanik und ganzheitliche Heilkunde mit Pflanzen war schon seit dem Altertum bekannt und gehörte als ein wesentlicher Bestandteil zur antiken Medizin, sowie auch zur Naturphilosophie.

Im Mittelalter waren die christlichen Klöster in Europa die Bewahrer des alten Wissens um Heilkräuter, und viele bekannte Kleriker wie Hildegard von Bingen und Albertus Magnus verfassten Werke über die Verwendung von Kräutern für Körper, Geist und Seele.

In der modernen Welt ist heute die „Phytotherapie“ in aller Munde – doch das scheinbar Neue und Trendgemäße geht auf tiefgründige, Jahrtausende alte Traditionen und Bräuche zurück.
Teil I


Basilikum bis Königskerze

Übersicht von traditionellen Heil- und Kulturpflanzen aus dem Bauerngarten sowie einiger exotischer Pflanzen und deren kulturgeschichtlicher und therapeutischer Wirkung

• Basilikum

• Baldrian

• Bohnenkraut

• Eberraute

• Eisenkraut

• Engelwurz

• Ginseng

• Holunder

• Ingwer

• Johanniskraut

• Kamille

• Kapuzinerkresse

• Kardamom

• Knoblauch

• Königskerze



Teil II


Lavendel bis Zimt

Übersicht von traditionellen Heil- und Kulturpflanzen aus dem Bauerngarten sowie einiger exotischer Pflanzen und deren kulturgeschichtlicher und therapeutischer Wirkung

• Lavendel

• Melisse

• Petersilie

• Pfefferminze

• Quendel

• Rosmarin

• Rose

• Rizinus

• Salbei

• Süßholz

• Vanille

• Weinraute

• Weiße Lilienwurzel

• Ysop

• Zimt


Basilikum
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Basilikum


Das Basilikum (Lateinisch ocimum basilicum) ist ein sehr bekanntes einjähriges Kraut, welches zu der Familie der Lippenblütler gehört und heute von vielen Hobbygärtnern und –köchen geschätzt wird. Die duftenden Blätter der Pflanze sind oval und am Rand leicht gewellt und verströmen einen typischen, pfeffer- oder anisartigen Geruch. Es gibt auch das so genannte Thai-Basilikum, welches schärfer im Geschmack ist. Sowohl das klassische Basilikum, welches aus der italienischen Küche nicht wegzudenken ist, als auch das Thai-Basilikum ist bei uns in Gärtnereien und auf Märkten erhältlich und kann in vielen Varianten der Frischküche beigegeben werden, als Salatzutat, in Pasta-Saucen oder in raffinierten Currys mit fruchtiger Note. Doch die hauptsächliche Verwendung des tollen Krauts liegt seit Jahrhunderten in der volkstümlichen Magie, denn das aus der Basilikum-Pflanze gewonnene ätherische Öl soll angeblich zaubern können. Wie beliebt das duftende Kraut tatsächlich war, beweisen viele traditionelle Sagen und Märchen aus Oberitalien und Sizilien, wo das Basilikum eine besondere Rolle spielt als magisches Kraut, welches angeblich die Liebenden zusammenführt.

Auch Liebes-Orakel wurden mit Basilikum durchgeführt, und nicht nur zum Scherz, denn man nahm die angebliche Zauberkraft dieser Pflanze sehr ernst. Doch langsam und der Reihe nach: wer einen untreuen Liebhaber hat oder sich unsicher ist, ob „er“ oder „sie“ nicht vielleicht in fremden Gärten wildert, soll – einer alten italienischen Tradition zufolge – zwei frische Blätter Basilikum abbrennen und zusehen, wie die auflodernde Flamme sich entwickelt. Ist das Blatt nur schwer zu entzünden, steht es mit der Liebe und Treue gut, brennt es hingegen flackernd auf (Vorsicht!), dann soll der Liebste es mit der Treue nicht so genau nehmen. Im Ernstfall hilft dann nur noch Basilikum als Speisezutat, rät dieselbe traditionelle Quelle, denn der Wirkstoff dieser Pflanze soll sogar aphrodisierend wirken und die Speisenden zur Versöhnung und zur Liebe geneigt machen, was natürlich gerade nach einem Streit Not tut. Notfalls nutzen aber auch ein paar Tropen reines ätherisches Basilikum-Öl (aus der Apotheke) in der Duftlampe diffundiert – der süß-schwere, aromatische Geruch soll nämlich das eigene Heim für den Untreuen bald wieder attraktiver machen…


Baldrian
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Baldrian


Der Baldrian hat seinen deutschen Namen vom Gott Baldur, der in der skandinavischen Göttersaga „Edda“ ein bevorzugter Sohn Odins, des Göttervaters ist. Baldur gilt als besonders schön und als Gott der Schönheit und der Kunst. Das nach ihm benannte Kraut soll zwar in der Magie nicht schön machen – zumal ist eine solche Verwendung nicht bekannt – doch es spielt eine große Rolle bei natürlichen Heilzwecken und Alternativmedizin. Im Lateinischen heißt der Baldrian „valeriana officinalis“ und findet bereits in frühesten Apotheker-Büchern Erwähnung und in der Mystik, wo es heißt, er sei angeblich schon unter dem Kreuz von Jesus Christus gewachsen, was ihm besondere Kräfte verliehen habe. Baldrian ist ein blühendes Gewächs mit einem starken balsamischen Duft, welches schon im Mittelalter als Heilpflanze erkannt und bei Schlafmitteln und zur Beruhigung eingesetzt wurde. Tatsächlich haben auch moderne Pharmazeuten nachweisen können, dass der Baldrian in Blatt und Wurzel Stoffe enthält, welche beruhigend auf das Nervensystem wirken, weshalb er heute noch oder wieder ein überaus geschätzter Bestandteil vieler pflanzlicher Mittel zur Nervenberuhigung und zur Schlafförderung ist. Aufgrund seines stark aromatischen Duftes, der auch Katzen anzieht, nennt man die legendäre Pflanze in manchen Gegenden jedoch auch „Katzenkraut“. Wenn Baldur das wüsste!


Bohnenkraut
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Bohnenkraut


Das Bohnenkraut ist ein einheimisches Küchenkraut, das seit dem Mittelalter in Gärten kultiviert und in vielen botanischen Traktaten und Abhandlungen lobend erwähnt wird. Es gibt die vom Menschen gezüchtete Variante (Lateinisch satureja hortensis) und die ältere wildwachsende Variante, auch Berg-Bohnenkraut genannt (Lateinisch satureja montana). Das Bohnenkraut hat holzige Stängel und kleine, harte Blättchen in graugrüner Farbe, mit angenehm bitter-pfeffrigem Geschmack. Aufgrund dieses besonders starken, pfefferartigen Aromas nennt man das Bohnenkraut in manchen Gegenden Deutschlands auch „Pfefferkraut“, denn früher, als Gewürze noch selten und sehr teuer waren, hat man das Bohnenkraut oft getrocknet, zerrieben oder gerebelt und als Ersatz für Pfeffer in aromatischen Gerichten und auf Grilladen verwendet.

Doch dieser feine scharfe Geschmack hat neben der anerkannten Würzwirkung auch noch andere Effekte, denn das tolle Kraut galt seit dem Mittelalter auch als so genanntes Aphrodisiakum, das heißt ein zur Liebe anregendes Gewürz, welches angeblich die Libido steigert. Nicht umsonst munkelte man gern, dass Speisen, mit Bohnenkraut gewürzt, eine wunderbare Einleitung für eine Liebesnacht seien, und auch in manchen alten volkstümlichen Zaubern zur Steigerung der Anziehungskraft zwischen den Geschlechtern kommt das Bohnenkraut vor. Das erklärt auch, weshalb das ungewöhnliche Gewürz überall wachsen durfte, nur nicht in Klostergärten, denn die frommen Mönche wollten davon ja gerade nichts wissen. Im Übrigen ist diese altbekannte medizinische Wirkung durch die moderne Kräuterheilkunde und Aroma-Therapie bestätigt worden und kann insofern als gesicherte Tatsache gelten. Der berühmte französische Kräuterheilkundige Maurice Messegué empfiehlt heute seinen Lesern, Bohnenkraut-Tee zu trinken oder Massagen aus Mandelöl mit Bohnenkraut-Extrakt versetzt auf die untere Wirbelsäule applizieren zu lassen, wenn sie an Impotenz oder sexueller Unlust leiden.


