Ayurveda – Ganzheitliche Gesundheit
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Ayurveda – Ganzheitliche Gesundheit für Körper, Seele und Geist

Ayurveda ist ein aus Indien stammendes Heilsystem, das den ganzen menschlichen Organismus umfasst und immer mehr Anhänger auch in Europa und den USA findet als Alternative zur Schulmedizin und zu einer zu mechanistisch-pragmatischen Auffassung vom Menschen. Doch es ist für schwierig, sich im Dschungel der ayurvedischen Fachbegriffe zurechtzufinden: was ist eigentlich ein „Dosha“, was bedeutet „Panchakarma“, weshalb argumentiert der Ayurveda1 mit ganz anderen Begriffen? Es gibt nicht nur sprachliche Unterschiede, sondern auch weltanschauliche Perspektiven, die es zu vereinen gilt, bevor man tiefer in dieses Heilwissen eintauchen kann. Aus der mystischen Vergangenheit der hinduistischen Religion und der vedischen Philosophie schöpft das uralte Heilwissen um den Menschen als Ganzheit und breitet sich in spirituelle Zweige wie Yoga und Meditation aus: Ayurveda ist kein konsumierbares Produkt, sondern praktische Weisheit im Lebenszusammenhang.

Für alle, die mehr erfahren wollen über die Zusammenhänge von Körper, Seele und Geist laut der antiken und wieder modernen Weisheitspraktik Ayurveda und deren Anwendung im Alltag, ist das folgende kurze Buch gedacht. Dieses Werk gibt eine erste klare Orientierung über die faszinierende Welt einer Heilkunde, die den Weg von Indien in die westliche Welt gefunden hat und auch hierzulande immer beliebter ist. Am Anfang steht Selbsterkenntnis: Welches Dosha, also welcher Konstitutionstyp, sind Sie? Was ist Ihre typgerechte Ernährung und Lebensweise, die Ihre Gesundheit unterstützt? Finden Sie es heraus in diesem Leitfaden über die spezifisch ayurvedische Kunst, den Menschen als Gesamtkunstwerk zu betrachten und die ärztliche Kunst als eine aus der Erfahrung schöpfende Hilfswissenschaft an diesem faszinierenden Gesamt.
1 Zum Begriff: „ayurveda“ wird im Deutschen mit dem maskulinen Genus bezeichnet, „der“ Ayurveda. Es gibt auch Varianten, die „das“ Ayurveda benennen wollen. Sprachgeschichtlich korrekt wäre ein weibliches Genus, da der Begriff „veda“, Wissen, im Sanskrit weiblich ist und grammatikalisch folglich als eine „sie“ gesehen wird. Wir verwenden hier jedoch die im Deutschen gebräuchliche männliche Artikelzuordnung zum Ayurveda.
Was bedeutet „Ayurveda“?
Kaum ein Begriff wird gegenwärtig in den Medien gern so schillernd besetzt – und so unterschiedlich interpretiert – wie der Begriff Ayurveda, für den es offenbar ganz unterschiedliche Ausdeutungen gibt. Wir hören von Hollywood-Stars wie Madonna oder Gwyneth Paltrow, dass sie sich für die uralte Weisheit aus dem fernen Indien interessieren – und charismatische indische Ärzte wie Dr. Deepak Chopra oder Dr. Vinod Verma schreiben stark beachtete Bücher über die Heilkunde Ayurveda und schaffen youtube-Videos mit Millionen Aufrufen, in denen sie als Vermittlungsagenten zwischen Ost und West fungieren. Doch was verbirgt sich wirklich hinter diesem bunten Begriffs-Chamäleon des Ayurveda? Ist es eine komplizierte indische Weisheitslehre? Ein besonderes Diät-Konzept? Yoga und Meditation?

Betrachtet man die zahlreichen Produkte, mit denen der Markt heute gleichsam überschwemmt wird und die das werbewirksame Etikett „Ayurveda“ tragen, obwohl sie völlig unterschiedlich sind und die verschiedenartigsten Wirkungen zeitigen sollen, kommt man doch ins Grübeln über das, was dahinter stehen soll. Bedeutet Ayurveda nun, Abnehmen leicht gemacht, wie es die Konsumartikel versprechen? Ist es ein Name für exklusive Kosmetik? Eine neue Wellness-Praktik? Ein Trend aus Hollywood? Bei der Anzahl der Lehrer, die sich plötzlich auftun, Ayurveda zu vermitteln, stellt sich manchmal auch die Frage, handelt es sich hier um Gurus und Esoterik? Selbstfindung und Philosophie? Die Wahrheit ist, dass hinter der marktgerechten Fassade des Trends Ayurveda eine ganz faszinierende Welt steht, die viel tiefer in die Geschichte der Kultur zurückgeht als es heutige Werbe-Slogans versprechen, und die es zu entdecken gibt. Seien Sie offen für spannende Einblicke in eine umfassende Sinn-Lehre aus dem Geist ganzheitlicher Heilkunde, die wahrhaft Orientierung für den Umgang mit dem eigenen Körper und Charakter sein kann, denn …es ist mehr als ein Mode-Begriff.

Ursprünge und Philosophie des Ayurveda
Der Name „ayurveda“ bedeutet (übersetzt aus dem Sanskrit, der altindischen Gelehrten- und Brahmanen-Sprache) „Wissen vom Leben“ und bezeichnet damit eine breitgefächerte Sammlung von Erfahrungstatsachen, Ergebnissen antiker medizinischer Forschung und psychologischer Kenntnisse über den Menschen und seine Stellung im Kosmos. Die ayurvedische Lehre stammt aus dem antiken Indien und ist zutiefst in der traditionellen indischen Religion, dem Hinduismus, und der spekulativen metaphysischen Philosophie verwurzelt, wie wir sie in den alten indischen Weisheitstexten namens Veden und Upanischaden finden. In den Veden finden wir Bezüge zur Astronomie – so wussten die alten Inder zum Beispiel schon vor sechstausend Jahren, dass sich das Universum dynamisch ausdehnt. In den Upanischaden (Begleittexten zu den Veden) findet sich viel Spekulation über das Verhältnis von Mensch und Kosmos, zwischen Einzelseele – Sanskit „atman“ – und Weltseele – Sanskrit „brahman“. Eine Spezialart der Upanischaden, das Advaita-Vedanta, beschäftigt sich genau mit diesem Thema, der Verbindung von Einzelseele „atman“ und Weltseele „brahman“ und durch welche Praktiken dies geschehen soll. Da die Upanischaden jedoch über den Zeitraum von mehreren Jahrhunderten entstanden sind, gibt es viele inhaltliche Differenzen und verschiedenartige Auffassungen über das, was der Harmonie von Einzelnem und Weltganzem dienen soll. Die übereinstimmende Erkenntnis der Upanischaden lautet jedoch, dass sich der Einzelne dem Weltganzen öffnen und seinen Körper als Teil des Ganzen begreifen soll, um gesund und glücklich leben zu können und somit das Beste aus seinem irdischen Dasein zu machen. Aus dieser grundlegenden, philosophischen Erkenntnis heraus entstand auch das Heilwissen Ayurveda. Diese Praxis versteht sich also nicht reduziert als bloße Wellness-Praktik oder als ein verständlicher Gesundheitsleitfaden zur Anti-Aging-Praxis, wie man es manchmal verkürzt in den westlichen Medien dargestellt wird, sondern als eine umfassende spirituelle Lebenslehre, zu der unbedingt auch die Einbeziehung von seelischen und geistigen Aspekten gehört.

