Kostüm-Kaos!
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Kostüm-Kaos!

Das Ehepaar Ulrike und Stefan will zum Karneval gehen. Ulrike will ihren Mann dabei so richtig überraschen. Er soll nicht wissen, was für ein aufregendes Kostüm sie sich online bestellt. Als der Tag der großen Fete schließlich gekommen ist, plagt Ulrike über Kopfschmerzen. Sie kann ihren Stefan also nicht begleiten. Doch Stunden später entscheidet sie sich doch noch aufzutauchen und überrascht ihren Mann auf ganzer Linie…

„Kostüm-Kaos!“ ist ein knackiger Sketch, der mit einer herrlich-witzigen Pointe überrascht und der mit viel Spielfreude von Menschen ab 18 Jahren gespielt werden kann.


Personen:

ULRIKE & STEFAN – Ehepaar, das auf einen Karnevalball gehen will
SILVIA – Freundin von Ulrike
SABRINA – Flirtfreudige Party-Besucherin
CLAUDIA - Flirtfreudige Party-Besucherin
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Spielzeit: circa 30 Minuten
Spielalter Ab: 18 Jahren

Erste Szene:

Ulrike sitzt konzentriert Zuhause am Laptop, als ihr Mann Stefan ins Zimmer kommt. Er trägt einen Koffer und kommt wohl von der Arbeit.

STEFAN:
Hallo Schatz!
ULRIKE:
(abwesend)    Hallo.
STEFAN:
Komm ich zu früh?
ULRIKE:
Endlich scheinst du es zu erkennen.
STEFAN:
Was? Es riecht ja gar nicht nach Essen. Was ist los?
ULRIKE:
Achso. Nee. Sorry – ich musste noch was bestellen. Da gibt’s ja SO viele Angebote! Dieses Internet mal wieder…
STEFAN:
(stellt Koffer ab, kommt auf sie zu)    Was denn bestellen?
ULRIKE:
(dreht sich um und hält ihn ab)    Na, na, na – lass dich lieber überraschen, Stefan!
STEFAN:
Ich bin doch so neugierig. Unverschämt.
ULRIKE:
Manchmal ist das Leben hart.
STEFAN:
Moment. Hab ich Geburtstag?
ULRIKE:
Ja! Aber erst in sieben Monaten wieder. Wie du wissen solltest.
STEFAN:
Ist vielleicht Weihnachten?
ULRIKE:
Erst in zehn Monaten.
STEFAN:
Ostern?
ULRIKE:
Wird schon wärmer.
STEFAN:
Hast du Namenstag?
ULRIKE:
Ich glaube, für Ulrike gibt es keinen Namenstag.
STEFAN:
Also was ist es?
ULRIKE:
Ein Kostüm. Für den Karneval, Stefan. Du weißt schon: die fünfte Jahreszeit? Klingelt’s jetzt?
STEFAN:
Hab davon gehört.
ULRIKE:
Ich hab jetzt doch noch was gefunden.
STEFAN:
Und was ist es?
ULRIKE:
Tja…
STEFAN:
Hallo? Darf ich es nicht wissen? Ich bin doch so neugierig.
ULRIKE:
Letztes Jahr hast du mich überrascht, weißt du noch? Mit deinem kreativen Cowboy-Kostüm. Dieses Jahr machen wir es mal anders rum.
STEFAN:
Du willst oben liegen?
ULRIKE:
Ja, das auch… aber lass dich einfach überraschen. Du hast es dir verdient.
STEFAN:
(nach kurzer Pause)    Das hast du schön gesagt!
ULRIKE:
Ich mach jetzt mal Essen.
STEFAN:
Und was gibt’s?
ULRIKE:
Lass dich überraschen.
STEFAN:
Eine geheimnisvolle Frau habe ich da.
Zweite Szene:

Der Tag des Karnevalballs. Stefan ist bereits verkleidet und wartet nur auf seine Frau. Er sollte etwas sehr Lächerliches tragen – das Gesicht ist dabei nicht zu erkennen. Ulrike sitzt mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Bett.