Eberraute
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Eberraute


Fast in Vergessenheit geraten ist heute die Eberraute, ein kleines einheimisches Würzkraut, das durch seinen Namen „artemisia abrotanum“ verrät, dass es aus derselben Pflanzenfamilie stammt wie seine bekannteren Geschwister Wermut und Beifuß, beides magische Kräuter mit langer Tradition. Die Eberraute hat silbrig-grüne Blätter, grüngelbe Blüten und einen wunderbar feinen, zitronenartigen Geruch, schmeckt aber sehr bitter und wird deshalb üblicherweise nicht gegessen, sondern getrocknet und als natürlicher Duftstoff oder Aroma verwendet. Aroma-therapeutisch wirkt die Eberraute belebend und stimmungsaufhellend, aufgrund des Citrin-Gehalts in ihren Aromaten. Man hat früher, als es noch nicht so viele Parfums oder gar keine industrielle Kosmetikherstellung in großen Mengen gab, oft die Eberraute verwendet, um Bäder zu parfümieren, oder man trug Eberraute unter einem Mieder, um den Körper unaufdringlich, aber angenehm zu parfümieren.

Es gab auch den Brauch, die Eberraute an bestimmten Tagen – der Mondstand spielte hierbei eine Rolle (meist war es Vollmond) – zu ernten, zu trocknen und kunstvoll zu flechten, und diese Flechten dann unter der Kleidung an sich zu tragen, um jeden Tag gleichsam ein natürliches Deodorant zu besitzen. Dieser Brauch diente aber in magischen Zeiten nicht nur der Körperpflege, sondern war auch mit Anziehungskraft verbunden, denn die Eberraute sollte ihren Träger einerseits vor Verzauberung schützen, andererseits aber auch selbst mit besonderer Kraft versehen, denn wer die Eberraute schnupperte, sollte angeblich in unsterblicher Liebe verfallen. Ob das tatsächlich gewirkt hat, wissen vielleicht nur noch unsere Ur-Urgroßmütter, denn in neuerer Zeit wurde dieses sehr klassische Lockmittel dann doch durch andere Stoffe ersetzt…


Eisenkraut
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Eisenkraut


Das Eisenkraut oder die Verbene – lateinisch „verbena officinalis“ – ist ein mittelhoch wachsendes, einheimisches Tee-und Gewürzkraut, das einen feinen zitronenartigen Geruch verströmt. Da die krautige Pflanze in unseren Breitengraden nicht immer winterhart ist, muss sie vor winterlichem Frost geschützt werden und ist nicht ganz einfach zu kultivieren, nichtsdestoweniger wurde sie von unseren Vorfahren sehr geschätzt, um aromatischen Tee zu bereiten und auch, um magische Werke zu wirken. Eisenkraut heißt so, weil es in der Signaturen-Lehre nach dem berühmten Schweizer Magier und Naturheilkundigen Paracelsus dem Element Eisen und dem Planet Mars zugeordnet wird. Es galt daher im Mittelalter als Zaubermittel und Allheilstoff für Krieger – Eisenkraut sollte Stahl härten und Schwerter unbesiegbar machen, deshalb trug man im Mittelalter gern Tinkturen aus Eisenkraut auf Waffen auf. Es gab sogar den mittelalterlichen Brauch, bei Verwundungen durch Schwerter eine komplizierte Mixtur aus Eisenkraut, Hämatit (Blutstein) und Schmalz auf das Schwert aufzutragen – an die eigentliche Wunde ließ man jedoch nur Wasser. Ob diese kuriose Technik gewirkt hat, ist uns heute leider nicht historisch überliefert, möglich ist es durchaus.

Probatere Mittel als die Behandlung von Schwertern waren Eisenkraut-Aufgüsse als Tee für den Krieg der Geschlechter, denn Eisenkraut galt als hervorragendes Aphrodisiakum (das heißt ein Mittel, das im Ruf steht, die Potenz zu fördern und die Lust anzuregen). Ein Eisenkrauttee sollte sogar zerstrittene Ehepaare wieder friedlich stimmen und zur Versöhnung anregen. Auch gab es im mittelalterlichen Frankreich den Brauch, an einem Freitagabend Rosenblüten und Verbene ins Badewasser zu geben, um im Anschluss besonders süß zu träumen – vom Zukünftigen natürlich.


Engelwurz
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Engelwurz


Die Engelwurz ist seit alter Zeit der Star im Kräutergarten – auch bekannt als Angelika, oder lateinisch „angelica officinalis“ und „angelica archangelica“, macht sie ihrem mystischen Namen alle Ehre. Die krautige Pflanze mit den nach Fenchel duftenden gelben Blütendolden soll mit der geistigen Welt und dem Engelreich in Verbindung stehen, deshalb benannte man sie auch als Engelwurz, Geistkraut, heilige Geistwurzel und nutzte sie häufig in der Magie, um böse Geister fernzuhalten. In England heißt sie sogar „devil´s bane“ – Teufelsbann! Bezeichnungen wie Brustwurzel oder Zahnwurzel deuten jedoch darauf hin, dass man diese Pflanze auch schon früh wegen ihrer heilenden Wirkung geschätzt hat: Extrakte aus Angelika sollen tatsächlich das Zahnweh lindern oder chronischen Husten oder Brustschmerzen heilen. Jedoch ist nur die zweijährige Pflanze zu heilenden Zwecken verwendbar und auch nur dann, wenn ihre Wurzel im Frühjahr geerntet wird. Die nicht ganz einfache Beschaffung und Ernte der Wurzel hat die Menschen im Mittelalter jedoch nicht davon abgehalten, sich gern einen Vorrat dieser Wurzel anzueignen, die geradezu als Allheilmittel gepriesen wurde.

Ihr altdeutscher Name „Theriak“ kündet heute noch davon, dass man der Angelika-Pflanze früher alles zugetraut hat, was es an heilender Wirkung gibt, denn „Theriak“ heißt so viel wie „Allheilmittel“. So sollte die Heilpflanze Angelika, neben einer auch durch moderne Forschung erwiesenen Wirkung gegen Zahn- und Brustschmerzen, gegen jede Art von Beschwerden helfen, von Zerrungen und Prellungen über Muskelschmerzen und Erkältungskrankheiten bis hin zu Impotenz bei Männern und Unfruchtbarkeit bei Frauen. Faktisch nachgewiesen ist aber nur ein biologischer Wirkstoff, der die Ausscheidungen schädlicher Stoffe aus dem Körper fördert.


Ginseng
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Ginseng


Ginseng ist das chinesische Wundermittel schlechthin und steht in China in einem ähnlich legendären Ruf, wie es die Alraune (Mandragora) in Europa tut. Der lateinische Name für Ginseng ist „panax quinquefolium“, was so viel bedeutet wie „fünfblättriger Panax“ und sich auf die oberirdische Wuchsform bezieht, die mit Blättern mit fünf Zacken aufwartet, welche sehr interessant aussehen und fast wie menschliche Finger. Auf Chinesisch bedeutet „Ginseng“ tatsächlich „lebender Mensch“, und dieser Ausdruck bezieht sich ausschließlich auf die verdickte Wurzel der Pflanze, die mit etwas Fantasie aussieht wie ein Mensch mit Armen und Beinen – auch in dieser Hinsicht ist der Ginseng der europäischen Zauberpflanze Alraune sehr ähnlich, die als „anthropomorph“ (menschenähnlich) gilt. In der Medizin werden nur die Wurzeln des Ginsengs verwendet, getrocknet als Tee, Aufguss oder Tinktur, manchmal auch in kleinen Stücken kandiert als Bonbon. Ginseng gilt seit dem Altertum als ein so genanntes pflanzliches Tonikum, als Lebens-Elixir und Allheilmittel für die Funktionen des Körpers und der inneren Organe.

Reiche Chinesen trugen früher ein Stück Ginseng als Allheilmittel, aber auch als ein besonderes Statussymbol mit sich, denn Ginseng von höchster Qualität war so rar und teuer, dass er nicht gegessen oder zu Tee verarbeitet, sondern in Gold gefasst und zu Amuletten gefasst wurde. Besonders schöne Ginseng-Exemplare mussten sogar immer dem Kaiser übersandt werden, der sie seinerseits wieder an ausgewählte Mandarine (Hofbeamte) verschenkte, da normale Sterbliche gar nicht in diesen Genuss kommen durften. Auch wenn Statussymbole im heutigen, recht westlich geprägten China sicher anders aussehen als in Gold gefasster Ginseng – seine tolle Wirkung hat der Zauberwurz aus Asien sicher nicht verloren.