Das Ayurveda versteht den ganzen menschlichen Organismus als eine Wiederspiegelung der kosmischen Ordnung und des Gleichgewichts der Kräfte, als Mikrokosmos im Makrokosmos. Krankheiten bedeuten demzufolge eine Störung dieser Ordnung, wobei das Gleichgewicht der Kräfte im menschlichen Organismus im Ayurveda durch die drei Grundprinzipien ausgedrückt wird: Kapha, Pitta und Vata.


Die drei Doshas: Vata, Pitta und Kapha
Gesundheit bedeutet im Ayurveda generell mehr als die Abwesenheit von Krankheit – ein gesunder Mensch sei wach und intelligent, aufnahmebereit und in der Lage, anpassungsfähig auf seine Umwelt und dennoch grenzsetzend zu agieren. Ein gesunder Organismus ist in den ayurvedischen Schriften im Allgemeinen eine Wiederspiegelung der kosmischen Ordnung und der Gesunde gleichsam die irdische Entsprechung kosmischer Gesetzmäßigkeiten, die sich im Körper manifestieren. Wenn der Einzelne, „atman“, in Übereinstimmung mit dem Kosmos, „brahman“, lebe, glaubt Ayurveda, könne die perfekte Harmonie und somit auf physisch-psychischer Ebene die Gesundheit dauerhaft erzielt werden. Der Körper diene dabei als Fahrzeug zur Seligkeit, wie beim Yoga, und er stelle durch sein Gleichgewicht von Gliedern, Organen und Körpersäften einen Spiegel des Universums mit seinen einzelnen Elementen dar, das in Harmonie gehalten werden muss. Genauer betrachtet, sei jeder einzelne Mensch laut Ayurveda nicht nur ein Spiegel des Universums, sondern er gehöre auch einem bestimmten Körper- und Charaktertyp an, der durch seine individuelle Teilhabe am kosmischen Ganzen bestimmt sei.

In dieser Hinsicht ähnelt die ayurvedische Lehre der Auffassung des antiken Mediziners Claudius Galen (130-210 n.Chr.) und seiner Vier-Säfte-Lehre, welche die Körpersäfte gelbe Galle, schwarze Galle, Schleim und Blut respektive die analogen Charaktere cholerisch, melancholisch, phlegmatisch und sanguinisch unterscheidet. Er glaubte zum Beispiel, der Choleriker habe ein Übermaß an gelber Galle und sei deshalb ständig gereizt und aggressiv, während der Melancholiker ein Übermaß an schwarzer Galle habe und deshalb stets niedergeschlagen und depressiv sei. Der Phlegmatiker habe nach Galen ein Übermaß an Schleim und sei deshalb unaufgeregt und passiv, während der Sanguiniker vom Blut her bestimmt werde und fröhlich, heiter und wechselhaft sei. Diese Vier-Säfte-Lehre nach Claudius Galen war sozusagen das europäische Echo auf die weitaus ausgereiftere Balance-Lehre im Ayurveda, wo auch körperliche Stoffe in Verbindung mit Charakter und Temperament gebracht werden.

Die Balance des menschlichen Organismus im Besonderen ist im Ayurveda der gelungene Ausgleich dreier Doshas in ihrem Verhältnis zueinander. Der Begriff „Dosha“ bedeutet im Sanskrit „Fehler“, und das will darauf hindeuten, dass wir alle fehlerhaft sind – Sinn des Ayurveda ist es nicht, die eigenen Fehler auszumerzen, sondern sie zu erkennen, damit gelassen leben zu lernen und sie zu integrieren. Hier sehen wir auch die versteckte humanistische Psychologie der alten ayurvedischen Weisen, die von der weltklugen Einsicht ausgingen „nobody is perfect“, und die statt zum Perfektionismus dazu geraten haben, sich mit den eigenen Schwächen anzufreunden, und zwar nicht, um sie zu verdrängen, sondern um zu akzeptieren, dass sie ein Teil unseres Lebens sind, und um eben solcherart zu einem integren Menschen zu werden, der sich nicht verstellt. Jeder Mensch hat nach der ayurvedischen Lehre ein vorherrschendes Dosha – manchmal existiert auch eine Kombination aus zwei Doshas, die zusammen seinen Körpertypus und seinen Charakter bestimmen.

Es gibt drei unterschiedliche Persönlichkeitstypen im Ayurveda, die hinsichtlich ihres individuellen Charakters und auch physiognomisch (das heißt, im Körperbau) unterschieden werden:

Vata-Typ, Pitta-Typ und Kapha-Typ.

Eine „typgerechte“ Ernährung, die das vorherrschende Dosha in Balance bringt und hält, ist im Ayurveda die Voraussetzung für den Erhalt der Gesundheit. Zum Ayurveda gehören jedoch, neben der Ernährung, auch viele meditative Elemente und Yoga, Atemübungen, typgerechte Sportarten, Kosmetik, Ölbehandlungen wie Stirnguss und Frühjahrs-Reinigungskuren wie Panchakarma, Massagen, sowie die pharmakologische ayurvedische Medizin mit Kräuterpräparaten. Wer sich erstmals mit der faszinierenden Heillehre aus Indien beschäftigt, wird überrascht sein, wie viele Anleitungen zur Reinigung des Körpers und des Geistes es hier gibt. Die traditionelle Frühlings-Reinigungskur Panchakarma (so genannt, weil man sie traditionell im indischen Frühling vornimmt, wie einen „Frühjahrsputz“ für den Organismus), beinhaltet je nach System Fasten als Heilfasten, sowie Ölmassagen, um den Kreislauf und Stoffwechsel anzuregen. Aus keinem indischen Haushalt wegzudenken ist übrigens ein Zungenreiniger, mit dem man sich morgens nach dem Zähneputzen (mit ayurvedischer Zahnpasta ohne Fluorid) den Belag der Zunge abreibt. Durch diese Reinigung, die man täglich vollführen sollte, wird der Körper auch über die Schleimhäute entschlackt und zudem der Geschmackssinn gefördert, der bei der schmackhaften ayurvedischen Küche mit ihren starken und zahlreichen Gewürzen auch sehr wichtig ist. Der Ayurveda kennt noch viele weitere, alltägliche Methoden zur Reinigung, wobei nicht zuletzt auch Yoga und Meditation als Reinigungsverfahren der Geistseele angesehen werden, die durch Selbsterkenntnis und Achtsamkeit in ihre Mitte kommen soll. Generell setzt die antike ayurvedische Heilkunde eher auf Prävention (Vorbeugung) als auf das Kurieren von schon bestehenden Krankheiten und möchte den Körper durch regelmäßige Entgiftung und Entschlackung dabei unterstützen, fit und gesund bis ins hohe Alter zu bleiben.