ULRIKE:
Nein, nein, nein – es geht einfach nicht.
STEFAN:
Wirklich nicht Schatz?
ULRIKE:
Ich halt das nicht aus.
STEFAN:
Willst du dich noch kurz ausruhen?
ULRIKE:
Zwecklos.
STEFAN:
Kurz weinen?
ULRIKE:
Habe ich doch schon.
STEFAN:
Soll ich bei dir bleiben?
ULRIKE:
Nein, nein. Nur weil ich Kopfweh hab? Du hast dich doch so drauf gefreut. Du sollst nicht wegen mir leiden müssen.
STEFAN:
Ja, schon, aber…
/ ULRIKE:
Geh schon! Ich komm schon zurecht. Ich leg mich gleich ins Bett und gut ist. Vielleicht noch ein bisschen weinen.
STEFAN:
Ohne dich werde ich eh keinen Spaß haben.
ULRIKE:
Jemand, der so aussieht wie du gerade, kann ja gar keinen Spaß haben. Da haben eher alle anderen Spaß, weil sie dich sehen.
STEFAN:
Wie meinst du das?
ULRIKE:
Schau mal in den Spiegel.
STEFAN:
Lieber nicht. Ich bin doch so schreckhaft.
ULRIKE:
Stimmt.
STEFAN:
Ach Ulrike. Nimm noch eine Tablette!
ULRIKE:
Hab ich schon. Wirkt noch nicht. Es tut so weh, Stefan.
STEFAN:
Und wenn wir Sex haben?
ULRIKE:
Dann tut es noch mehr weh. Wenn Frauen Kopfweh haben, wollen sie nicht ins Bett.
STEFAN:
Aber eben sagtest du, du willst ins Bett.
ULRIKE:
Geh einfach.
Stefan küsst Ulrike auf die Stirn.

STEFAN:
Na gut. Ich denk an dich! Es wird nicht so spät.
ULRIKE:
Egal. Ich werde eh schon schlafen.
STEFAN:
Und ich tanze mit keinen anderen Frauen!
ULRIKE:
Aha? Aber mit Männern, oder wie?
STEFAN:
Nur mit den schönen. (lacht dümmlich) Tschuldigung.
ULRIKE:
Sorry, Stefan, aber mir ist nicht nach Witzen zumute. Geh jetzt.
STEFAN:
Soll ich dir was mitbringen?
ULRIKE:
Klar, eine Flasche Schnaps.
STEFAN:
Echt?
ULRIKE:
GEH JETZT!
STEFAN:
Eine geheimnisvolle Frau habe ich da.
ULRIKE:
Nächstes Mal bin ich wieder dabei. Das Kostüm wird ja auch nicht schlecht.
STEFAN:
Und ich war so gespannt darauf.
ULRIKE:
Tja.
STEFAN:
Ich bin doch so neugierig.
ULRIKE:
Bitte geh. Amüsiere dich.
STEFAN:
Kussi aufs Bauchi!
ULRIKE:
Geeeeeeeeeeh!
Stefan geht.

Dritte Szene:

Das Handy klingelt. Ulrike erwacht in ihrem Bett und streckt sich. Dann nimmt sie den Anruf
entgegen.


ULRIKE:
Silvia! Hi! Schön, dass du… Nein, ich bin gar nicht hin. … Hmm, wie viel Uhr ist es jetzt? … Ja, dann bin ich vor circa zwei Stunden eingeschlafen. Ich hatte SO Kopfschmerzen, das kannst du dir nicht vorstellen! Wie wenn jemand mit dem Presslufthammer im Schädel… genau so! Oder wie wenn jemand mit dem Rasenmäher… ja, genau so! Oder wie ein Flugzeug direkt neben deinem Kopf… ja, genau so! Oder wie… wie? Nein, so nicht. Auf jeden Fall war es unerträglich für mich. … Ja … der ist schon dort! … Ja, das ist schon in Ordnung. … ach, der ist doch brav! … Ach Quatsch! Treudoof ist der. Nein, natürlich nicht soooo doof. Ich meine das im positiven Sinne. … Glaubst du? … Ach! Der Stefan?! Was denkst du denn von meinem Mann? … Weißt du, dass du jedes Mal den Franz Beckenbauer erwähnst? Egal, um was es geht. Was hat es mit deinem Kaiser-Wahn auf sich? Hattest du mal ein ähnliches Erlebnis? Aber du vergisst da was! Das war auf einer WEIHNACHTSFEIER! … (lacht) Beim Karneval bei uns geht’s anders zu! … Nee, DER war in der Besenkammer! … Fünf! Waren nur FÜNF Minuten! (lacht) … Obwohl: das ist beim Stefan ähnlich… egal! Und was ist mir dir? Warum bist du nicht da? … Achso … aber weißt du was? Mir geht’s jetzt wieder so gut – ich glaub, ich geh noch hin! … Ja, ich hatte eine Tablette genommen und jetzt geht’s mir richtig gut! … Presslufthammer ist weg! … Super! Wollen wir dann zusammen los? … Bis wann schaffst du’s? …. Na also! … Dann zieh ich mich schon mal an! … Da fällt mir ein, der Stefan weiß ja noch nicht mal, als was ich gehe. … Ja, ich wollte ihn eigentlich mit der Verkleidung überraschen. … Ja, genau das! Aber das hatte ich ja nur DIR erzählt. Er hat überhaupt keinen Plan! … (lacht laut) Ja, das wäre echt lustig! … Nein … Obwohl … Du hast recht – das wäre interessant. … Einfach mal schauen, was er so treibt, ohne dass er mich erkennt. … Nicht, dass er doch den Beckenbauer macht. So machen wir das! … Super! Bis dann. Ich freu mich!
Ulrike richtet sich auf und geht zu ihrem Kostüm. Sie zieht es an.