Holunder
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Holunder


Der Holunder (Latein sambucus) ist eine interessante strauchartige Pflanze aus der weit verbreiteten Gattung der Moschusgewächse und kommt in der Natur in etwa zehn Arten vor, von denen drei in Europa heimisch sind. Am bekanntesten ist der so genannte schwarze Holunder, der oft eine klassische Rain- oder Waldrandpflanze ist, weil er in der freien Natur gern im Halbschatten unter größeren Bäumen wächst. Der Holunder – auch Holler oder Holder genannt – ist auch eine alte Kulturpflanze und wird spätestens seit dem Mittelalter wegen seiner symbolischen und medizinischen Eigenschaften sehr geschätzt. Er gilt als Sinnbild des menschlichen Lebens und wurde von dem esoterischen Autor Hans Blüher aus der Schweiz als eine menschenartige Pflanze beschrieben, deren gezackte Blätter, Blüten und erhabener Wuchs eine direkte Beziehung zum Kosmos hätten – wie der Mensch selbst. Die in vielen Kulturen heiliggesprochene Pflanze ist, auch unabhängig von ihrer fantasievollen spirituellen Deutung, schon aufgrund ihrer duftenden weißen, schirmförmig wachsenden Doldenblüten und bekömmlichen schwarzen Beeren im Spätsommer als Heilpflanze besonders wertvoll, denn sowohl die Blüten als auch die Beeren haben eine nachweislich therapeutische Wirkung. Aus den getrockneten schirmförmigen Blüten kann man den bekannten Holunder-Tee bereiten, der stark fiebersenkend, entgiftend und kreislaufstärkend ist. Aus den schwarzen Beeren wird meistens Saft gewonnen oder Marmelade hergestellt, die fein würzig, nicht zu süß schmeckt und die Abwehrkräfte stärken soll.

In der Volksmagie wurde Holunder oft auch in den so genannten Viehzaubern eingesetzt: um Tiere zu beschützen, legte man Holunder in den Stall oder die Krippe oder mischte ihn im Futtertrog gleich dem Futter bei. Extrakte aus dem Holunder galten außerdem auch als schützend und heilend für Mensch und Tier. Wer einen Hund oder eine Katze hat, kann das heute noch nachvollziehen: ein kleines Kissen nähen und mit getrockneten Holunderblüten füllen, erhält unseren vierbeinigen Liebling angeblich lange gesund…


Ingwer
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Ingwer


Der Ingwer (lateinisch zingiber officinale) ist eine vielseitige alte Kulturpflanze aus der Familie der Ingwergewächse. Er kommt in den Tropen und Subtropen vor, insbesondere in Indien, China und Indonesien, wo er als Küchenzutat zur täglichen Ernährung gehört. In Indien ist der Ingwer zudem aus der ayurvedischen Küche nicht wegzudenken, denn er gilt als eine Gewürzzutat, die das „agni“, das Verdauungsfeuer, anregt und so den Stoffwechsel beschleunigt. Die Pflanze selbst hat ein interessantes Aussehen und wächst mittels eines so genannten Rhizoms (eine kriechende Wurzel) unterirdisch. Ingwer wird seit dem Altertum kulturell angebaut, in Knollen geerntet und weiterverarbeitet. Diese Knollen können roh genossen, gerieben, püriert oder auch kandiert werden. In China wird Ingwer oft als vitalisierender Tee zubereitet, indem entweder frische geriebene Ingwer-Knolle oder getrocknetes Ingwerpulver mit heißem Wasser aufgegossen und gleich morgens, oder mehrmals am Tag, getrunken wird. Aus China stammt auch die Ansicht, dass dem Ingwer – ähnlich wie seinem prominenteren Verwandten, dem Ginseng – eine magische und heilende Wirkung innewohne. Ingwer soll unter anderem gegen Verdauungsschwäche, Kreislaufschwäche oder allgemein Müdigkeit und Vitalitätsverlust eingesetzt werden.

Die volkstümliche Überlieferung will ferner wissen, dass ein Stückchen kandierter Ingwer nicht nur gut schmeckt, sondern auch zuverlässig vor Übelkeit und Erbrechen auf Reisen – so genannter Reiseübelkeit im Flugzeug oder im Zug – bewahrt.


Johanniskraut
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Johanniskraut


Das Johanniskraut – lateinisch „hypericum perforatum“ – ist heute meist in seiner medizinischen und homöopathischen Verwendung als Mittel gegen seelische Verstimmungen und leichte Depressionen bekannt. Tatsächlich ist die traditionsreiche Pflanze mit den runden, manchmal immergrünen Blättern und den leuchtend gelben Blüten eins der wenigen Kräuter, welches nicht nur eine seit dem Mittelalter bekannte, nachgewiesene Wirkung gegen seelische Verstimmung und Niedergeschlagenheit besitzt und die Stimmung aufhellt, sondern auch eine ausgesprochene magische Tradition hat und direkt mit einem Datum und einem Volksbrauch in Verbindung steht. In der Johannisnacht am 22.06. sollte dieses Kraut in einer Kirche geweiht werden, um für den Rest des Jahres Dämonen, böse Geister und Teufel zu vertreiben (die man im Mittelalter auch für die Verursacher von Melancholie hielt, so schließt sich der Kreis). Man glaubte nämlich stets, der Teufel sei etwas einfältig, und ließe sich durch das magische Kraut täuschen – denn das Johanniskraut hat vielfach gepunktete Blätter, worauf schon der lateinische Beiname „perforatum“ („durchstochen“) hinweist, und einer Sage zufolge müsse der Teufel alle Punkte auf der Blattoberfläche zählen, bevor er in ein Haus eindringen könne, und das würde dauern…

Wichtig ist in der Pharmazie auch die Herstellung des so genannten Rot-Öls aus den Blüten, die, vermischt mit Pflanzenöl und in der Sonne gereift, eine satte rote Farbe annehmen. Das wertvolle Rot-Öl soll gegen Fieber, Hexenschuss und Rheuma helfen, sowie gegen Gliederschmerzen und Verrenkungen. Es gibt auch den Brauch, dass verliebte Mädchen im Sommer die Blüten des Johanniskrauts solange zwischen den Fingern zerreiben, bis roter Pflanzensaft ausfließt – das sollte ein gutes Omen sein, denn dann war der Geliebte treu.


Kamille
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Kamille


Die Kamille gilt als Pflanze mit Marias Segen oder dem Segen der Madonna. Früher sagte man, jede Frau solle vor der Kamillenpflanze einen Knicks machen, denn die Kamille galt als segensreiche Pflanze, die für alle Frauenkrankheiten Linderung bieten sollte. Mehr noch, die legendäre heilende Wirkung der Kamille solle so groß sein, dass ihre Nähe allein ausreiche, um Heilung oder zumindest Linderung für alle erdenklichen Gebrechen zu verschaffen. Diese in der Volksmedizin und Magie so hoch geschätzte, weiß blühende und aromatische Pflanze ist botanisch gesehen ein einheimisches Kraut und heißt auf Latein „matricaria chamomilla“. Die kosmetischen und pflegenden Wirkstoffe der Kamille waren schon früh bekannt. Man lernte bereits in der frühen Neuzeit, aus der Blüte der Kamille das so genannte Kamillenöl zu extrahieren, was sehr wertvoll ist und – eine große Seltenheit unter den Ölen – bläulich schimmert. Das reine Kamillenöl oder Mischungen damit sollten die Haut beruhigen, gegen Akne und Hautunreinheiten und Allergien wirken, aber auch als Tonikum zur dauerhaften Jugendlichkeit des Teints beitragen.

Der altbekannte Kamillentee aus der getrockneten Pflanze ist zudem seit alter Zeit ein Hausmittel gegen Erkältung, wird jedoch nicht von allen Menschen gut vertragen, da gerade die starken ätherischen Inhaltsstoffe der Kamille bei empfindlichem Magen Probleme verursachen. Kamille kann traditionell auch Entzündungen heilen, wenn sie als Kompresse (Pflanzenbestandteile in Wasser getränkt und in Mull gebunden) auf den betreffenden Körperteil aufgelegt oder mit einem Wattebausch aufgetupft wird, denn sie wirkt durch ihre Bestandteile hautreinigend, klärend und leicht adstringierend (zusammenziehend). Gesichts-Dampfbäder mit Kamille-Blüten stehen im Ruf, das Hautbild zu verschönern und gegebenenfalls auch zu große Poren, Akne oder Hautunreinheiten zu beseitigen.