Krankheiten entstehen laut dem Ayurveda immer dann, wenn ein Dosha (wörtlich übersetzt: „Fehler“) unausgeglichen ist und durch die Unausgewogenheit eine allgemeine oder spezifische Störung im Körper hervorruft. Der krank machende „Fehler im System“ ist also eine Überwertigkeit eines Elements, eines Doshas, die ausgeglichen werden muss durch Stärkung der anderen Doshas. Die ayurvedische Medizin strebt daher generell eine Harmonisierung der drei Doshas im Einklang mit dem grundsätzlichen Typus des Patienten an, um so die Selbstheilungskräfte des Organismus zu unterstützen. Die drei Doshas entsprechen Elementen im Universum: Vata dem Wind, Pitta dem Feuer, Kapha dem Wasser und der Erde. Im menschlichen Körper sei sinnbildlich all das an Elementen vorhanden, was auch in der Natur vorkomme, folgert der Ayurveda, denn der Mikrokosmos Mensch spiegele den Makrokosmos All, doch im Einzelnen gäbe es ein Vorherrschen eines einzelnen Elements, eines Doshas, das den Körperbau und Charakter bestimmt. Gesund bleiben bedeutet also nach dem ayurvedischen Heilwissen, sein eigenes Dosha (seinen „Fehler“ und zugleich sein bestimmendes Element) zu kennen, zu schützen und es in Harmonie mit den restlichen Elementen im Körper zu bringen. Bezeichnend ist hierbei übrigens, dass der Ayurveda das Wind-Dosha, Vata, als „Königs-Dosha“ ansieht. Das entstammt noch der philosophischen Lehre der Veden und Upanischaden, für die alles im Universum aus dem Geist heraus gestaltet ist, denn der Weltgeist „brahman“ fände im Individualgeist „atman“ seine Entsprechung, der mit ihm korrespondiert und durch ihn am Leben gehalten werde. Geist ist Leben! Deshalb auch die hohe Bewertung der geistigen und meditativen Übungen und der Atem-Techniken, die im Yoga und in der ayurvedischen Heillehre so wichtig sind. Doch auch die beiden anderen Doshas Pitta und Kapha, die auf die naturnahen Elemente Feuer und Wasser/ Erde verweisen, sind von großer Bedeutung für den gesunden Menschen. Wir sehen uns die Verteilung und Bedeutung der drei Doshas im Folgenden genauer an.

Schaubild I: Die drei Doshas – Vata, Pitta und Kapha

Die drei Doshas – Vata, Pitta und Kapha


Selbstanalyse: Welcher Dosha-Typ bin ich?
Bestimmen Sie Ihren Konstitutionstyp!

Selbsterkenntnis sei der beste Schlüssel zur Heilung, aber auch schon zur Prävention (Vorbeugung), meinen die alten Weisen des Ayurveda, und daher steht die Bestimmung des Dosha-Typus am Anfang jeder Anamnese bei einem Ayurveda-Arzt und auch am Anfang einer eigenen Selbsteinschätzung für den, der einfach gesünder leben will. Unser Körperbau (unsere Physiognomie) ist ein erster Anhaltspunkt für die Einschätzung des eigenen Dosha-Typs und zeigt uns, welches Dosha in unserem Organismus vorherrschend ist. Wir kommen gleich darauf zurück und beschreiben, wie die einzelnen Dosha-Typen aussehen und welche physischen Merkmale sie haben.

Ferner spielt der Charakter, das persönliche Stimmungsbild und das Bewegungsverhalten, sowie der psychologische Faktor Introversion/ Extraversion laut der Tiefenpsychologie von C.G. Jung eine Rolle. Alles zusammen ergibt ein recht komplexes Bild von Persönlichkeit, die im Ayurveda erkannt, analysiert und durch ein Zusammenspiel von typgerechter Ernährung, Medizin, Meditation und Spiritualität in Einklang mit sich selbst und dem Kosmos gebracht wird.

Vata-Menschen würden sich als primär intellektuell orientiert beschreiben, eloquent, lernfähig, geistig sehr rege, mit einer Tendenz zum Sorgenmachen. Sie vertragen kaltes, windiges Wetter schlecht. Astrologisch entsprechen ihnen meist die flexiblen Wasserzeichen (Skorpion, Krebs, Fische) sowie die geistreichen und seelisch etwas ruhelosen Luftzeichen (Wassermann, Zwilling und Waage).

Pitta-Menschen würden sich als dynamisch, aktiv, ungeduldig und manchmal hitzköpfig beschreiben, direkt und mit einer Tendenz zum Perfektionismus. Sie vertragen heiß-feuchtes Wetter schlecht. Die astrologische Entsprechung zum leidenschaftlichen Pitta-Charakter sind die stets aktiven Feuerzeichen (Löwe, Schütze und Widder).

Kapha-Menschen sind gutmütig, heiter, bedächtig und in ihren Lebensgewohnheiten inflexibel. Sie essen und schlafen gern, lernen langsam, aber strukturiert. Sie können kaltes, feuchtes Wetter schlecht vertragen. Astrologisch entsprechen die Kapha-Menschen dem Naturell eines Erdzeichens (Jungfrau, Steinbock oder Stier) oder auch eines sensiblen Wasserzeichens (Krebs, Fische oder Skorpion).

Es folgt eine Darstellung der einzelnen Dosha-Typen, ihres Körperbaus und ihrer Charakteristik.

Der Vata-Typ
Vata: Wind, Geist

Der Vata-Typ ist der typische Denker, „Kopfmensch“ oder Philosoph – das Intellektuelle steht bei ihm an erster Stelle und erschließt ihm seine Welt, die er über den Verstand eher als über das Gefühl erfasst.

Sein Verstand ist logisch-analytisch strukturiert und rasch, seine Schlussfolgerungen treffen mit hoher Genauigkeit zu. Er nähert sich Lebensfragen stets intellektuell, nicht emotional. Seine geistige Konzentration ist vorbildlich, sein Verhalten strategisch, aber etwas introvertiert, beruflich ist er meist im Bereich von Lehre und Forschung oder Kunst anzutreffen – der geborene Professor.

Sein Problem ist, dass er schnell erschöpft und sich zu wenig Ruhe gönnt zum Entspannen. Auch können seine zwischenmenschlichen Beziehungen und indirekt – psychosomatisch – seine Gesundheit unter der einseitigen intellektuellen Anspannung leiden.

Wie sieht der Vata-Typ aus?

Nach dem Psychiater Ernst Kretschmer (1888-1964) gibt es drei Konstitutionstypen: leptosom, athletisch und pyknisch. Ihm zufolge sind diese Erscheinungsbilder im Körper auch mit entsprechenden seelisch-geistigen Eigenschaften verbunden: so seien Pykniker freundlicher und geselliger, Leptosome eher verschlossen und introvertiert, athletisch gebaute Menschen eher direkt und zuweilen cholerisch. Eine ähnliche direkte Entsprechung von Körperbau und Temperament findet sich auch, einige Jahrtausende vor Kretschmer, schon in der antiken Heillehre Ayurveda, wo die einzelnen Dosha-Typen stets einem bestimmten Erscheinungsbild zugeordnet werden sowie auch einem korrespondierenden Charakter.

Der Vata-Typ ist leptosom.

Physiognomisch ist der Vata-Typ durch eine hohe, schlanke Gestalt gekennzeichnet, sein Gesicht ist schmal, seine Kopfform manchmal trapezförmig oder ein umgekehrtes Dreieck (Intellektuellen-Typus).

Er setzt kaum Fett an und wirkt hager, seine Haut ist trocken, sein Haar ist dünn oder ergraut früh. Typische Vata-Gesundheitsprobleme sind Rheuma, Arthrose, Verdauungsleiden, Blähungen („Luft“ im Verdauungstrakt) Nervosität, Schlafschwierigkeiten, Depression.

Ernährung für den Vata-Typ

Das Vata-Dosha wird gestärkt durch süße, schwere, wärmende Speisen und geschwächt durch kalte, scharfe Gerichte und Gewürze. Da dem Intellektuellen-Dosha oft eine gewisse Bodenhaftung fehlt, soll sein Speiseplan all das enthalten, was im Ayurveda als „schwer“ empfunden wird und insofern ein Gegengewicht bildet: warme, gut gewürzte Speisen mit ebenfalls wärmenden, süßen oder angenehm scharfen Gewürzen. Da der Vata-Typ insgesamt häufiger als andere zu Verdauungsproblemen neigt, muss er sich zum Essen Zeit nehmen und seine Mahlzeit auch ordentlich kauen. Wichtig ist für diesen oft zerstreuten Menschen auch, regelmäßig zu den gleichen Uhrzeiten zu essen und zu ruhen, um eine Routine für seinen Körper zu etablieren.