Vierte Szene:

Der Karnevalball. Viele Maskierte haben viel Spaß. Laute Musik, Unterhaltungen, Tänze. Mittendrin offensichtlich Stefan, der gerade mit der jungen Sabrina flirtet. Ulrike steht mit Silvia verkleidet etwas am Rand. Beide halten ein Getränk in der Hand. Sie beobachten Stefan und Sabrina genau. Stefan streichelt Sabrina und tanzt eng mit ihr.

ULRIKE:
Sabrina. Ich fass es nicht.
SILVIA:
Ich hab’s gewusst.
ULRIKE:
Die Dorfmatratze.
SILVIA:
Ich hab’s gewusst.
ULRIKE:
Und nicht mal in der Besenkammer.
SILVIA:
Ich hab’s gewusst.
ULRIKE:
Ich bin so enttäuscht.
SILVIA:
Ich hab’s gewusst.
ULRIKE:
So ein Dreckskerl.
SILVIA:
Ich hab’s gewusst.
ULRIKE:
Du hattest recht.
SILVIA:
Ich hab’s gewusst.
ULRIKE:
Besonders viel Wortschatz hast du allerdings nicht.
SILVIA:
Ich hab’s gewusst.
ULRIKE:
Ja ich auch.
SILVIA:
Und nun?
ULRIKE:
Ich hau ihm jetzt sofort eine rein.
SILVIA:
Moment noch! Bevor du Gewalt anwendest: Vielleicht…
Stefan flüstert Sabrina etwas ins Ohr – daraufhin geht sie lächelnd hinaus. Eine andere Frau lächelt Stefan an und er flirtet auch mit ihr. Kokett tanzen sie sich an und küssen sich schließlich aus heiterem Himmel.

SILVIA:
Wenn Sabrina die Dorfmatratze ist, ist Claudia wohl die Isomatte.
ULRIKE:
JETZT REICHT’S!
SILVIA:
HALT! Warte noch.
ULRIKE:
Worauf denn?
SILVIA:
Ich hab eine Idee.
ULRIKE:
Achja? Willst du auch noch mit ihm flirten? Als Dorflaken vielleicht?
SILVIA:
Nein. Geh DU hin! Mach ihn an.


ULRIKE:
Ihhh, wieso sollte ich das machen?
SILVIA:
Ähm, ist er nicht dein Mann?
ULRIKE:
Ja eben!
SILVIA:
Aber verstehst du nicht, du könntest…
ULRIKE:
Achsoooo, famose Idee, liebe Freundin. Du hast recht. Ich hatte dich unterschätzt.
SILVIA:
Ich hab’s halt gewusst.
ULRIKE:
Dem werde ich’s zeigen! Dreckskerl.
Ulrike nimmt Silvias Getränk und bewegt sich langsam tanzend auf Stefan zu. Bei ihm angekommen, stößt sie Claudia mit ihrem Hintern weg und reicht Stefan einen Drink. Dieser scheint nur ein klein wenig überrascht ob seiner Schürzenjäger-Fähigkeiten. Ulrike tanzt lasziv mit ihm und flüstert ihm etwas ins Ohr. Jetzt scheint Stefan schon etwas überraschter. Er schaut sich um und nimmt sie dann in den Arm und führt sie in eine Besenkammer. Von dort hört man ziemlich schnell lautes Stöhnen.