Kapuzinerkresse
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Kapuzinerkresse


Die Kapuzinerkresse (Lateinisch tropaeolum majus) ist ein ganz besonderes Kraut, wobei man nicht weiß, woher sie eigentlich ihren faszinierenden Namen hat – keinesfalls haben Kapuziner-Mönche diese Pflanze importiert. Es handelt sich um eine ursprünglich aus Mittelamerika stammende, ein- oder mehrjährige rankende Pflanze, die gern klettert und gelbe oder orangebunte Blüten mit scharfem Geruch und Geschmack ausprägt. Diese Pflanze wurde seit dem 17. Jahrhundert auch in Europa kultiviert, wo sie wegen ihres raschen Wuchses und ihrer attraktiven Blüten bald viele Bewunderer fand. Schnell fand man auch heraus, dass die Kapuzinerkresse zu den so genannten „essbaren Blüten“ gehört, ähnlich wie Gänseblümchen oder Veilchen, und dass man ganz wunderbar Salate und frische Speisen mit diesen Blüten dekorieren kann – ein großer Trend im viktorianischen England, der gerade wieder seine Renaissance erlebt.

Das Aroma der Kapuzinerkresse-Blüten ist etwas pfeffrig und scharf-bitter, weswegen man nie viele auf einmal isst, sondern nur wenige als Dekoration, die mit genossen werden darf, zum Beispiel zu Salaten, Suppen oder Käse. Die geschlossenen Knospen der Kapuzinerkresse kann man in Salzlake und Essig einlegen und erhält so eine Art Ersatz für Kapern, der sehr wohlschmeckend ist.

Doch nicht nur in der Küche, auch im Badezimmer hat diese Pflanze viele Fans als ein überraschendes und ebenso wirksames Mittel für die Schönheit. Eins lautet so: gehackte Blüten und Blätter der Kapuzinerkresse können mit Wodka oder Weingeist vermischt und der Sud nach drei Wochen filtriert werden, wonach man ihn alle paar Tage tropfenweise in die Kopfhaut einmassiert. Die Schwefelstoffe in der Pflanze beleben die Kopfhaut und machen das Haar schön!


Kardamon
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Kardamon


Beim Kardamon handelt es sich um beliebtes Küchengewürz, welches gern zum Backen und in der feinen Küche verwendet wird. Diese Pflanze, von der nur die Samen verwendet werden, gehört zu den Ingwergewächsen und heißt auf Lateinisch elettaria cardamomum. Sie kommt in den Subtropen und Tropen vor und gehört zu den eher selteneren, hochwertigen Gewürzen, welche früher für die Handels-Schifffahrt unverzichtbare Güter waren und in Europa mit hohen Preisen aufgewogen wurden. In Indien ist Kardamon in der Ayurveda-Lehre unverzichtbar und gehört, neben Pfeffer und Ingwer, zu den Gewürzen, die das Verdauungsfeuer („agni“) steigern sollen, also auf den Magen-Darm-Trakt des Menschen günstig wirken. Viele Gerichte der Ayurveda-Küche werden daher mit Kardamon gewürzt, sowohl Süßspeisen als auch herzhafte Currys. Auch in der arabischen Küche ist der grüne Kardamon sehr beliebt; im Libanon genießt man seinen frischen und herben Geschmack bevorzugt im Kaffee. Dieser Kaffee mit Kardamon-Zusatz ist für europäische Gaumen zunächst sehr ungewohnt, stellt aber eine Delikatesse dar, die man nicht mehr missen möchte, wenn man sich erst an den Geschmack gewöhnt hat.

Neben der geschmacksverfeinernden Wirkung soll Kardamon auch die menschliche Konzentration stärken, die Sinne wecken und zur Lust anregen. Deswegen wird er in der Aroma-Therapie eingesetzt, um Konzentrationsstörungen zu lindern und Menschen zu helfen, die gerade etwas nervös und geistig abgelenkt sind. Gern hat man den Kardamon auch in der traditionellen Bäckerei benutzt, zum Beispiel im Teig von Zimtschnecken, die aus der skandinavischen, aber auch aus der aktuellen US-amerikanischen Konditorei nicht wegzudenken sind. Angeblich soll eine Prise dieses Gewürzes auch den Liebsten dazu bringen, ganz fest an uns zu denken…


Knoblauch
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Knoblauch


Der Knoblauch (lateinisch „allium sativum“) ist eine knollenförmig verdickte mehrzehige Wurzel eines weitverbreiteten, eurasischen Lauchgewächses. Knoblauch wirkt durch seine starken ätherischen Öle auf den menschlichen Körper blutreinigend, schmerzstillend und antiparasitär. Angeblich soll Knoblauch, auf eine Wunde aufgelegt, akute Schmerzen stillen, und ein paar Tropfen frisch gepresster Knoblauchsaft bei Insektenstichen sollen dazu führen, dass der Stich sehr schnell abheilt, ähnlich wie die weitaus duftende Variante, mit einer Lavendelblüte schnell über den Stich zu streichen. In der Küche hat der Knoblauch seit alter Zeit eine ganz banale Verwendung: er aromatisiert Braten und Pasta mit südländischem oder mediterranem Flair und fügt, gemeinsam mit Kräutern wie Rosmarin und Thymian, einen beliebten typisch mediterranen Geschmack hinzu, und sogar die traditionelle Volksmedizin kennt eine Verwendung für die tolle Knolle – nämlich gegen Bandwürmer.

Die so genannten „Zehen“ der Knoblauchwurzel wurden in der volkstümlichen Magie in Rumänien, Italien und Süddeutschland gegen die Macht von Verhexungen, gegen böse Geister und Vampire eingesetzt. Ketten oder Kränze aus Knoblauch sollten helfen, böse Einflüsse vom Haus und von seinen Bewohnern fernzuhalten. Oft hat man in der traditionellen Volksmagie an den so genannten magischen Daten, wie Allerheiligen (31.10.) oder in den Rauhnächten (24.12.-06.01.) Zauber mit Knoblauchzehen oder Knoblauchöl durchgeführt, um sich von schwarzer Magie zu befreien, oder um einen Fluch aufzulösen. Da man oft auch glaubte, dass kleine Kinder den bösen Einflüssen besonders schutzlos ausgeliefert seien, hat man schon im Mittelalter begonnen, Kindern Ketten mit Knoblauch um den Hals zu hängen oder eine Knoblauchzehe in die Tasche zu stecken, um sie magisch zu schützen. Dieser alte Brauch hat sich in Italien bis heute, in ländlichen Gegenden, erhalten und wird als Prophylaxe gegen den so genannten „mal occhio“, den bösen Blick, verwendet.


Königskerze
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Königskerze


Die Königskerze – lateinisch auch „verbascum thapsus“ – ist eine großwüchsige, majestätische und blühende Pflanze aus Mitteleuropa, die wollfilzige graugrüne Blattoberflächen und viele kleine Blüten an hohen Blütenkolben aufweist. Es gibt gelbblühende, weißblühende und rot- oder rosablühende Königskerzen in der Natur, die alle in den Sommermonaten blühen und oft weithin sichtbar sind. Die Pflanze wird im Volksmund auch gern Himmelskraut, Himmelbrand oder Wollkraut genannt, was darauf hinweist, dass unsere Vorfahren von ihrem hohen Wuchs und ihrer Ausstrahlung beeindruckt waren.

Die Königskerze hat der Sage nach zahlreiche magische Wirkungen, doch auch tatsächliche medizinisch erwiesene Effekte bei der Bekämpfung von Krankheiten, weshalb dieses früher in Vergessenheit geratene Kraut heute wieder eine Renaissance erlebt. Als so genannter „Himmelbrandtee“ finden die getrockneten Pflanzenbestandteile, die man im Idealfall im August ernten sollte, Verwendung in der Volksmedizin, wo sie gegen Entzündungen des Körpers und gegen Lungenkrankheiten helfen sollen. Auch in der modernen Homöopathie wird Königskerze in Form von Globuli oder Tropfen gegen Lungenbeschwerden und seelische Probleme eingesetzt. In der traditionellen Brauchtums-Kultur in Lothringen und in Süddeutschland wurde die Königskerze gern in so genannten Himmelfahrts-Sträußen eingesetzt. Das waren große Blumen- und Kräutersträuße, die in katholischen Gegenden am Festtag von Mariae Himmelfahrt (15. August) gesammelt und gebunden wurden und in der Kirche eine Weihe vom Priester erhielten, um dann das ganze Jahr über Frieden und Gesundheit für Mensch und Tier zu bringen. So brachte die Königskerze, als „Star“ im Blumenstrauß, nicht nur Zierde ins Haus, sondern auch Glück und Gesundheit.