Anis, Basilikum, Wacholder, Süßholz, Muskatblüte, Kümmel, Fenchel, Pfeffer, Senf, Oregano, Thymian, Zimt

Honig, Ahornsirup, Zuckerrohr

Spargel, rote Beete, Karotten, Gurken, Knoblauch, Zwiebeln, Okra, Süßkartoffeln, Avocado, Spinat, Sellerie, Kürbis, süßes und reifes Obst wie Bananen, Mango, Melonen, Orangen, Feigen

Kichererbsen, rote Linsen

Fisch, Geflügel, Ei

Tipp: Drucken Sie sich eine Liste mit Ihren Dosha-typischen Lebensmitteln aus und gehen Sie Ihren Kühlschrank und Ihre Vorräte durch anhand dieser Liste. Haben Sie schon alles vorrätig, was Ihr Dosha ausgleicht? Sollten Sie bestimmte Lebensmittel aussortieren, andere neu aufstocken? Sie können die Liste auch als Einkaufszettel oder in einer App abspeichern, damit Sie beim Einkaufen sicher „Ihre“ Lebensmittel und Gewürze wiedererkennen.

Der Pitta-Typ
Pitta: Feuer, Wille

Der Pitta-Typ ist der typische Willensmensch, der alles erzwingen will. Sein Charakter ist aktiv, extravertiert, leidenschaftlich und fordernd, mitunter cholerisch. Er bewegt sich überaus gern und ist sehr sportlich, und wenn er nicht schon beruflich im Sportbereich tätig ist, wird er in seiner Freizeit mindestens einer Sportart nachgehen und vielleicht Anführer einer Mannschaft sein.

Als geborener Anführer will er im Beruf, aber auch in der Freizeit stets den Ton angeben. So viel Durchsetzungskraft ist aber auch nachteilig für soziale Beziehungen und die psychophysische Gesundheit. Sein Problem ist, dass sein ihm angeborener Eigennutz, der bis zum ausgeprägten Narzissmus reichen kann, insbesondere zwischenmenschliche Beziehungen erschwert und seine Impulsivität ihn Dinge sagen und tun lässt, die er später oft bereut.

Wie sieht der Pitta-Typ aus?

Nach dem Psychiater Ernst Kretschmer (1888-1964) gibt es drei Konstitutionstypen: leptosom, athletisch und pyknisch. Ihm zufolge sind diese Erscheinungsbilder im Körper auch mit entsprechenden seelisch-geistigen Eigenschaften verbunden: so seien Pykniker freundlicher und geselliger, Leptosome eher verschlossen und introvertiert, athletisch gebaute Menschen eher direkt und zuweilen cholerisch. Eine ähnliche direkte Entsprechung von Körperbau und Temperament findet sich auch, einige Jahrtausende vor Kretschmer, schon in der antiken Heillehre Ayurveda, wo die einzelnen Dosha-Typen stets einem bestimmten Erscheinungsbild zugeordnet werden sowie auch einem korrespondierenden Charakter.

Der Pitta-Typ ist athletisch.

Physiognomisch ist der Pitta-Typ durch eine gedrungene, athletische oder muskuläre Körperstruktur gekennzeichnet. Sein Haar ist oft blond oder rot und seine Haut neigt zu Rötungen, Ekzemen oder Sommersprossen. Gesundheitlich hat er mit psychosomatischen Ausdrücken von Stress und Ärger zu tun („Feuer“ im Körper), wie Bluthochdruck, Sodbrennen, Magen- und Darmgeschwüre, Entzündungen an Haut und inneren Organen.

Ernährung für den Pitta-Typ

Das Pitta-Dosha wird gestärkt durch kühle, herbe oder bittere Speisen und geschwächt durch warme, scharfe Speisen. Man muss sich das so vorstellen, wie einen Feuerbrand im Körper, den man löschen möchte: durch Wasser respektive durch wässrige Obstsorten und Gemüse wie Melonen und Gurken und durch kalte Speisen, vor allem Rohkost. Denken Sie auch an die typische Sportler-Nahrung, die insbesondere deshalb gut passt, weil Pitta ein Bewegungs-Dosha ist und der Pitta-Mensch oft tatsächlich ein Sportler: kurzgebratenes mageres Fleisch, Kartoffeln oder Reis als Kohlehydrat-Lieferant und viel frisches Grün in Form von Salaten. Kalte Getränke löschen den Durst besser!

Gewürze sollten den Körper nicht zu sehr erhitzen – kleine Mengen Kardamon, grüner Koriander, Zimt, Dill, Fenchel, Minze, Safran, Kurkuma, frische Kräuter

Alle Süßungsmittel

Brokkoli, Rosenkohl, Rot- und Weißkohl, Stangensellerie, Chicorée, Pilze, Okra, Paprika, Zucchini, grüne Bohnen, grünes Blattgemüse, an Obst süße Früchte wie Äpfel, Ananas, Trauben, Kirschen, Orangen, Trockenpflaumen, Rosinen

Bohnen, Erbsen, Mungobohnen

Geflügel und Wild

Tipp: Drucken Sie sich eine Liste mit Ihren Dosha-typischen Lebensmitteln aus und gehen Sie Ihren Kühlschrank und Ihre Vorräte durch anhand dieser Liste. Haben Sie schon alles vorrätig, was Ihr Dosha ausgleicht? Sollten Sie bestimmte Lebensmittel aussortieren, andere neu aufstocken? Sie können die Liste auch als Einkaufszettel oder in einer App abspeichern, damit Sie beim Einkaufen sicher „Ihre“ Lebensmittel und Gewürze wiedererkennen.

Der Kapha-Typ
Kapha: Wasser, Erde

Der Kapha-Typ ist ein sensibler Stimmungsmensch, der aus seinem Gefühlsreichtum heraus lebt und sich gern harmonisch mit seiner Umwelt assoziiert. Sein Charakter ist friedfertig, etwas passiv und überaus tolerant und sozial eher introvertiert. Wenn er sich jedoch im seelischen Gleichgewicht befindet, kann er eine wahre Oase der Ruhe und Entspannung für andere Menschen darstellen.

Der Kapha-Mensch arbeitet gern in sozialen oder pflegerischen Bereichen und ist überaus loyal eingestellt. Sein Problem ist, dass er oft zu nachgiebig und manchmal auch leichtgläubig ist und zu schnell Kompromisse eingeht, die für ihn selbst nachteilig sind, oder dass er sich nicht genügend gegen andere Menschen und deren Forderungen abgrenzen kann. Auf psychosomatischer Ebene kann es daher zu Störungen aufgrund von unterdrückter Wut oder Angst kommen.

Wie sieht der Kapha-Typ aus?

Nach dem Psychiater Ernst Kretschmer (1888-1964) gibt es drei Konstitutionstypen: leptosom, athletisch und pyknisch. Ihm zufolge sind diese Erscheinungsbilder im Körper auch mit entsprechenden seelisch-geistigen Eigenschaften verbunden: so seien Pykniker freundlicher und geselliger, Leptosome eher verschlossen und introvertiert, athletisch gebaute Menschen eher direkt und zuweilen cholerisch. Eine ähnliche direkte Entsprechung von Körperbau und Temperament findet sich auch, einige Jahrtausende vor Kretschmer, schon in der antiken Heillehre Ayurveda, wo die einzelnen Dosha-Typen stets einem bestimmten Erscheinungsbild zugeordnet werden sowie auch einem korrespondierenden Charakter.