Fünfte Szene:

Wieder Zuhause. Ulrike liegt telefonierend im Ehebett. Sie spricht sehr leise.

>ULRIKE:
Unglaublich … ich sag’s dir, unglaublich. … Hmm gut, es war gut. Sehr gut sogar. Aber der Mistkerl dachte wohl auch, dass es eine andere wäre. … Den mach ich so fertig! … Der überlebt das nicht! … Was? … Nee! … Sieben? … Du hast auf die Uhr geschaut? Sieben Minuten? Kam mir aber schon länger vor. Immerhin war es… Moment, ich muss kurz nachrechnen… 243 Prozent länger als sonst. Also eine monumentale Verbesserung für mich. Und die Verkleidungen haben ihr Übriges getan. Es war wieder wie ganz am Anfang. Und der Hass! Ich sage dir, der Hass bewirkt auch so einiges! Man wird so richtig animalisch und wild. Ich muss Schluss machen Silvi, Stefan ist grade noch im Bad. Ich ruf dich dann an. Spätestens morgen! Und wann seine Beerdigung ist, erfährst du ja aus der Zeitung. Ja, ja, du hast es gewusst, ich weiß, dass du es gewusst hast. Ciao! Bis später.
Ulrike legt auf. Stefan kommt – bereits mit einem Schlafanzug bekleidet - ins Zimmer und ist überrascht.

STEFAN:
Schatz! Du bist ja noch wach! Ach, bin ich froh, jetzt bei dir zu sein. Ohne dich macht es einfach keinen Spaß.
ULRIKE:
Du hast es gewusst.
STEFAN:
Ja! Genau wie ich sagte. Erst stand ich nur gelangweilt in der Ecke und hab die Bierflaschen gezählt. Bei 243 hab ich aufgehört. Mit dir hätte das viel mehr Spaß gemacht.
ULRIKE:
Und dennoch bist du jetzt erst heimgekommen?
STEFAN:
Naja, meine Kumpels waren ja auch da. Wir sind dann in ein Nebenzimmer und haben noch Schafkopf gespielt. Aber jetzt bin ich ja da. Bei meinem Schatzilein. Gottseidank.
Er legt sich zu ihr und gibt ihr einen Kuss auf die Backe.

ULRIKE:
Achja?
STEFAN:
Ja! Klar! Endlich! Wie geht’s dir?
ULRIKE:
Gut.
STEFAN:
Also besser?
ULRIKE:
Besser.
STEFAN:
Hast du eine Tablette genommen?
ULRIKE:
Ja.
STEFAN:
Was hast du denn noch gemacht?
ULRIKE:
Ich habe den Abend noch nutzen können.
STEFAN:
Echt? Das ist ja toll. Und wie?
ULRIKE:
Mir ist einiges klar geworden.
STEFAN:
Und was genau ist dir klar geworden?
ULRIKE:
Dass ich ein richtiges Tier sein kann!
STEFAN:
Eine geheimnisvolle Frau habe ich da.
ULRIKE:
Hast du dich denn gar nicht amüsiert, Stefan?
STEFAN:
Boah, nein. Ich hab’s dir doch gesagt. Ohne dich hab ich keinen Spaß auf Partys. Dann bin ich Lord Trübsinn. Mister Depri. Captain Ernst. Sir Bedröppelt. Graf von…
ULRIKE:
Jaja… also war es öde heute?
STEFAN:
Ja, das war echt nicht grade der Hit.
ULRIKE:
Hast du wenigstens noch getanzt?
STEFAN:
Um Gottes Willen, nein!
ULRIKE:
Sicher nicht?
STEFAN:
Ich lüge dich doch nicht an. Wir sind dann ins Nebenzimmer zum Schafkopf spielen. Mit Michael, Sven, Andi. Und erst noch mit Alexander.
Ulrike ist kurz vorm Explodieren – holt bereits mit der Hand aus. Stefan lacht plötzlich.

STEFAN:
Aber der Alexander… oh mein Gott! Ich hab ihm mein Kostüm gegeben. DER hat sich vielleicht amüsiert, sag ich dir!
Ulrike lässt die Hand sinken und schaut wie versteinert.

STEFAN:
Welches Kostüm hättest du denn gehabt, Schatz? Darf ich es jetzt vielleicht noch sehen? (wird zärtlich) Es geht dir ja immerhin wieder besser…
Black.