Lavendel
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Lavendel


Der Lavendel (lateinisch lavandula officinalis) ist eine uralte Heil-und Duftpflanze mit überwältigend aromatischem Duft, die heute fast jedermann kennt. Der graugrüne Halbstrauch mit den duftenden blauvioletten Blütenähren stammt aus dem Mittelmeerraum und ist vielen durch die blühenden Lavendelfelder in der Provence bekannt. Von dort stammt auch die berühmte Gewürzmischung „Kräuter der Provence“ stammt, in der – neben Rosmarin, Lorbeerblatt und Thymian – für den echten Kenner der französischen Küche auch der Lavendel nicht fehlen darf, der als Gewürz (sehr sparsam verwendet) einen ungewöhnlichen und angenehm bitteren Geschmack als Zugabe bei Lamm- und Meeresfrüchtegerichten abgibt.

Die große Beliebtheit des Lavendels heute als Gartenpflanze in unseren Breitengraden hingegen ist der hohen Nachfrage nach anspruchslosem Begleitgrün für Rosen und Staudenrabatten zu verdanken, weswegen er in vielen Gartencentern fast ganzjährig angeboten wird. Doch die meisten Menschen, die nun gerade keine Gärtner sind, schätzen den Lavendel wegen seines wunderbaren Geruchs, den man schwer beschreiben kann – er ist süßlich, schwer und harzig, und er hat noch einen tollen Nebeneffekt: als Duftessenz erfrischt er seit alter Zeit die Wäsche, und getrocknet und in Bündeln oder bunte Säckchen gepackt, hält er angeblich die Motten und Kleiderfliegen aus dem Kleiderschrank fern. Dieser volkstümlichen, aber durchaus faktisch erwiesenen Wirkung des Lavendel-Dufts ist auch seine große Beliebtheit in der Haushaltsreiniger- und Kosmetikindustrie zu verdanken. Doch der Duft des Lavendels galt in alter Zeit auch als ein magischer Lockstoff in der weißen Magie, um den richtigen Partner anzuziehen – denn angeblich sollten Bäder mit Rosenblütenblättern, Eisenkraut und vor allem Lavendelzusatz die Badende unwiderstehlich machen, und eine neue Liebe garantieren…


Melisse
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Melisse


Die Melisse ist eine sehr alte Heil- und Teepflanze, die schon im mittelalterlichen Kloster- und Kräutergarten ihren festen Platz hatte. Die meist mehrjährige, staudenartige Pflanze hat biegsame, hellgrüne Blätter und ist unter dem botanischen Namen „melissa officinalis“ seit Jahrhunderten ein vielseitiges, anerkanntes Arzneikraut.

Am beliebtesten ist die Art der Zitronenmelisse, die – wie der Name schon sagt – angenehm nach Zitrone duftet und gern für heilende und erfrischende Tees und Salben verwendet wird. Zitronenmelisse ist leicht zu züchten und kann von jedem Hobbygärtner problemlos im Staudengarten oder im Balkonkasten herangezogen werden, sofern sie nicht der prallen Sonne ausgesetzt und regelmäßig gegossen wird. Nach der so genannten Signaturen-Lehre der mittelalterlichen Magie – vor allem durch den Schweizer Arzt Paracelsus vertreten – gehörte die Melisse dem Mond und somit dem Reich des Weiblichen an und wurde deshalb primär zur Heilung und Linderung von Frauenleiden eingesetzt: bei Unterleibs-Beschwerden, Krämpfen, unregelmäßiger Menstruation oder Wechseljahrs-Depressionen soll die Melisse Wunder gewirkt haben. Doch nicht nur als Tee zur Nervenberuhigung wird diese wandelhafte Pflanze heute noch in der modernen Medizin großflächig eingesetzt, es gab in der alten Geschichte auch eine traditionelle Verwendung als so genanntes „Schlafkraut“. Damit ist nicht nur gemeint, dass die Melisse nachgewiesenermaßen die Nervosität lindert und, ähnlich wie der Hopfen, die Nerven beruhigt und so für guten Schlaf sorgt, sondern diese Pflanze sollte zusätzlich auch schöne Träume bringen. So hieß es in einem volkstümlichen Aberglauben, dass, wer abends vor dem Schlafengehen Melissen-Tee trinkt oder Melisse im Salat isst, ausgesprochen schöne Träume haben werde, die ihn direkt ins „grüne Reich der Feen“ führen sollten….


Petersilie
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Petersilie


Die Petersilie ist ein überall in Europa heimisches Küchenkraut, das seit alter Zeit in keinem traditionellen oder modernen Küchengarten fehlen darf, denn ihre Einsatzmöglichkeiten in der Küche sind fast unbegrenzt. Dass die Petersilie jedoch auch zaubern kann – oder zumindest in diesem Ruf steht, wissen nur wenige. Das Kräutlein mit dem lateinischen Namen „petroselinum crispum“, also die „krause“ Petersilie, wurde schon in den Registern der frühen Klostergärten erwähnt. Doch auch Laien züchteten das Gewächs, dessen vielfältige Namen im ganzen deutschsprachigen Raum ahnen lassen, wie beliebt und verbreitet es war. Man benutzte es zum Würzen von Salaten und Suppen sowie zum Aromatisieren von Salz, es noch wenig Gewürze gab oder diese sehr teuer waren, und zum Verbessern von schweren und fetten Speisen, die damit bekömmlicher wurden.

Jedoch gab es auch eine bekannte – ganz und gar nicht klösterliche – Verwendung der Petersilie, die vielleicht dazu geführt hat, dass sie den Weg aus den Gärten der Kleriker hinein in den Bauerngarten geschafft hat und bis heute als Küchenkraut Nummer Eins gilt, denn das würzige Pflänzchen stand im Ruf, durch seine Inhaltsstoffe (vor allem Apiol) die menschliche Lust und Liebe zu fördern. Auf seine Bedeutung als traditionelles Aphrodisiakum (also als Mittel, welches angeblich die Libido steigert) weist noch das alte Kinderlied hin, welches da reimt: „Petersil´ und Suppenkraut wächst in unserm Garten, unsere Liese ist die Braut, will nicht länger warten“ – die neckische Assoziation dieses Reims war natürlich, dass die liebe Liese, wenn sie ihrem Bräutigam stark mit Petersilie gewürzte Speisen auftischte, vermutlich tatsächlich nicht mehr lange warten musste. Abgesehen von dieser lustfördernden Wirkung schätzte man die Petersilie auch als Kosmetikum, denn sie stand im Ruf, die Reinheit und Klarheit der Haut zu verschönern. In Goethes „Faust“ gibt der Teufel Mephisto einer sehr schönen, aber durch Sommersprossen entstellten Blondine den Rat, eine Mixtur aus gehackter Petersilie auf ihren Teint aufzutragen, damit die dunklen Flecken auf der Haut bald verschwinden. Und auch, damit der Geliebte wieder galant wird, wenn er nächstes Mal ein Petersiliensüppchen bekommt…


Pfefferminze
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Pfefferminze


„Es gibt so viele Arten der Minze, dass man sie nicht mehr zählen kann“, hat schon der antike römische Pflanzenkenner Plinius in seiner „Historia naturalis“ (Naturgeschichte) gesagt. Es ist wahr, dass die zur Gattung der Minzen (Lateinisch menthae) gehörenden Pflanzen in ganz Europa und Vorderasien vorkommen und sehr zahlreich sind, was daher kommt, dass einzelne Sorten gern mutieren und neue Sorten und Kreuzungen bilden. Allen Minzen gemeinsam ist der aromatische Duft und Geschmack, der von den Blättern ausgeht und dafür gesorgt hat, dass diese unscheinbare Pflanze in vielen Kulturen schnell als Duft- und Heilkraut berühmt wurde. Hierbei treffen sich nebenbei geografisch durchaus Ost und West sowie Nord und Süd: Minze-Spezies sind rund um die Welt, sowohl im fernen Asien, als auch hier in Europa, und in Nordamerika bekannt.