Der Kapha-Typ ist pyknisch.

Physiognomisch drückt sich der Kapha-Typ durch einen stabilen, eher schweren Körperbau mit einer runden oder herzförmigen Kopfform und rundlichen Gesichtszügen aus. Er hat eine fette, ölige Haut und starkes, meist dunkles Haar. Gesundheitlich kann er Probleme durch Übergewicht bekommen oder auch durch verstärkte Schleimbildung in den Atemwegen (Nebenhöhlen-Entzündung oder Bronchitis, Lungenentzündung), ferner tatsächlich durch Wasseransammlungen in den Gliedern, Neigung zu Allergien und Diabetes.

Ernährung für den Kapha-Typ

Das Kapha-Dosha wird gestärkt durch leichte, warme Speisen und geschwächt durch schwere, fette und kalte Speisen. Grundsätzlich kann man als Faustregel nehmen, dass der Kapha-Typ seinen Organismus und vor allem sein „agni“ (Verdauungsfeuer) anregen sollte, da er zu Bewegungsmangel und Völlerei neigt – denn der sensible Kapha-Mensch neigt zu „soulfood“ wie Schokolade, wenn er sich schlecht fühlt, und setzt dann oft zusätzlich Gewicht an. Da er oft Probleme mit Schleimbildung und Lymphe sowie Gliederschwere im Körper hat, sollte er salzarm essen und stattdessen lieber frische Kräuter zum Würzen nehmen, sowie viel Ingwer-Tee trinken.

Salzarm essen – Gewürze wie Ingwer, schwarzer Pfeffer, Koriander, Kurkuma, Nelken, Kardamon, Zimt sind erlaubt

Fast alle Gemüsesorten; an Obst Äpfel, Birnen, Guavas, Granatäpfel, Trauben, Trockenfrüchte allgemein

Alle Hülsenfrüchte

Geflügel, Garnelen, Wild

Tipp: Drucken Sie sich eine Liste mit Ihren Dosha-typischen Lebensmitteln aus und gehen Sie Ihren Kühlschrank und Ihre Vorräte durch anhand dieser Liste. Haben Sie schon alles vorrätig, was Ihr Dosha ausgleicht? Sollten Sie bestimmte Lebensmittel aussortieren, andere neu aufstocken? Sie können die Liste auch als Einkaufszettel oder in einer App abspeichern, damit Sie beim Einkaufen sicher „Ihre“ Lebensmittel und Gewürze wiedererkennen.

Schaubild II: Vata, Pitta und Kapha-Typen

Vata, Pitta und Kapha-Typen


Typgerechte Ernährung
Ayurveda ist keine „Diät“ im postmodernen Sinne einer einseitigen Gewichtsreduktion, sondern eine ganzheitliche Lebensweise – eine spirituelle „diäta“ im Verständnis der großen Ärzte des Altertums, die damit übersetzt eine „Harmonie des ganzen Menschen“ meinten.

Als Lebensweise sieht das Ayurveda die Ernährung als einen Pfeiler der Gesundheit und der Harmonisierung der Selbstheilungskräfte an, denn ähnlich wie auch in der Medizin des berühmten griechischen Arztes Hippokrates (460-370 v.Chr.), der einst gesagt haben soll: „Eure Nahrung soll eure Medizin sein“, setzt die ayurvedische Lehre auf die typgerechte Ernährung zur Vorbeugung von Krankheiten. Grundsätzlich soll im Ayurveda das „agni“ (Verdauungsfeuer) stark angeregt werden, denn es gilt als der große Verbrennungsmotor des Organismus, und zusätzlich gilt als Faustregel der Ernährung, dass das vorherrschende Dosha der Person ausgeglichen und die schwächeren Doshas gestärkt werden müssen, damit Harmonie im Körper-Geist-Gefüge herrscht. Im Prinzip empfiehlt Ayurveda eine vegetarische Ernährung (ovo-lakto-vegetabil), doch es gibt auch Empfehlungen für typgerechte Fleisch- und Fischsorten, so dass es nicht richtig ist kategorisch zu behaupten, man müsse generell auf Fleisch verzichten, wenn man gern ayurvedisch essen will. Ghee (Butterschmalz) und Milchprodukte allgemein wie Buttermilch und Frischkäse sind in der indischen Küche allgemein stark vertreten und daher auch in der ayurvedischen Ernährung immer wieder zu finden. Ayurveda ist also, selbst wenn man gern vegetabil leben würde, keine strikt vegane Ernährungsform und auch nicht reine Rohkost, da die Mehrzahl der Speisen gekocht und somit leicht oder stark erhitzt wird.

Muss man eigentlich indisch essen, um sich ayurvedisch zu ernähren? Das ist im Grund eine Gretchenfrage. Denn es ist nicht notwendig, nur noch indisch essen zu gehen oder indisch kochen zu lernen, um der Heillehre Ayurveda zu folgen, obwohl es inzwischen auch ganz ausgezeichnete Kochbücher gibt, die auch dem Koch-Neuling die ayurvedische Küche in einfachen Schritten beibringen. Nicht jeder mag Curry und Kokosmilch, und mancher ist auch allergisch auf einige der scharfen Gewürze, ohne die die indische Küche nicht auskommt. Doch das ist kein Problem, denn ayurvedische Ernährung nach den Doshas bedeutet nicht zwangsläufig, indisch zu essen. Tatsächlich kommt es nicht auf die Landesküche an, sondern darauf, dass der Mensch die typgerechten Nahrungsmittel zu sich nimmt und die entsprechenden Gewürze, die sein Dosha fördern und ausgleichen. Ein Vata-Typ sollte zum Beispiel viel Hülsenfrüchte essen, etwa rote Linsen – doch es spielt keine Rolle, ob er einen indischen Linsen-Curry-Dal zu sich nimmt oder eine deutsche Linsensuppe. Auch auswärts essen oder mit Kollegen essen gehen ist kein Problem, wenn man sich ayurvedisch ernähren will. Bei Essen beim Italiener zum Beispiel kann der Vata-Typ eine Minestrone bestellen (warme Speisen, Eintöpfe, Hülsenfrüchte stärken sein Dosha), der Pitta-Typ einen italienischen Salat (kalte Speisen, Rohkost unterstützen seine Dosha-Harmonie) und der Kapha-Typ kann eine Antipasti-Platte bestellen (ausgewogene Speisen, Gemüse und Garnelen stellen sein Dosha ins Gleichgewicht). Es kommt also immer darauf an, dass man die Nahrungsmittel kennt, die das eigene vorherrschende Dosha ausgleichen und die anderen unterrepräsentierten Doshas im Körper stärken – und dass man sie zuverlässig wiedererkennt, sei es auf der Speisekarte oder beim wöchentlichen Einkauf im Supermarkt.