Die weithin bekannteste Minze ist hierzulande die Pfefferminze (Lateinisch mentha piperata), nicht weil sie tatsächlich nach Pfeffer schmecken würde, sondern weil man im Mittelalter „Pfeffer“ als Oberbegriff für jedes aromatische Gewürz sagte (einen Nachklang haben wir noch im altertümlichen Wort „Pfefferkuchen“, was „Gewürzkuchen“ heißt). Die Pfefferminze ist nicht nur eins „der“ Teekräuter und gehört zu den beliebtesten Herbal-Tees weltweit, sondern hat auch in Form des ätherischen Öls eine nachgewiesene Wirkung auf die Konzentration, sowie gegen Erkältungskrankheiten. Bei Kopfschmerzen oder einem beginnenden Schnupfen kann man ein paar Tropfen ätherisches Pfefferminz-Öl in der Duftlampe verströmen lassen und die wohltuende Wirkung auf den Organismus genießen. Zaubern können sollte die wunderbare Minze auch, denn sie brachte angeblich Geld und Zuwachs in den Geschäften. Wer sich also mehr finanziellen Spielraum wünschte, sollte Pfefferminze im Garten pflanzen, liebevoll hegen und pflegen – vom Zustand der Pflanze sollte man auf seine zukünftigen Finanzen schließen können…


Quendel (wilder Thymian)
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Quendel (wilder Thymian)


Der Quendel oder Quandel, wie er auch genannt wird, ist eine interessante alte Pflanze, die heute etwas in Vergessenheit geraten ist, aber immer noch in guten Kräuterhandlungen und natürlich in alten Bauerngärten gefunden werden kann. Das kriechende Gewächs mit den kleinen harten duftenden, stellenweise auch im Winter grünen Blättchen gehört zur selben botanischen Familie wie der Thymian und wird auch „wilder Thymian“ genannt, oder auf Latein „thymus serpyllum“, was auf den schlangenförmig kriechenden Wuchshabitus hinweist. Der Quendel ist als herbes, aromatisch duftendes Tee- und Gewürzkraut mit breiter Anwendungsmöglichkeit überaus beliebt in der volkstümlichen Naturheilkunde.

Als Tee getrunken, soll der Thymian die bekannten prä-menstruellen Stimmungsschwankungen (PMS), Oberbauchschmerzen und Menstruationsschmerzen bei Frauen lindern. Auch gilt die alte Sage, dass der wilde Thymian Alkoholikern hilft, von ihrem Laster abzukommen. Hierzu sollen Thymian- und Bohnenkrautstängel zu gleichen Teilen gemischt, getrocknet und zerrieben werden und mit heißem Wasser als Tee aufgegossen. Wenn man diesen Tee mehrere Tage lang nacheinander trinkt – entweder neun oder zwölf Tage lang – und dabei verspricht, dem Dämon Alkohol abzuschwören, soll man endlich nüchtern werden und genesen. Natürlich ist es bei dieser Art von Kur nötig, die erforderliche psychologische Konzentration und Willenskraft aufzubringen. Außer dieser legendären frühen Form einer Sucht-Therapie hatte der wilde Thymian noch eine weitere, sehr angenehme magische Begleiterscheinung, er sollte nämlich das Geschäft und den Geldeingang verbessern. Dazu schwang man einen Stängel über dem Kopf und sagte angeblich den Satz: „Quandel mach mir Handel“, und sofort sollten sich die Auftragslagen steigern.


Rosmarin
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Rosmarin


Der Rosmarin – Lateinisch rosmarinus officinalis – gehört, wie auch der Lavendel, zu den so genannten mediterranen Halbsträuchern, die im gesamten Mittelmeerraum vorkommen. Der in südlichen Ländern winterharte, immergrüne halbhohe Strauch hat hellblaue oder weiße Blüten und harzige kleine Nadeln, die einen aromatischen Geruch ausströmen. Als Gewürz verwendet man nur die nadelartigen Blätter. Rosmarin gilt seit der Antike als Küchenkraut, welches besonders gern in herzhaften Dips und Saucen, Grilladen-Würzmischungen und als herzhafte Beigabe zu Lamm- und Rindfleisch verwendet wird. Manchmal wirft man Rosmarin-Zweige auch direkt ins Grillfeuer, um Fleisch indirekt, aber wirkungsvoll zu aromatisieren.

Jedoch hat das Rosmarin-Kraut neben kulinarischen Eigenschaften auch eine zusätzliche magische Wirkung; es soll nämlich Liebe herbeizaubern, sowie auch die Potenz stärken. Denn der Rosmarin gilt auch als ein so genanntes Aphrodisiakum, also ein zur Liebe anregendes pflanzliches Mittel, welches Speisen beigegeben werden kann. In der modernen Naturheilkunde schätzt man Rosmarin noch wegen einer anderen Wirkung: er gilt als „Wachmacher“ fürs Gehirn. Wer eine schwierige Prüfung vor sich hat und sich konzentrieren muss, kann naturreines Rosmarin-Öl (gibt es in der Apotheke) in einer Duftlampe verduften lassen. Der scharf-würzige ätherische Duft des Rosmarins und seine besonderen Inhaltsstoffe sind sehr gut geeignet, um die menschliche Konzentration zu fördern. Das wussten schon die alten Griechen – deshalb trugen die Philosophen manchmal Kränze aus Rosmarin um ihr Haupt, um besser denken zu können…


Rose
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Rose


Die Rose gilt sprichwörtlich als Königin der Blumen und wird seit der Antike in vielen Dichtungen besungen – doch sie ist nicht nur seit Jahrtausenden ein Liebesbeweis, sondern auch eine Zauberpflanze. Die Rose (Lateinisch rosa) ist eine mehrjährige mit Stacheln besetzte Pflanze, deren duftende Blüten einfach – in der Wildform – oder gefüllt – in der Kulturform – vorkommen. Die Rose kommt in vielen Farben vor wie weiß, gelb und rosa, doch die dunkelrote Rose gilt seit Urzeiten als bevorzugtes Symbol der Liebe, aber auch der Religion und Spiritualität: im Christentum sollte die Rose die Jungfrau Maria symbolisieren, und die Fensterrose in gotischen Kathedralen erinnert daran, dass alles Leben aus Christus stammt und in Christus eingehen soll. Doch es gab neben der Frömmigkeit auch einen direkten Bezug zur menschlichen Sexualität und Fruchtbarkeit – der „Rosengarten“ repräsentierte in der symbolischen Dichtung des Mittelalters die körperliche Liebe, mitunter wurde sogar auch ein professionelles Badehaus in poetischer Weise als „Rosengarten“ oder „Rosenhof“ bezeichnet, weil sich dort beide Geschlechter zum gemeinsamen Bad und zu allerlei feucht-fröhlichen Vergnügen tummelten.

In der volkstümlichen Magie hat die Rose natürlich seit der Antike einen zentralen Platz inne: als Liebesandenken wird die frische oder auch getrocknete Blume verwendet, als „Fascinator“ – nämlich als unwiderstehliches Lockmittel – wurde das so genannte Rosenwasser verwendet, welches nach dem Bad aufgetragen wurde und die Haut so aromatisch parfümierte, dass angeblich kein Verehrer widerstehen konnte. Der berühmte Herzensbrecher Giacomo Casanova verrät in seinen biografischen Reise-Anekdoten den Trick, dass er seine Geliebten – und die Bettwäsche – mit Rosenwasser besprenkelte, um die Sinnlichkeit zu steigern. Das Fluidum der Liebe, welches die Rose angeblich aussenden soll, macht sie auch direkt zum Bestandteil vieler magischer Rezepte und Rituale, die uns seit der Antike überliefert sind. Da gibt es Liebestränke mit Rosenblättern und Vanille als Zutaten, Liebesrituale mit roten Rosen… die Vielfalt ist schier unüberschaubar. So vielfältig, wie die Blätter der Rose.


Rizinus
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Rizinus


Der Rizinus war früher den Kindern ein Graus, denn es war ihnen in Form des unangenehm riechenden und schmeckenden Rizinus-Öls bekannt, das man ihnen bis ins 20. Jahrhundert gern zur Stärkung des Immunsystems und der Abwehrkräfte verabreicht hat, oder wenn der Appetit nachließ. Der lateinische Name dieser Pflanze lautet „ricinus communis“, und sie kann in pharmazeutischer Hinsicht tatsächlich viel mehr, als uns nur die nächste Erkältung zu ersparen oder uns stärker zu machen. Das gelbliche, bitter-tranig riechende Öl der Samen vermag es – medizinisch nachgewiesen – den Körper zu reinigen und hat eine natürlich abführende Wirkung. Bei dem Rizinus selbst handelt es sich um ein etwas bizarr aussehendes, exotisch anmutendes Gewächs, das dunkle hoch aufragende Blätter hat und zuweilen auch zartgelblich blüht. Er wird auch als „Christuspalme“ oder „Wunderbaum“ bezeichnet, so beeindruckt waren nämlich unsere Vorfahren von dem ungewöhnlichen Aussehen dieser Pflanze, deren Samen früher überaus kostbar waren und die daher ein Statussymbol darstellte, wenn man sie zuhause züchten konnte. Heute findet man Rizinus freilich häufig in öffentlichen Parkanlagen, weil er nur wenig Pflege erfordert und die dunklen hohen Blätter einen reizvollen Kontrast zu den Blumenrabatten abgeben.