Auch der ästhetische Wert spielt im Ayurveda eine wichtige Rolle: Speisen müssen stets appetitlich hergerichtet werden, und das Essen sollte ungestört und konzentriert erfolgen – nicht zwischendurch und in Eile. Das Ayurveda vertritt auch eine ausgeprägte Farblehre in Bezug auf die Speisen: so aktiviert die rote und orangene Farbe das Pitta-Dosha, die blaue und violette das Vata-Dosha, die grüne und grüngelbe Farbe das Kapha-Dosha. Wer also zu wenig Pitta in seinem Konstitutionstyp aufweist, sollte zum Ausgleich häufiger rote oder orangegelbe Speisen essen, zum Beispiel Tomaten, Erdbeeren, gelbe Paprika oder Karotten. Interessanterweise wird dieser Farbaspekt des Ayurveda auch von der modernen organischen Chemie unterstützt, denn Speisen mit einem hohen Beta-Carotin-Anteil schützen nicht nur unsere Haut (vor Gefahr durch freie Radikale) im UV-Licht und fördern die Pigmentierung, sondern helfen auch durch ihre Vitamine, die Stimmung aufzuhellen und mehr Tatkraft zu erhalten – typische Pitta-Eigenschaften eben. Auf der anderen Seite sollten Menschen, die schnell übererregt, enerviert und hitzköpfig reagieren, mehr grüne und blaue Speisen zu sich nehmen wie Brokkoli, Salat, Gurken, Zucchini, Weintrauben – das Chlorophyll in Blattgrün etwa hat eine „dämpfende“ und beruhigende Wirkung auf den Gesamtorganismus und vermittelt typische Kapha- oder Vata-Eigenschaften.

Ayurveda als Lebensweisheit
Ayurveda und Yoga – das ist ein großes Kapitel für sich, denn die ayurvedischen Texte empfehlen schon vor Jahrtausenden eine gute Kombination von Ernährung und Bewegung nach typgerechten Bedürfnissen. Es gibt bestimmte „asanas“ (Yoga-Stellungen) für jedes Dosha, doch diese hier aufzuführen würde den Rahmen sprengen, auch sind die Unterschiede zwischen Hatha-Yoga und anderen Yoga-Arten zu groß, als dass wir hier im Detail darauf eingehen können; wer Interesse hat, kann jedoch leicht im Fachbuchhandel oder im Internet entsprechende Informationen finden. Grundsätzlich, für alle Dosha-Typen, sollte der Tag mit einer ersten Yoga-Übung beginnen, die als „Sonnengruß“ bekannt ist – eine Abfolge von mehreren Yoga-Stellungen im Stehen und Liegen, die einen gelungenen Reigen von Übungen darstellen und durch Dehnen und Strecken den ganzen Körper sanft aufwecken und ihn sukzessive morgen-fit machen können. Neben den spezifischen Dosha-typischen Yoga-Stellungen, die an den morgendlichen Sonnengruß anschließen können und die man exakt in der entsprechenden Fachliteratur nachlesen kann, gibt es auch Empfehlungen wie die von der indischen Ärztin Dr. Vinod Verma, die ein spezielles Ayurveda-Programm für Frauen empfiehlt. Nach Dr. Verma können Frauen durch gezielte Yoga-Übungen und Pflanzenpräparate aus der Ayurveda-Apotheke (wie Dosha-gerechte Tee-Mischungen für Vata, Pitta und Kapha) viele Spannungen und Stress bei Schwangerschaft, Monatsblutung, PMS und auch bei Wechseljahrsbeschwerden mindern. Es sollte einen Versuch wert sein für alle die, die gern nach Alternativen zur Schulmedizin und sanften Therapien für Körper, Geist und Seele suchen.

Die ayurvedischen Erkenntnisse über den Zusammenhang von Farbe, Stimmung und Rückwirkung auf den Gesamtorganismus sind ferner sowohl in der ayurvedischen Ernährungslehre der drei Doshas, als auch in der Farbtherapie (Chromo-Therapie) von Bedeutung. Stets geht es darum, durch die in der Farbe enthaltene Schwingung dem Organismus gezielte Impulse zu vermitteln, sich selbst zu heilen und damit einer Erkenntnis zu entsprechen, die nach der entsprechenden Weisheit der indischen Veden und Upanischaden erst wieder der moderne Physiker Nikola Tesla (1856-1943) hatte, als er feststellte: „Alles im Universum ist Schwingung, Frequenz und Energie“. Eine Bestrahlung mit Licht soll im Ayurveda etwa den Menschen helfen, entweder im Fall der Erschöpfung oder depressiven Verstimmung sich zu aktivieren und ihr Selbstvertrauen zu stärken, oder im Fall der Übererregung sich abzukühlen und wieder in die eigene Mitte zu finden. Zur Beruhigung wählt man in der ayurvedischen Licht-Therapie gern kühle Farben aus dem Vata-Spektrum blau und violett, denn Vata gilt als beruhigend und geistig-intellektuell, zur Aktivierung hingegen warme Pitta-Farben wie Rot, denn Pitta ist das Bewegungs-Dosha und regt Körper, Geist und Seele an. Tatsächlich schließt sich auch hier der Kreis zum Westen und zur modernen Chromo-Therapie, wo ebenfalls gezielt mit langwelligem oder kurzwelligem Licht zur Bestrahlung gearbeitet wird, um nach den bekannten Erfahrungen effektiv und positiv auf die menschliche Psyche einzuwirken.

Die Dosha-Typen sollten auch typgerechte Farben in ihrer Kleidung und in ihrem Zuhause verwenden (Steigerung des -> Vaastu Shastra, das die indische Entsprechung zur chinesischen Raumlehre Feng Shui darstellt). Betrachten wir zunächst das Thema Kleidung nach dem Dosha-Typ, auch und gerade im Berufsleben: Ayurveda und moderne Business-Mode? Aber ja – diese Kombination gewinnt! Ein Vata-Typ etwa könnte somit zum Ausgleich seines übermäßig intellektuell und distanziert wirkenden Doshas beim Vorstellungsgespräch oder bei einem Mitarbeiter-Meeting ein starkes Dunkelrot, eine Pitta-Farbe, tragen, die ihm Stärke verleiht. Dasselbe gilt für Kapha-Menschen, die allzu passiv und friedfertig sind und bei Diskussionen im Job schnell den Kürzeren ziehen, weil sie sich nicht durchsetzen können: die Pitta-Farben Rot und Dunkelgelb „boosten“ das Selbstbewusstsein (es muss kein Kostüm sein – ein roter Pullover unterm Blazer genügt schon). Umgekehrt wirkt ein hitzköpfiger Pitta-Chef im blauen Anzug gleich etwas ausgeglichener und zugänglicher, da die dunkelblaue Farbe nicht nur im internationalen Dresscode eine Souveränität widerspiegelt, sondern ayurvedisch auch zum kühlen Luft-Element Vata gehört. Die richtige Farbwahl bei der Kleidung auch und gerade im Berufsleben kann demnach das Selbstvertrauen stärken und den Menschen in Einklang mit seinen Stärken und Schwächen bringen, denn man glaubt im Ayurveda, die Farbschwingung, die dem Typus entspricht, unterstütze alle Vorgänge in Körper, Seele und Geist – und nicht zuletzt den Erfolg. Die indische Raumlehre Vaastu Shastra ist ebenfalls ein großes Kapitel für sich, das wir hier nur kurz anreißen können. Laut Vaastu Shastra gibt es eine kosmische Raumenergie, die durch bestimmte Installationen im Raum, Anordnung der einzelnen Zimmer, Gestaltung der Inneneinrichtung, verwendete Farben und Materialien gesteigert werden kann, ähnlich wie in der chinesischen Entsprechung Feng Shui. Es gibt allgemeine Ratschläge des Vaastu Shastra, die für alle Dosha-Typen gelten, wie zum Beispiel, dass man zerbrochene Gegenstände schnellstmöglich aus dem Haus entfernen sollte, da sie negative Energie ausstrahlen. Andere Ratschläge sind eher Dosha-spezifisch: der Vata- oder Kapha-Typ sollte primär warme Farben in der Einrichtung wählen, der Pitta-Typ weiß oder blau, um sein „feuriges“ Dosha zu kühlen, ähnlich wie beim Dresscode.

Fazit aus den Lebenslehren des Ayurveda: Man sollte Yoga in seinen Alltag integrieren und sich jeden Tag typgerecht ernähren, kleiden und wohnen, um sein dominantes Doshas auszugleichen und alle Lebensbereiche in Harmonie zu bringen, was zugleich die Vorbedingung für gute Gesundheit ist.

Biorhythmen und Altersphasen
Ayurveda ist nicht nur eine sehr alte Heillehre, deren philosophisch-religiöse Ursprünge in den Veden und Upanischaden bis ins sechste Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung zurück reichen, sondern auch ein System, das mit dem Begriff der Zeit selbst innovativ umgeht. Für die ayurvedische Lehre hat Zeit generell zwei Aspekte: qualitativ und quantitativ. Wir kennen diesen Unterschied vielleicht aus der allgemeinen oder speziellen Relativitätstheorie von Albert Einstein, oder vielmehr aus dem scherzhaften Spruch, den einer seiner Studenten vorgebracht haben soll: „Zeit ist relativ? Sicher. Sitzen Sie zwei Minuten auf einer heißen Herdplatte, oder zwei Minuten mit einer schönen Frau auf dem Schoß“. Gemeint ist, dass die Zeit stets einen ausgedehnten Faktor (die messbare Verlaufsform) hat und einen qualitativen Faktor (den Wert, den wir ihr beimessen). Dieselbe Erkenntnis hatten schon die alten Weisen des Ayurveda, die das ganze menschliche Leben in mehrere sukzessive Epochen einteilten, die für bestimmte Lebens-Werte und Qualitäten stehen. Es gibt nach ayurvedischer Auffassung Vata-Phasen, Kapha-Phasen und Pitta-Phasen, und jeder Mensch – unabhängig von seinem eigenen Dosha-Typ – macht einmal in seinem Leben diese Phasen durch, auf die er dann individuell reagiert, je nachdem, ob er in Resonanz damit steht. Sehen wir uns die Abfolge der Lebensphasen einmal im Schaubild an.

Schaubild III: Rhythmen des Lebens nach Ayurveda

Rhythmen des Lebens nach Ayurveda


Die ayurvedische Lehre spielt gern mit dem Zeitbegriff: dem Leben nicht mehr Jahre geben (denn das kann nur das Schicksal), sondern „den Jahren mehr Leben geben“ (dessen ist der Mensch Meister), das ist ein Weisheits-Motto der ayurvedischen Gelehrten. Um seinen Jahren mehr Leben zu geben, sollte der Mensch also auch seiner Lebensphase entsprechend leben und handeln: sich in der Kapha-Phase der Kindheit und Jugend zwischen 0-30 Jahren aufbauen und mit Wissen „ernähren“, in der Pitta-Phase zwischen 30-60 Jahren im Erwachsenenleben viel Aktivität sowie wohlwollenden Wettbewerb gestalten, und im „weisen Alter“ der Vata-Periode zwischen 60-100 (oder mehr) Jahren sich gelassen zurückziehen und den Jüngeren das Ruder überlassen – nicht, ohne sich mit Weisheit am Lauf der Dinge zu beteiligen und guten Rat zu geben. Von der Gelassenheit, das Alter mit all seinen Facetten anzunehmen und jeden Teil des Lebens zu feiern, könnte der Westen sicherlich vieles lernen, und sie hat auch zur Beliebtheit der ayurvedischen Lehre beigetragen.

Neben der generellen Einteilung in Lebensphasen nach den drei Doshas gibt es auch alltägliche Dosha-Momente. Genauer gesagt, hat jeder Tag Pitta-, Kapha- und Vata-Phasen, die sich im zirkadianen Ablauf (also innerhalb von 24 Stunden) ablösen und wiederholen. Die Vata-Phasen sind die frühen Morgenstunden – haben Sie nicht auch schon mal bemerkt, dass Sie in den frühen Morgenstunden geistig besonders fit und leistungsfähig sind? In der Zeit zwischen 6-10 Uhr morgens kann der menschliche Organismus tatsächlich besonders gut meditieren, überlegen und sich geistigen Aufgaben widmen, weshalb der Ayurveda empfiehlt, seinen Tag entsprechend zu planen und wichtige organisatorische und strukturgebende Tätigkeiten auf den frühen Morgen zu verlegen. Die Phase zwischen 10-13 Uhr ist dann jedoch eine Pitta-Phase, die durch erhöhte körperliche Aktivität und zugleich die bekannten „Heißhunger-Attacken“ gekennzeichnet ist, denn in dieser Phase ist das Verbrennungsfeuer „agni“ sehr stark! Aus diesem Grund nimmt man im Ayurveda auch die Hauptmahlzeit, das Mittagessen, grundsätzlich zwischen 10 und 13 Uhr zu sich, da der Verbrennungsmotor des Körpers um diese Zeit besonders zuverlässig arbeitet und die Speisen schnell verdaut werden.1 Danach erleben viele Menschen das sogenannte „Nachmittagstief“, in dem sie sich sehr abgespannt und passiv fühlen und keine rechte Lust zu geistiger oder körperlicher Betätigung verspüren. Laut Ayurveda hat diese häufige Erscheinung aber damit zu tun, dass zwischen 13-16 Uhr eine Kapha-Phase beginnt, in der dieses Dosha vorherrscht, das für Passivität und inneren Rückzug steht. Zwischen 16-19 Uhr ist dann wieder eine Vata-Phase (also das bekannte „Spätnachmittagshoch“, in dem noch einmal geistige Höhenflüge möglich sind), und so geht es weiter mit der Abfolge der drei Doshas in Phasen zu je vier Stunden, bis der ganze Tag mit seinen 24 Stunden vollendet ist.

Die bekannten Biorhythmen, die in der westlichen Forschung erst im 20. Jahrhundert entdeckt und als bahnbrechende Neuerung gefeiert wurden, spiegeln sich fast eins zu eins mit den uralten Erkenntnissen des Ayurveda über die drei Dosha-Phasen im Tagesablauf!

Typgerechte Therapien
Die Therapien des Ayurveda zielen darauf ab, ein Ungleichgewicht der Körper-Doshas zu regulieren und durch die Wiederherstellung der Balance die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren. Insofern möchte die ayurvedische Medizin stets eine langfristige Regulierung des Körpergleichgewichts mit Aussicht auf dauerhafte Besserung und keine rasche momentane Symptombekämpfung, die Wiederholungen erfordert. Wichtig ist jedoch auch, dass der Patient aktiv mitwirkt an seinem Heilungserfolg, und wichtig ist auch vor jedem Krankheitsfall, dass der Einzelne bereit ist, seinen Körper zu unterstützen mit richtiger Ernährung, Bewegung und Meditation.

Zur Mitwirkung gehört zuerst die Einsicht, dass der Ayurveda-Arzt den Patienten nicht wie von Zauberhand gesund macht, sondern dass der eigene Organismus sich selbst heilen muss und kann, sofern er die richtigen Impulse dazu bekommt. Hierzu gehört vor allem die typgerechte Ernährung, die das vorherrschende Dosha ausgleicht und eine totale Harmonie im Körper anstrebt, denn Disharmonie ist im Ayurveda der erste Grund für Krankheiten von Körper und Seele und Ursache von Störungen. Zweitens ist der vorbeugende Charakter des Ayurveda auch stets in der Empfehlung enthalten, sich den Dosha-typischen Stressoren nur in geringem Maß auszusetzen.