In der Magie ist der Rizinus seit alter Zeit sehr beliebt, denn er gilt als probater Schutz gegen Hexenspuk und Verwünschungen, ja sogar gegen den Teufel. Der Teufel soll nämlich, der Legende nach, nicht in ein Haus eintreten können, in dem ein Rizinusbaum steht oder in dessen Garten ein solcher wächst. Man gebrauchte Rizinusblätter daher sogar bei so genannten Exorzismen (Teufelsaustreibungen). Diese Verwendung ist freilich sehr unheimlich – es spricht aber nichts dagegen, sich die wundersame und erstaunlich anspruchslose Pflanze einfach zur Zierde in den Garten zu holen…


Salbei
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Salbei


Rauchen erlaubt! Zumindest, wenn es ein Räuchern mit diesem Kraut ist. Der Salbei ist ein holziges Gewürzkraut, das von Mitteleuropa bis in den südlichen Mittelmeerraum vorkommt und oft als Küchen- und Gewürzkraut, aber auch als Heilkraut genutzt wird. Sein botanischer Name lautet „salvia officinalis“. Es ist eine winterfeste, ausdauernde Staude mit silbrig-grauen Blättern, die mit feinen Härchen behaart sind und beim Zerreiben einen starken ätherischen Duft verströmen. Der Salbei wird in der Küche oft zum Würzen von herzhaften Speisen und Grilladen genutzt oder in der italienischen Küche, um Pasta zu aromatisieren und Olivenöl zu verfeinern. Jedoch hat auch die alternative Heilkunde des heilenden Wert des Salbeis erkannt und nutzt ihn gern zum Gurgeln bei Husten, Heiserkeit und sonstigen Halsproblemen, sowie auch in der beliebten Form von Salbeibonbons (die man auch selbst herstellen kann), um das Atmen und Schlucken bei einer akuten Hals-Entzündung wieder zu erleichtern.

Eine ganz besondere Rolle spielt der Salbei allerdings in der Magie, denn getrockneter Salbei wird gern verbrannt und als so genanntes Räucherkraut verwendet. Man sagt dem Salbei nach, dass er zum Ausräuchern von Räumen mit negativer Energie geradezu ideal ist. Hexen benutzen Salbei, um eine Wohnung auszuräuchern und somit Streit und Spannungen, die vielleicht noch in der Luft liegen, auf magische Art und Weise zu bereinigen. Moderne Feng-Shui-Experten tun Ähnliches, wenn sie Räucherkräuter nutzen, um die Harmonie wiederherzustellen. Stets sagt man hierbei dem Salbei eine stark energetisch klärende, heilende und reinigende Wirkung nach, die für den Menschen und sein Umfeld positiv sein soll. Manche Wahrsager nutzen den Salbei auch, um die Technik des so genannten „Rauchlesens“ zu praktizieren und aus dem aufsteigenden Rauch die nächste Zukunft zu deuten. Oft wird hierbei aber nicht der einheimische Salbei genutzt, sondern die in Nordamerika vorkommende Variante des „weißen Salbeis“ oder Indianersalbeis.


Süßholz
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Süßholz


Unter „Süßholz“ versteht man eine einzigartige Pflanzengattung der so genannten Süßhölzer (Griechisch glycorrhyza), die mehrjährige Stauden oder Kleinsträucher sind und überall auf der Welt in verschiedenen Varianten in im Mittelmeerraum, Nordafrika, Asien und Amerika vorkommen. Von den Süßhölzern wird gewöhnlich nur die Wurzel verwendet, die einen feinen, zuckerartigen Geschmack hat und der Pflanze daher den Namen gab. In der volkstümlichen Magie war Süßholz schon immer überaus beliebt und kommt in vielen Ritualen vor – aus Gründen, die sich uns nicht unmittelbar erschließen. Der ägyptische Kinder-Pharao Tut-Ench-Amun hatte unter seinen Grabbeigaben eine Süßholzwurzel – ein erstaunlicher Umstand, der die Beliebtheit und Kostbarkeit dieser Pflanze schon im Altertum beweist. Im europäischen Mittelalter pflegte man Süßholz für allerlei Behexungs- und Liebeszauber zu benutzen – Nicolas Culpeper hatte sogar eine Mixtur aus Süßholzwurzel und Quellwasser erstellt, die den Geliebten angeblich unrettbar behexen sollte. Es wurde auch gemunkelt, dass diese Wurzel, ähnlich wie die Sarsaparill-Wurzel aus Nordamerika, am Gürtel getragen, den Träger oder die Trägerin ewig jung machen sollte, im Körper wie im Geiste (also ein Anti-Aging-Mittel). Auch existierten zahlreiche geheime Rezepte zum Thema „Süßholzwurzel und ihre okkulte Verwendung in magischen Bräuchen und Tinkturen“. Eine beliebte Verwendung der Süßholzwurzel war und ist bis heute die Herstellung von Lakritze, die maßgeblich auf diesem Bestandteil beruht.


Vanille
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Vanille


Die Versüßung des Lebens oder auch, anders gesagt, eine Verführung in Pflanzengestalt. In einem Lexikon der heilkundigen und magischen Pflanzen darf die Vanille keinesfalls fehlen, denn sie ist eine sehr traditionsreiche und kostbare Gewürzpflanze aus der Neuen Welt, die zu ihren Hoch-Zeiten sogar mit Gold aufgewogen wurde. Vanille ist die kleine, bräunlich-schwarze Schote einer Orchideen-Art: ihr botanischer Name (vanilla planifolia) stammt aus dem Spanischen und bedeutet eigentlich übersetzt „kleine Vagina“ (vainilla). Dieser ungewöhnliche Name stammt daher, dass den Orchideen als recht suggestiv aussehenden Blumen allgemein stets eine unmittelbare Symbolisierung der menschlichen Fruchtbarkeit nachgesagt wurde, und weil man der Vanille zusätzlich zutraute, besonders auf Frauen stark aphrodisisch zu wirken, also die Lust zu fördern und die Sinne anzuregen. Um das sicher zu bewerkstelligen, gab es im alten Mexiko viele Rezepte; zum einen wurde die traditionelle Schokolade der Mayas und Azteken oft kräftig mit Vanille gewürzt.

Bei dieser Trinkschokolade sollte man sich jedoch keinen süßen Kakao vorstellen, so wie man ihn heute in jedem Café kaufen kann, sondern eine wässrige Mischung aus grob zerstoßenen Kakaobohnen, ursprünglich sogar Pfeffer und Chili als Gewürz, später etwas Vanille – und kein Zucker. Dass dieses für uns eher unvertraute Gebräu tatsächlich zur Liebe angeregt haben soll, bestätigen viele Legenden und Traditionen aus dem sagenhaften alten Reich der Mayas und Azteken. Allerdings ging es auch einfacher: manche Mexikanerinnen aßen einfach eine ganze Vanilleschote und strömten danach tagelang den süßen Duft der Pflanze über die Poren ihrer Haut aus. Auch ein triftiger Grund, weshalb die Kosmetikindustrie heute die Vanille wiederentdeckt hat, ist eben diese verführerische Süße ihres Dufts, der sich hervorragend in Cremes, Duftwässerchen und Lotionen macht… und vielleicht sogar eine magische Anziehungskraft entfaltet.


Weinraute
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Weinraute


Die Raute oder Weinraute ist eine alte Zauberpflanze, die überall in Nord- und Mitteleuropa vorkommt und früher in den Bauern- und Klostergärten sehr geschätzt wurde. Ihr lateinischer Name ist „ruta graveolens“, was übersetzt so viel bedeutet wie „die stark duftende Raute“, denn das winterharte Kraut mit den silbrigen Blättchen verströmt einen intensiv aromatischen, herb-bitteren Geruch. Wegen dieses Geruchs, der auch Insekten vertreibt, hat man die Weinraute früher als Repellent benutzt. Man nannte die Pflanze übrigens „Weinraute“, weil man schon seit der Antike Wein mit diesem bitteren Gewürzkraut aromatisiert hat. Man sagte dieser Würzung mit Weinraute auch aphrodisische, also Lust fördernde, Wirkung nach; dies ist jedoch wahrlich eine Geschmackssache, denn nicht jeder mag den herben Geschmack des aromatisierten Weines.