Dosha-typische Stressoren sind: intellektuelle Höchstleistung für den Vata-Typ, Wettbewerbs-Situationen für den Pitta-Typ, emotionale Krisen für den Kapha-Menschen. Wer also Stressoren erlebt, die sein eigenes Dosha empfindlich treffen, also zum Beispiel als geistreicher Vata-Mensch gerade seine Doktorarbeit schreibt, als feuriger Pitta-Typ einen olympischen Wettkampf vorbereitet oder als sensibler Kapha-Gemütsmensch eine Scheidung oder sonstigen Familien-Eklat vor sich hat, sollte zum Ausgleich besonders viel Meditation und Yoga betreiben und sich noch intensiver um seine Ernährung kümmern. Ein weiterer Ratschlag des Ayurveda ist es, sich dem Dosha-typischen Wetter vorsichtshalber stets nur in kleinen Dosen auszusetzen, da es potentiell krankheitserregend sein kann: der Vata-Typ (Luft-Element) verträgt kein windiges Wetter, der Pitta-Typ (Feuer-Element) kann heißes Wetter schlecht handhaben und der Kapha-Typ hat Probleme im Frühling und Herbst, wenn die Witterung feucht-kalt ist wie sein eigenes Element, Wasser/ Erde. Also machen Sie nicht ausgerechnet Urlaub in der Wüste, wenn Sie zum Pitta-Dosha-Typ gehören!

Das erklärte Ziel des Ayurveda ist ein langes und erfülltes Leben in Harmonie mit dem eigenen Körper, Seelenleben und Geist.

„Eure Nahrung soll eure Medizin sein!“, sagte schon der berühmte griechische Arzt Hippokrates. Doch der Ayurveda als Lebensweise ist mehr als eine ausgewogene, typgerechte Ernährung und spielt zudem eine erklärte Pionierrolle in der Medizingeschichte, indem er, aus der hinduistischen Spiritualität schöpfend, den großen Zusammenhang von Geistseele und körperlicher Gesundheit erfasst hat. Lange, bevor die westliche Medizin im 19. Jahrhundert allmählich die eminente Bedeutung der Psychosomatik erkannte und bekannte Ärzte wie Edmond Goncourt (1822-1896) und später Josef Breuer (1842-1925), der Lehrer von Sigmund Freud, Pionierarbeit leisteten, verstanden die ayurvedischen Ärzte schon die herausragende Rolle der Psyche für die körperlich-seelische Gesundheit und sahen die Balance der menschlichen Seele als das beste Mittel zur Prävention von akuten oder chronischen Krankheiten an. Als der Arzt Goncourt erkannte, dass zum Beispiel Hysterie – die „Modekrankheit“ seiner Zeit – aus einer Dysfunktion der Seele entstünde, und als Breuer und später Freud feststellten, welche tatsächliche Rolle die Psyche beim Manifestieren von Krankheitsbildern spielte, beschritten sie einen Grund, der ideengeschichtlich im Ayurveda schon längst bearbeitet worden war. Der Ayurveda sieht es als selbstverständlich an, dass eine seelische Disharmonie Folgen für den Körper zeitigen muss; dieses Denken speist sich aus der Kultur der indischen Weisheitstexte der Veden und Upanischaden, für die alles Seiende aus dem Welt-Geist „brahman“ entstünde und folglich auch der menschliche Körper Abbild und Spiegel der ihn beseelenden Geistes, „atman“ sei – gesund und vital, wenn der Geist gesund ist, krank und deformiert, wenn der Geist leidet. Auch die Bedeutung der Epigenetik, die in der westlichen Medizin und Psychologie gerade mit viel Aufwand entdeckt und diskutiert wird, wurde im Ayurveda schon vor vielen Tausenden Jahren richtig erfasst: die Umweltfaktoren wie Wetter, Wohnung und soziales System, die für die Gesundheit von Körper und Seele eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen. Ayurvedische Therapie ist wahrhaft ganzheitlich im wörtlichen Sinne des Begriffs, ohne modisch zu sein, wie es der inflationäre Begriff heute oft anmutet, und stellt den Menschen mitsamt seinen Umweltfaktoren und seiner Psyche als eine seelisch-geistige Einheit in den Mittelpunkt seines lebenslangen Bestrebens nach umfassender Gesundheit und Harmonie. Ayurvedische Therapien zielen daher grundsätzlich nicht auf eine vordergründige Symptombekämpfung ab, sondern gehen zuletzt auf die intensive Behandlung der wahren Ursachen für seelisch bedingte Störungen aus, die sich beim Menschen bekanntlich auch oftmals körperlich äußern können (als Somatisierungsstörungen oder psychosomatische Probleme). Den Jahren mehr Leben zu geben, wie es ein beliebtes Motto des Ayurveda darstellt, ist keine bloße Formel – es ist eine praktische Lebensweisheit, die man im Einklang mit dem eigenen Dosha tatsächlich erringen kann. Im Zielpunkt des Ayurveda steht nicht nur Gesundheit im psychophysischen Sinn, sondern auch das Glück, das gleichsam die höhere Oktave von der Gesundheit darstellt – die Befähigung, seine Berufung zu leben.
2„Frühstücke wie ein König, esse zu Mittag wie ein Edelmann, speise zu Abend wie ein Bettler“? Dieses alte deutsche Sprichwort gilt im Ayurveda nicht. Morgens nimmt man nur eine kleine ausgewogene Mahlzeit aus Reis und Früchten zu sich, ebenso abends, die eigentliche Hauptmahlzeit des Tages ist mittags, weil nach dem Ayurveda das für den Körper so wichtige „Verdauungsfeuer“ agni in der Pitta-Phase gegen 12 Uhr am stärksten ist und somit die Speisen zuverlässig in den Organismus umsetzt.


Ayurveda-Quiz
Sind Sie bereit, Ihr neuerworbenes Wissen über Ayurveda zu testen? Dann machen Sie mit beim Quiz! Sie testen jetzt Ihre Erkenntnisse über die spezielle Medizin, die Spiritualität und raffinierte Typenlehre des Ayurveda. Die Auflösung folgt natürlich am Ende.

1. Die Heillehre Ayurveda speist sich aus welcher Religion?
a) Buddhismus
b) Hinduismus
c) Daoismus

2. Der ayurvedische Begriff „Dosha“ bedeutet…?
a) Fehler
b) Sünde
c) Krankheit

3. Welches Dosha ist das sogenannte Königs-Dosha?
a) Vata
b) Pitta
c) Kapha

4. Pyknischer Körperbau, fettige Haut, volles Haar, ruhiges bis phlegmatisches Temperament, Neigung zu süßen und schweren Speisen entspricht welchem Dosha…?
a) Vata
b) Pitta
c) Kapha

5. Welcher europäische Mediziner der Antike vertrat eine ähnliche Temperamentslehre wie die Weisen des Ayurveda?
a) Hippokrates
b) Claudius Galen
c) Paracelsus

6. Was ist eigentlich das „agni“ im Ayurveda?
a) Koseform von „Agnes“
b) Lateinisch für „Schafe“
c) Sanskrit für „Verdauungsfeuer“

7. Welche medizinische Richtung, die der Westen erst im 19. Jahrhundert allmählich etablierte, wurde schon Jahrtausende zuvor im Ayurveda praktisch bedacht?
a) Psychotherapie
b) Psychosomatik
c) Psychohygiene

8. Ayurveda empfiehlt auch Frühlings-Reinigungskuren für Geist, Körper und Seele. Wie heißt die bekannteste?
a) Pancha Karma
b) Pancha Veda
c) Sancho Pansa


Wir wünschen Ihnen viel Erfolg und allzeit gute Gesundheit!

Auflösung:
1 b, 2 a, 3 a, 4 c, 5 b, 6 c, 7b, 8a