Neben der Bedeutung als Weinwürze war die Raute in allerlei magischen Bräuchen beliebt, vor allem in Nordeuropa und im heutigen Baltikum (Litauen, Lettland, Estland). Man benutzte die Weinraute seit dem Mittelalter vor allem in Liebeszaubern, wo sie eine magische Verbindung zum Liebsten oder zur Liebsten herstellen und ihn oder sie an uns denken lassen sollte. Es gibt viele alte Zaubersprüche, die sich auf die Raute und ihre angebliche Fähigkeit, Liebende zusammenzuführen, beziehen. Aufgrund des bitteren, streng-aromatischen Geruchs und Geschmacks der Raute benutzte man sie, wie andere Aroma-Kräuter, auch gern in bann- und fluch-lösenden Praktiken. Pflanzenstängel wurden gern zum Schutz und zur Abwehr hinter Fensterrahmen gesteckt oder unter Türschwellen vergraben, damit kein negativer Einfluss oder kein Mensch mit bösen Absichten die Schwelle überschreiten dürfe. Es gab auch den alten Brauch, ein Stück Weinraute in einem Amulett oder silbernen Medaillon bei sich zu tragen, um unterwegs immer geschützt zu sein.


Weiße Lilienwurzel
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Weiße Lilienwurzel


Schönheit aus Pflanzen oder Die ewige Jugend!

Die beliebte weiße Lilienwurzel heißt auf Latein „lilium candidum“ und gilt in der Magie als Schönheitsmittel – sie war praktisch die erste bekannte Anti-Aging-Kur. Die aus einer winterharten Knolle wachsende, zu den Zwiebelgewächsen gehörende weiße Lilie blüht im Hochsommer in strahlend hellen Blumenkronen. Sie ist zwar eine schöne Gartendekoration, aber in allen Pflanzenteilen leicht giftig, weshalb von ihrem Verzehr abzuraten ist. Diese Warnung mag uns exotisch erscheinen, ist jedoch angebracht, wenn man bedenkt, dass im Orient gebratene Lilienknollen in kleinen Mengen zuweilen als Beilage serviert werden. Die weitaus wichtigere Bedeutung der weißen Lilie ist jedoch die als Kosmetikum. Der Saft der weißen Lilienwurzel wurde schon in alter Zeit mit Doran-Extrakt vermengt und zu einem probaten Schönheitsmittel verarbeitet, welches die Jugendlichkeit der Frauen erhalten sollte – es wirkte angeblich als dermatologischer Jungbrunnen, wenn man einem alten französischen Hausbuch zur Herstellung von Schönheitsmitteln da glauben soll. Ferner waren auch viele mystische und magische Bedeutungen der weißen Lilienwurzel bekannt, denn man verarbeitete die weiße Lilienwurzel in allerlei Zaubertränken und Liebeszaubern. So gab es die Legende, dass der, der eine weiße Lilienknolle bei Vollmond im Stier oder in der Waage erntet und mit bestimmten Zauberformeln bespricht, ganz sicher die Gunst einer Frau erwerben würde.

Die Lilie, ähnlich wie die Rose, hatte jedoch neben der Welt der Magie auch eine kultisch-religiöse Bedeutung, denn sie gehörte traditionell zu den Blumen, die im christlichen Kontext mit der Jungfrau Maria in Verbindung gebracht wurden, denn die Lilie repräsentierte die jungfräuliche Reinheit und die Ehre der Person. Maria selbst oder bereits die sprichwörtliche Geliebte im Hohen Lied im Alten Testament wurde als „lilium inter spines“, also als Lilie unter den Dornen, besungen, weil man die Lilie als Repräsentantin einer hervorragenden Frau ansah. In der Kunst der Cartomancie (im Kartenlegen) gibt es ferner, genau in dieser alten ikonographischen Tradition stehend, die Karte „Die Lilie“ im so genannten Lenormand-Deck, die auch Reinheit, Ehre, Fruchtbarkeit und Familiensachen symbolisiert. Außerdem war die weiße Lilie das hoch geschätzte Zeichen der französischen Könige (als „fleur de lys“) und Element im Wappen weißer Magier, die ihre Magie mit Integrität betrieben, zum Nutzen Vieler und ohne jemandem schaden zu wollen.


Ysop
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Ysop


Der Ysop oder Hyssop (Lateinisch hyssoppus officinalis) ist ein sehr interessantes Kraut, weil er in Deutschland, Österreich und der Schweiz heute kaum noch bekannt ist, aber zu den ältesten in der Literatur erwähnten Kräutern überhaupt gehört. Gelegentlich findet man ihn noch oder wieder in alten lothringischen Bauerngärten oder neuentdeckt in Schaugärten für traditionellen Kräuteranbau. Wir finden die erste Erwähnung des Ysop schon in der Bibel, im Alten Testament, wo Ysop namentlich genannt wird, weil er zu den wunderbar magischen Räucherkräutern der alten Israeliten gehörte. Ysop ist auch eines der traditionellen heiligen Bitterkräuter im Judentum und wird daher alljährlich am Pessach-Fest genossen.

Dem graugrünen, mehrjährigen Kraut Ysop mit den hellblauen oder violetten Blüten ist ein herb-bitterer Geschmack zu Eigen, der sehr aromatisch würzt und daher nur etwas für Kenner oder Liebhaber etwas bitterer Geschmacksrichtungen ist. Ysop wird heute in Gärtnereien und für die Gastronomie kultiviert und findet vor allem in der Fleischküche und am Grill Verwendung – die auch Heisop, Essigkraut oder Weinesche genannte Pflanze gehört zu den traditionellen Begleitkräutern für Lamm und Hammelfleisch. In der volkstümlichen Magie sollte Ysop, wie alle bitteren Kräuter, die sprichwörtliche Bitterkeit aus dem Leben ziehen und den Haushalt gelingen lassen – Ysop im Haus sollte Armut und Feinde fern halten.


Zimt
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Zimt


Unter „Zimt“ (veraltet „Zimmet“, botanisch cinnamum) versteht man die getrocknete und meist in Röllchen geformte braune Rinde des so genannten Zimtbaums, der auf Sri Lanka, in China und in manchen westindischen Gebieten heimisch ist. Zimt ist in Europa seit der Zeit der Seefahrer und Entdecker bekannt und wurde, alten Chroniken zufolge, schon im 16. Jahrhundert auf unseren Märkten gehandelt, weil sein feiner Geschmack auch dem europäischen Gaumen überaus gut schmeckte. So verwundert es nicht, dass Zimtstangen oder gemahlener oder geriebener Zimt schon in den Gewürzschränken unserer Urgroßeltern vorhanden waren, und das durchaus nicht nur, um das klassische Lieblingsgericht der Kinder zu würzen – Milchreis mit Zucker und Zimt. Zimt hat einen fein würzigen, nicht nur süßen Geschmack und kann, neben seiner beliebten Verwendung in Desserts, in kleiner Dosis auch raffinierten Fleischgerichten zugegeben werden, wo er angeblich aphrodisische Wirkung hat.

Auch schmeckt Zimt ganz hervorragend in jedem Tee, wo er die Eigenschaft hat, den Trank nicht nur bekömmlicher zu machen, sondern auch das Immunsystem zu stärken (Tipp für die kalte Jahreszeit!). Die Heilkundigen der Renaissance empfahlen bereits, gemahlenen Zimt auf den Handrücken zu geben und abzulecken, um einer beginnenden Erkältung vorzubeugen – denn das Pulver galt schon damals als stärkend und wohltuend für den Körper. Auch konnte man einem alten Rezept zufolge Zimtpulver in Socken streuen und sie über Nacht tragen, wenn man sich schlaff oder krank fühlte, was tatsächlich eine leichte heilende oder lindernde Wirkung hatte, denn der Zimt – über die Poren der Füße aufgenommen – belebte den Kreislauf und förderte den Stoffwechsel. Die alten chinesischen Ärzte nutzten Zimt schon vor Jahrtausenden bei jeder Behandlung als ein Allgemein-Tonikum für den ganzen Organismus.